Fünf Prozent mehr sind nicht drin
Erstes Beschnuppern bei den Tarifverhandlungen der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie: Die IG Metall fordern 5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die Arbeitgeberseite kann und will da aus verschiedenen Gründen nicht mitziehen, zeigte sich aber gesprächsbereit. Man geht in die zweite Runde.
Erste Runde der Tarifverhandlung für 5% mehr Lohn und Gehalt: IG Metall (in rot) gegen die Arbeitgeberzunft (in schwarz-grauen Anzügen)
Die Tarifverhandlungen für die die rund 130.000 Beschäftigten der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie sind nach dem Vortragen der gegenseitigen Standpunkte am 9. Februar in Frankfurt um rund zwei Wochen vertagt worden. Die IG Metall fordert 5% mehr Lohn und Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, Arbeitsplatzsicherheiten sowie Gespräche über die Bewältigung des demografischen Wandels. „Jetzt läuft der Aufschwung, davon müssen auch die Beschäftigten der Textil- und Bekleidungsindustrie profitieren”, sagt Helga Schwitzer, Vorstandsmitglied der IG Metall. Nachdem die Umsätze nach dem Krisenjahr 2009 wieder um 16,9% gestiegen sind und die Branche mit positiven Erwartungen in 2011 geht, sei dies nur „fair“. Der Anteil für Löhne und Gehälter am Umsatz liegt in der Textilindustrie bei 17,3% und in der Bekleidungsindustrie bei 14,3%.
Arbeitgeber-Verhandlungsführer Wolfgang Brinkmann vom Gesamtverband textil+mode warf der Gewerkschaft dagegen „Kurzsichtigkeit“ vor. Nachdem sich die Branche jahrelang auf „Talfahrt“ befunden habe und es während der Krise Umsatzeinbrüche von bis zu 25% gab, sei man noch nicht überall auf dem Vorkrisenniveau angekommen. Und schließlich könne man Entgelterhöhungen doch nur in dem Maße gewähren, wie es die Zahlen insgesamt zuließen. „Die Unternehmen versuchten gerade die Einbrüche der Krise aufzuholen, von Überholen könne keine Rede sei“, so Brinkmann weiter. Bezüglich des Vorwurfs des Arbeitsplatzabbaus verwies Brinkmann auf die krisenbedingten Insolvenzen und den Erhalt vieler Arbeitsplätze durch die Einführung von Kurzarbeit. Im Hinblick auf die Gefahr des demografischen Wandels und der Forderung nach „jungen, gut ausgebildeten Fachkräften“ zeigte sich die Arbeitgeberseite gesprächsbereit. “Ich denke, hier liegen wir gar nicht so weit auseinander“, schloss Wolfgang Brinkmann seine Ausführungen und forderte die IG Metall noch einmal zum fairen Miteinander auf, um die Betriebe nicht außergewöhnlich zu belasten.
Die zweite Verhandlungsrunde findet am 21. Februar in Viernheim statt. Der aktuelle Tarifvertrag läuft noch bis zum 28. Februar, bis dahin gilt die tarifliche Friedenspflicht. Sollten die Parteien bis dahin keine Einigung erzielt haben, könnten Streiks drohen.
Foto: IG Metall



Kommentare
Keine Kommentare bisher.