27 Verbände aus 14 europäischen Staaten sprechen sich gegen eine verpflichtende Produktkennzeichnungspflicht aus. Auch der Gesamtverband textil+mode ist dafür, dass es bei der freiwilligen Angabe bleibt. In einer so globalisierten Welt ist ohnehin schwer zu definieren, woher ein Produkt kommt.

Wäre ein Hugo Boss Anzug Made in Germany, wenn die Wolle aus Italien kommt?

In einer gemeinsamen Erklärung sprachen sich gestern der Gesamtverband textil+mode sowie weitere 26 Verbände gegen eine verpflichtende Herkunfts-bezeichnung aus. textil+mode hatte die Erklärung, die sich zum freien Handel und weniger Bürokratie ausspricht, zusammen mit dem DIHK und der schwedischen Handelskammer initiiert. Die Gegner der verpflichtenden Herkunftsbezeichnung kommen nicht nur aus liberalen Staaten wie den Niederlanden oder Schweden, sondern auch aus konservativen Ländern wie Spanien und Bulgarien.

„Eine so breite Ablehnung aus den unterschiedlichen EU-Ländern ist ein starkes Signal an die Mitgliedsstaaten, die demnächst über ‚Made in’ verhandeln“, sagte Dr. Wolf-Rüdiger Baumann, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes textil+mode. „Angeblich soll die verpflichtende Made in Kennzeichnung dem Verbraucherschutz dienen. Aber keine bekannte Verbraucherschutzorganisation unterstützt den Vorschlag“, fügt Baumann hinzu und weist auf den zerfaserten Wertschöpfungsprozess hin: „Wenn australische Wolle in Italien gewebt und an einen deutschen Bekleidungshersteller geliefert wird, der einen Anzug daraus designed und diesen dann in Serie in Tunesien nähen lässt, stimmt dann die Angabe ‚Made in Tunisia’? So wird der Verbraucher doch erst recht in die Irre geführt!“