Steigende Baumwollpreise erhöhen den Druck auf Textilproduzenten und könnten sich auch in steigenden Preisen für die Verbraucher niederschlagen. Die Preise für Baumwolle sind in den letzten Wochen auf ein 15-Jahreshoch geklettert.

Kostbares Gut: zu wenig Angebot für zu einer Explosion der Baumwollpreise

Die verheerenden Überschwemmungen in Pakistan und die Ängste über die diesjährige Baumwollernte in China, haben die Preise für Baumwolle durch Spekulationen in die Höhe schnellen lassen. Der meistgehandelte Dezemberkontrakt für Baumwolle an der Chicagoer Terminbörse CBOT erreichte mit 92,7 US-Cent je Pfund Baumwolle ein neues 15-Jahreshoch.

Zu viel Niederschlag und zu niedrige Temperaturen hätten den Zustand der Baumwollfelder in China stark in Mitleidenschaft gezogen. Das chinesische Landwirtschaftsministerium rechnet in 2010 mit einer Ernte von 6,4 Mio. Tonnen. Das ist nicht genug um den Bedarf zu decken, daher wird China Baumwolle importieren müssen. Analysten gehen davon aus, dass China 2,8 Mio. Tonnen zusätzlich nachfragen wird. Die Hoffnungen, dass Indien seine Ernte dem Welthandel zugänglich macht, haben sich zerschlagen, da die indische Regierung nur 1,2 Mio. Tonnen für den Export freigeben will. Überdies werden indische Baumwollexporte mit einem Strafzoll besteuert.

Somit ergibt sich, trotz der Rekordernten in den USA, ein zum zweiten Mal in Folge ein Angebotsdefizit an den Baumwollmärkten. Bei einer Nachfrage für rund 26,24 Mio. Tonnen können nur 97% (25,46 Mio. Tonnen) befriedigt werden. Interessanter Weise betrug das Defizit im letzten Jahr weltweit 3,5 Mio. Tonnen –  und die Baumwollpreise sind nicht derartig explodiert.

Und was bedeutet das für den Verbraucher?

Die Preisschwankungen für Baumwolle haben einen großen Einfluss auf die Kosten von Kleidung, da der verwendete Stoff etwa 60 bis 70% der Herstellungskosten ausmacht. Große Textilketten, insbesondere in Großbritannien, warnen vor dem Preisdruck, der entstehen wird, wenn es zu Lieferengpässen kommen wird. Neben höheren Baumwollkosten belasten die Händler auch die steigenden Löhne in China und Bangladesch) sowie gestiegene Frachtkosten. Um die Margen zu halten, werden die Preissteigerungen an die Verbraucher weitergereicht. Kleidung wird bis zu 5% teurer werden, heißt es unisono. Die britische Modekette Next sorgte in der Textil- und Einzelhandelsbranche für Erschauern, als sie verkündete, dass sie sogar mit Preissteigerungen von 8% rechne. In Deutschland dagegen steht die Branche der Preisfrage gelassen gegenüber. Heinz Horn, der Präsident des Gesamtverbandes Textil + Mode hatte im August in einem Interview erklärt, dass er keine Engpässe befürchte. Seiner Meinung nach, stellt sich die Branche allmählich auf kosten- und umweltfreundlichere Kunstfasern um – und die werden bekanntlich ja nicht an der Terminbörse gehandelt.

Foto: via picapp/China Photos