Alexander Kamps, Geschäftsführer der Pohland GmbH& Co. KG
1. Worauf freuen Sie sich am meisten bei der Eröffnung des neuen Stores?
Wir sind neu am Standort Münster und haben viele Monate auf diesen Moment hingearbeitet. Die Erwartungshaltung steigt mit jedem Tag und nun bin ich darauf gespannt, wie die Kunden reagieren und wie das Konzept angenommen wird. Mode ist heute mehr denn je Kommunikation und ein Weg, sich als Mensch zu differenzieren. Auch in Münster möchten wir ein Teil davon sein, dass Männer sagen „Bei Pohland ist Mode“.
2. Was hat Sie ins Münsterland getrieben? War die Gelegenheit günstig oder war Münster schon lange ein Wunschstandort?
Pohland ist ein Nordwest-Player und der Ursprung des Unternehmens im Ruhrgebiet bietet die Möglichkeit, in der Region Synergien zu ziehen. Münster war schon viele Jahre in unserem Fokus, aber wir haben erst vor gut einem Jahr mit der mitten in der Innenstadt gelegenen, ehemaligen Dresdner Bank-Immobilie die ideale Fläche gefunden.
Auf zwei Etagen und 1.700 Quadratmetern ist Pohland in der Münsteraner Königsstraße 60 neu an den Start gegangen
3. Womit wollen Sie die Münsteraner langfristig überzeugen?
Als Pohländer bin ich überzeugt, dass wir mit unserem Konzept, so wie es sich in den letzten Jahren entwickelt hat, nachhaltig attraktiv für den Kunden sind. Uns ist nicht an einem kurzfristigen Big-Bang mit Wahnsinnseröffnungsangeboten gelegen, sondern wir wollen mit branchenadäquaten Kompetenz und Zuverlässigkeit punkten. Dass das funktioniert, sehe ich an unseren anderen Standorten, etwa in Braunschweig, Hannover oder Dortmund. Der Erfolg dort gibt uns das Vertrauen in die Expansion nach Münster und dafür, dass wir uns hier langfristig erfolgreich positionieren können.
4. Apropos Expansion: Gibt es schon konkrete Pläne für weitere Läden, die Sie verraten können?
Unsere Kunden sagen, dass das Konzept Pohland multipliziert werden sollte, einfach auch, weil sie eine gewisse Filialdichte erwarten. In 2014 werden wir keine weiteren Läden realisieren. Für die Jahre 2015 und 2016+ sind wir überzeugt, dass wir am Markt expansiv sein können und werden. Konkretes werden wir kommunizieren, wenn Standorte und Termine feststehen. Es gibt noch eine Reihe sehr guter Städte und Regionen, an denen Pohland noch nicht vertreten ist. Wenn wir expandieren, dann in attraktive Innenstadtlagen, wo gute Frequenz und qualitativ guter Wettbewerb ist. Da fühlen wir uns wohl und da sind wir erfolgreich. Pohland wird es nie auf der grünen Wiese geben, denn bei einer Neueröffnung sollten wir immer 80 bis 85% Synergien aus der Filialstruktur ziehen können; zu 15 bis 20% lassen wir Regionalität miteinfließen.
5. Multi- oder Omnichannel sind Themen, die für den stationären Handel immer wichtiger werden. Ist auch der Gang ins Netz eine konkrete Überlegung bei Pohland?
Ich bin überzeugt, dass der Onlinehandel keine Sache ist, die man als Einzelhändler im „Vorbeigehen“ mitnehmen kann. Um online erfolgreich zu sein, müssen Händler extrem viel Know-How und Professionalität in ein Online-Konzept integrieren. Momentan ist Pohland organisatorisch so aufgestellt, dass wir das nicht leisten können. Wir sind überzeugt, dass wir mit unseren acht Filialen auch so eine Menge Möglichkeiten am Markt und auch in Konkurrenz zum Onlinewettbewerb haben. Das Thema „Online“ steht für uns unter „To Watch“, aber ich sehe nicht, dass wir 2015 oder 2016 einen interaktiven Onlineshop eröffnen werden.
Zum Markenportfolio gehören u.a. Armani, Barbour, Hugo Boss, Bogner, Cinque, Diesel, Gardeur, Daniel Hechter, Joop!, Olymp, Polo Ralph Lauren, Strellson und natürlich Camp David
Abgerundet wird das Ganze natürlich mit den passenden Accessoires und Schuhen
6. Was bedeutet es heute, in Zeiten des Online-Shoppings und der zunehmenden Marktmacht von Filialisten, Herrenausstatter zu sein?
Wenn man sich die großen Online-Pure-Player anschaut, kann man sich natürlich fragen, wer ist denn noch in der Lage, vernünftig Einzelhandel zu betreiben. Aber Wettbewerb kann beflügeln, Chancen heben und dafür sorgen, dass sich Konzepte weiter entwickeln. Befeuert durch die unterschiedlichen Vertriebskonzepte hat sich der HAKA-Bereich in den letzten Jahren extrem gewandelt. Wir sehen uns dabei gut aufgestellt, denn wir erfahren die Vorteile, die der stationäre Fachhandel hat. Wie viele Pakete muss man öffnen, probieren und wieder zurückschicken, wenn Sie nicht wissen, welcher Stil oder welche Passform zu A, B oder C passt? Am Ende ist Onlineshopping für viele Männer nicht zeitverknappend sondern vielleicht sogar zeitraubend.
7. Was unterscheidet denn den „heutigen Pohland“ von dem „früheren Pohland“ von vor fünf Jahren, oder hat sich gar nicht so viel verändert?
Pohland ist nach wie vor ein HAKA-Händler, der den Formalwear-Bereich sehr stark abbildet und darin auch eine gesunde Umsatzanteiligkeit sieht. In den letzten sechs bis acht Jahren haben wir den Bereich der Freizeitbekleidung stark ins Unternehmen integriert, was zu einer Umsatzverhältnismäßigkeit geführt hat, die deutlich marktgerechter ist. Das alles erfolgte vor dem Hintergrund, dass sich der Markt extrem verändert hat und wir heute auch Lifestyle-Anbieter sind.
Können Sie das erläutern?
Als HAKA-Anbieter haben wir deutlich weniger Chancen, den Kunden anzusprechen, als ein DOB-Händler. Der deutsche Mann ist sehr pragmatisch unterwegs und will zügig seinen Bedarf decken. Statistisch geht er im Durchschnitt 1,8 Mal im Jahr einkaufen – bei uns zum Glück öfter. (lacht) Deshalb war es an uns, ihn emotional abzuholen und Bedürfnisse über den Bedarf hinaus zu wecken. Die Bereitschaft Casual-Bekleidung zu kaufen, ist heute deutlich höher und viele Kunden fühlen sich durch unsere heutige Waren- und Sortimentsstruktur positiv verleitet, sich über den Bedarf hinaus etwas Gutes zu tun. Die Verweildauer und der Durchschnittsbon sind bei uns heute deutlich höher als vor vier, fünf Jahren. Insgesamt sind wir zeitgemäßer geworden, weil wir die präferierte Einkaufsstätte für alle Lebenssituationen geworden sind.
Formalwear ist immer noch stark bei Pohland, aber Casualbekleidung nimmt immer mehr Raum ein
8. Ist es insbesondere der Stil- und Markenmix, oder wie holt Pohland den Kunden emotional ab?
Ich würde das Thema Emotionalisierung nicht an Dingen wie einer Sitzecke oder eine Coffee-Bar festmachen. Sicher gehört es dazu, dass sich der Kunde wohlfühlt und dazu gehört auch, dass nicht nur das Einkaufen im Vordergrund steht. Es zählen daher nicht die 10.000 weißen Hemden im Eingangsbereich sondern das Image und die gesamte Stilistik eines Hauses. Die muss sich dann zügig auf den Flächen wiederfinden, kombiniert mit einer guten, zeitgemäßen und kompetenten Beratung. Ich bin überzeugt, das sind die Ecksteine, wonach der Kunde seine präferierte Einkaufsstätte auswählt. Aber wie gesagt, als HAKA-Unternehmen leben wir nicht von großen Frequenzen, sondern freuen uns über jeden Kunden, den wir überzeugen können, beim nächsten Mode-Einkauf an Pohland zu denken.
9. Sind Männer grundsätzlich markenaffiner als Frauen?
Marken vermitteln immer eine gewisse Stilistik und kommunizieren damit auch ein bestimmtes Maß an Vertrauen. Und dieses Vertrauen macht sich die Männer-Generation, die bedarfsorientiert einkauft, zunutze. Für viele steht allerdings nicht die Marke selbst im Vordergrund sondern ein authentischer Gesamtlook. Um den zu kreieren, braucht es Erfahrung oder Talent. Viele Männer haben dieses Talent nicht und sind deshalb froh, wenn sie durch Marke eine gewisse stilistische Sicherheit und Authentizität erfahren. Aber bei den Sache ist vieles im Umbruch: Teenager-Jungen entwickeln heute eine ganz andere Affinität zu Mode als vor 30 Jahren – diese Dynamik geht aber sukzessive auf ältere Generationen über. Auch bei den Italienern ist das Cross-Dressing mit Highend- und Billigmarken viel verbreiteter als hier.
10. Aber eigentlich kommt ihnen diese „Mode-Muffeligkeit“ bzw. „Mode-Unfähigkeit“ entgegen, da sie sicher nicht so stark Marktanteile an Filialisten verlieren wie im Womenswear-Bereich, oder?
Ja, absolut! Wir wachsen sogar wieder, weil das Thema Einkauf heute über die reine Bedarfsdeckung hinausgeht. Der männliche Kunde will aber trotzdem gerne nach dem „Baumarkt-Prinzip“ einkaufen – zeitoptimiert, stilistisch schnell, ohne großen Aufwand, aber mit einem tollen Ergebnis. Wenn wir das schaffen und er sich bei uns wohl fühlt, werden wir ihn dazu bewegen, wiederzukommen.
11. Als Teil der Clinton-Gruppe liegt es nahe, dass auch viele dieser Labels angeboten werden. Nehmen Camp David & Co. in den Pohland-Stores eine große Rolle ein?
Vorweg muss man sagen, dass wir generell wenig mit Shop-in-Shops arbeiten sondern sehr intensiv mit atmenden Flächen. In einem Dachmarkenprinzip á la Pohland ist die Flächenverteilung letztlich auch ein Ergebnis der Begehrlichkeit der Marke. Aus meiner Sicht hat sich Camp David in den letzten fünf, sechs Jahren zur erfolgreichsten, begehrtesten Sportswear-Marke am Markt entwickelt. Aufgrund dieses Erfolges und natürlich auch, um der Kundennachfrage gerecht zu werden, haben wir die Marke in unseren Filialen entsprechend positioniert. Seit der Beteiligung von Clinton im Januar dieses Jahres präsentieren wir darüber hinaus das Tailored Konzept, die Black Line von Camp David, die nicht nur hervorragend zum Pohland-Konzept passt, sondern auch sehr kompetent – sowohl flächenbezogen als auch inhaltlich – umgesetzt wird. Für Pohland war das auch in Hinblick auf die Neugestaltung einer Business Abteilung ein großer Schritt nach vorne.
Bei der Eröffnung war natürlich auch viel männliche Prominenz vertreten
- Mark Keller
- Ottmar Hitzfeld
- Jan Sosniok
- Julius Brink
- Gedeon Burkhard


