Ging besser weg als heiße Semmeln! Die Designerkollektion war eigentlich schon bei Eröffnung der Aldi-Läden am Montagmorgen vergriffen. Für den Discounter war das aber nicht nur positiv.

Wenn Aldi Design drauf steht, muss wohl auch Design drin sein. Dem Erfolg tut das keinen Abbruch

Für Kim Aline Suckow, Stellvertreterin der Geschäftsführer im Einkauf von ALDI SÜD, (3. v. r.) und Designerin Jette Joop war die Fashionshow in einer Düsseldorfer Aldi-Filiale ein voller Erfolg

Die 28-teilige Designerkollektion von Jette Joop war für Aldi Süd ein Kassenschlager. Der Andrang vor vielen Filialen war so groß wie damals, als H&M seine ersten Designerkollektionen anbot. Viele Frauen warteten in größeren Grüppchen bereits eine halbe Stunde vor der offiziellen Öffnungszeit vor den Läden – um dann etwas ratlos vor den metallenen Sortierern zu stehen, da das Teil, mit dem sie geliebäugelt hatten, schon ausverkauft war. Andere griffen einfach zu – was nicht passt oder gefällt, wird mit saftigem Gewinn einfach bei eBay verkauft. Ein Jumpsuit, der bei Aldi für 17,99 Euro kostete, schaffte es auf der Versteigerungsplattform locker auf das Dreifache. „Ich hatte auf einen Erfolg der Kollektion gehofft, aber das hat mich jetzt doch überrascht“, sagte Designerin Jette Joop dem Handelsblatt.

Modisch gesehen ist die Aldi-Kollektion von Jette Joop kein sonderliches Highlight. Deutlich hebt sie sich nicht von dem Rest der sonst dort angebotenen Kollektionen ab. Schlichte Schnitte, Blusen aus 100% Polyester, Sandalen aus Synthetik. Aber offenbar zieht der Name „Joop“ in Deutschland noch immer, und wenn Aldi als deutsche Einkaufsinstanz von einer „Design-Tasche“ spricht, wird das wohl auch so sein. Extravagant sollte es für Jette Joop auch nie sein: „Meine Kreationen sollen den Menschen Spaß machen, ihren Alltag verschönern und trotzdem bezahlbar sein. Mit der Blue Motion Fashionkollektion haben wir hochwertige Materialien und ausgezeichnete Qualität für einen lässig sportiven und frischen Look vereint“, so die Designerin.

Rein geschäftlich war der Verkauf der „Designer-Kollektion“ für Aldi ein voller Erfolg. Geschätzt wird, dass jede der über 2.300 Aldi Süd- und der Hofer-Filialen zwischen 50.000 bis 80.000 Euro mit der Kollektion umgesetzt hat, also insgesamt wohl mindestens 150 Mio. Euro. Auch wenn es viele glückliche Kundinnen gab, waren doch viele enttäuscht und machten ihrem Ärger auf der Aldi-Facebook-Seite Luft. Einige berichteten, dass es nirgendwo M-Größen gab, andere, dass sich Mitarbeiter bereits den Großteil der Kollektion gesichert hätten und wieder andere monierten, dass die Artikel bereits um zehn nach 8 Uhr bei eBay angeboten wurden, aber in der Filiale ausverkauft gewesen seien. Der Kundenservice hatte ordentlich zu tun, um die Meute zu beruhigen: „Die Nachfrage bei unserer Blue Motion Kollektion überstieg unsere Erwartungen um ein Vielfaches und kann letztendlich auch bei sorgfältigster Planung nie exakt vorausgesagt werden“, heißt es dort unter anderem.

Ob es eine Fortsetzung der Designerkollektion mit Jette Joop oder anderen Designern geben wird, steht noch nicht fest. An dem mangelnden Erfolg sollte eine weitere Auflage jedenfalls nicht scheitern.

Fotos: Screenshot aus aktuellem Prospekt, obs/Unternehmensgruppe ALDI SÜD