Wohl kaum ein anderes Label verfügt über eine so internationale Geschichte wie Freeman T. Porter. Benannt ist das Modelabel nach einem jungen US-Soldaten, der im zweiten Weltkrieg aus Saint Louis (Missouri) nach Europa kam und sich hier in eine junge Deutsche verliebte. Jahrzehnte nach dieser Begegnung nannte der aus dieser Beziehung geborene Sohn seine Streetwear-Kollektion nach seinem Vater. In seinen Kreationen ließ sich der junge Designer von dem Style junger Amerikaner inspirieren: Alles drehte sich um drei Hauptthemen Millitary, Workwear und College.

Doch die bewegte Geschichte geht weiter: 2007 übernahm der französische Distributeur EP6 das 1993 gegründete Label und sorgte für neue Impulse. In Frankreich ist das Label nicht nur bei zahlreichen Fachhändlern präsent, sondern auch mit neun Stores. Darüber hinaus will Freeman T. Porter nun international durchstarten. Im deutschsprachigen Markt hat Hendrik Schimmel den spannenden Job übernommen, die Marke voranzutreiben. Seit dem Eintritt des ehemaligen G-Star Managers im letzten Jahr ist vieles passiert… u.a. wurde ein skandinavisches Design-Team angeheuert, das mit dem Kreativoffice in Paris zusammenarbeitet und den internationalen Stil weiter forciert. Was noch passierte und wie es weiter gehen soll, verriet der gebürtige Berliner im Januar auf der Bread & Butter.
1. Wie verlief die Bread & Butter bisher für euch?
Für uns verlief diese Ausgabe ausgesprochen erfolgreich. Wir zeigen uns hier mit einem neuen Messestand, komplett neuer Kollektion und neuem Markenauftritt. Das neue Konzept wurde gut angenommen und besprochen. Wir hatten und haben hier sehr, sehr gute Besucher. Insofern kann ich die Selektion und Neupositionierung der Messe nur begrüßen, zumal ich finde, dass Veränderung immer Sinn macht, gerade in unserer Branche, die von permanenter Veränderung geprägt ist.
2. Apropos Veränderung: Bei Freeman T. Porter ist in den letzten Monaten unheimlich viel passiert. Hat dich gerade diese Veränderung gereizt, um von G-Star zur Freeman zu wechseln?
Ich könnte jetzt bestimmt eine Stunde darüber reden, was in dem letzten Jahr alles passiert ist. Für mich war Freeman T. Porter war eine Entscheidung: Woher kenne ich die Marke und ist es möglich, sie an einen Punkt zu bringen, an dem wir heute sind. Die Geschichte ist gut, aber der Kunde, der Freeman T. Porter damals kaufte, hat sich weiterentwickelt, deshalb musste auch die Marke erwachsen werden. Meine Herausforderung sah ich darin, den Kunden dort abzuholen, wo er jetzt ist. Rückblickend muss ich sagen, dass es uns gelungen ist: Wir haben es geschafft, dass alle Bereiche, vom Design bis zum Vertrieb, in die gleiche Richtung laufen..
3. Was hat sich an den Kollektionen offensichtlich verändert und wo soll es weiter hingehen?
Freeman T. Porter hat eine starke History im Denim und ein Designteam, das neue Sachen ausprobieren will. Das Spannende ist, dass das neue skandinavische Designteam mit dem Kreativoffice in Paris zusammenarbeitet und daraus etwas Neues entsteht, was ich so noch nicht kannte: Etwas Nordisch-Skandinavisches, gepaart mit mediterranen Einflüssen.
4. Eure Kunden sind älter geworden. Wie ist denn der typische Freeman-Typ?
Genau kann man das heute nicht mehr sagen. Es gibt Looks auf der Straße, bestehend aus einer Jacke, einem T-Shirt und einer guten Jeans – und das kann jeder tragen, ein 16-Jähriger genauso wie ein 60-Jähriger. Es sieht dann vielleicht etwas anders aus, aber es ist ein generationsübergreifender Look, der einfach keinen typischen Kunden hat. Insofern bedienen wir alle, im Kern 18- bis 40-Jährige.
5. Aber es gibt ja auch Womenswear, oder?
Ja, da sind wir sogar sehr stark. Der Damenbereich ist wichtig und funktioniert super gut. Unsere Umsatzverteilung liegt bei 60% Frauen und 40% Herren, zumindest bis zur letzten Saison, denn wir haben den Herrenbereich deutlich gestärkt. In Deutschland ist das Verhältnis ungefähr 50:50. Unser Damenbereich wird dominiert von interessanten Silhouetten, aber Denim spielt auch hier eine große Rolle. In der aktuellen Kollektion haben wir bspw. eine Hose, die ist 100% Stretch wie eine Leggins, aber trotzdem Denim.
6. Freeman T. Porter ist französisch, hat aber deutsche Wurzeln. Wie wichtig ist denn der deutsche Markt für die Marke heute?
Der deutsche Markt ist ein Key Market und er ist – und das ist gerade heute sehr wichtig – gesund. Als Pascal Müller von EP6 (der damalige Großhändler der Marke für die Märkte Frankreich, Belgien und Spanien) Freeman vor über vier Jahren übernommen hat, hat er sie bereits in einer tollen Art und Weise neu positioniert und clevere Dinge eingeführt, wie bspw. das Kreativoffice in Paris. Dennoch blieb die Logistik in Creutzwald an der deutsch-französischen Grenze. Und in Berlin haben wir ein deutschsprachiges Head-Office, von dem wir die Märkte Deutschland, Schweiz, Österreich, Holland, Osteuropa und Middle East angehen. Insofern spielt Deutschland eine enorm wichtige Rolle für das Unternehmen. Nach Frankreich ist es der zweitwichtigste Markt.
7. Allerdings gibt es in Frankreich auch eigene Stores. Plant ihr das auch in Deutschland?
Wir arbeiten seit ungefähr einem Jahr an dem Thema. In diesem Jahr werden wir hier drei Monobrand-Stores eröffnen.
Und wo?
Als ersten logischen Schritt natürlich in Saarbrücken (lacht), aber das liegt in der Nähe zu Frankreich und unserem Logistik-Office. Und dann in München und Berlin – die Standorte, an denen wir bereits mit Showrooms vertreten sind.
8. Und sind denn weitere Showrooms geplant oder haltet ihr euch vom Orderstandort Düsseldorf fern?
Nein, das machen wir nicht. Wir werden in nächster Zeit einen Showroom in Düsseldorf und einen in Hamburg eröffnen.
9. Und wie sieht es mit einem eigenen Onlineshop aus? Bisher gibt es den ja nur in Frankreich.
Auch an dem Thema arbeiten wird. Wir sind in der Planung für einen gesamtdeutschen Onlineauftritt mit Facebook, Instagram, Pinterest und natürlich auch einem Webshop. Ich bin der Auffassung, das sollte so gut zusammengeführt werden, dass es optimal für den gesamtdeutschen Markt funktioniert, deshalb überstürzen wir nichts. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir das im nächsten halben Jahr online bringen werden.
10. Dann habt ihr in 2013 ja Einiges vor. Wie sieht es denn marketingtechnisch aus? Geht ihr da auch neue Wege?
2013 ist ja jetzt schon spannend, auch wenn es erst angefangen hat. Und tatsächlich schlagen wir auch beim Marketingkonzept ein neues Kapitel auf. Wir wollen keine gecasteten Bilderbuch-Gesichter wie in den vorangegangenen Kampagnen zeigen, sondern echte Typen, die aus dem Leben sind. Dazu passt der neue Slogan „I am a Free Man“. Es ist das erste Mal, dass wir den Brandnamen auseinander nehmen und damit spielen. Aber wir wollten eine Assoziation zu den Bildern schaffen und umgekehrt. Dadurch dass wir bewusst weg sind von den jungen schönen Menschen, schaffen wir ein viel breiteres Spektrum für Leute, die sich mit der Marke identifizieren können. Und das ist ja gewollt.
11. Also auch ihr setzt auf Authentizität und Heritage. Das sind ja auch Trends bei anderen Denimbrands. Siehst du noch andere Trends für die kommenden Jahre?
Ich liebe Denim und meine letzten 18 Jahre waren davon geprägt. Deshalb glaube ich, dass Denim in erster Linie optisch ansprechen muss. Das wird immer so sein. Es gibt Merkmale, die stechen einfach heraus und überzeugen, egal, ob es sich um Raw Denim oder Used-Effekte handelt. Da wird es nicht viel Neues geben, denn irgendwie war alles schon da und es wiederholt sich. Auf der anderen Seite sind und bleiben gute Passformen ein wichtiges Thema. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Marken mit History im Denim sind da natürlich im Vorteil, denn sie verfügen über bestätigte Passformen und viel Wissen darüber.







