Mailänder Modewoche: Wenig überraschend
In die Jahre gekommen? Die Mailänder Modewoche ist weiter auf der Suche nach jungen Talenten, die neue Ideen in den italienischen Luxusschneiderbetrieb bringen. Überraschungen gab es kaum, aber es gab sie.
Life in plastic, it’s fantastic: Für seine Barbie-Adaption bekam Jeremy Scott Standing Ovations
Die zweite Grand Dame des internationalen Modezirkus – die ehrwürdige „Milano Moda Donna“ überraschte (leider) kaum. Irgendwie merkte man den hauptsächlich italienischen Modehäusern das Alter ihrer Kreativdirektoren an, die erneut auf das Goldene Zeitalter der 60er und 70er Jahre zurückgriffen. Kein Wunder, Miuccia und Donatella haben damals wohl ihre besten (wilden) Jahre erlebt. Selbst Frida Giannini, die wohl eher von Hippie-Eltern gezeugt wurde als selbst die Zeit erlebte, ließ sich von der Zeit inspirieren. Die Presse dankte die Reminiszenzen nicht und fordert mehr Frische und kreativen Ungehorsam. Letztlich bekam sie ihn von dem Modehaus, was schon einige abgeschrieben hatten: Jeremy Scott belebte Moschino mit seinen frechen Persiflagen und schuf für die kommende Frühjahr/Sommersaison einen pinken Traum aus Plastik.
Emporio Armani
„Shades of Blue“ könnte der Titel der Emporio Armani Kollektion gewesen sein. Alles drehte sich um die verschiedenen Facetten der romantisc, heiter bis düsteren Farbe. Die Silhouetten waren mit umgeschlagenen 7/8 Hosen, kurzen Jäckchen und Minikleidchen eher sportlich. Hier und da wurden Streifen eingesetzt mal als weiße Trimings, mal übertrieben als Blockstreifen auf Shorts, Overalls oder locker sitzenden Hosen. Für die Abendkleider und schickere Tops nutzte Giorgio Armani neue metallisch-scheinende Materialien aus PVC.
Fendi
Bei Fendi drehte sich alles um die Orchidee, die sich sowohl als Stickerei, Print oder Cut-out auf Mesh, Leder oder im schwarzen Pelz der Bomberjäckchen wiederfand. Karl Lagerfeld kreierte mit kurzen Lederkleidchen mit Cutouts eine fast graphische Silhouette, während andere Kleider in sanften Pastelltönen und funkelnden Federn fast feengleich daherkamen. Lässig wurde es mit Jodphur-Hosen und langen Organzaröcken, die mit präzise zerschlissenen Sweats getragen wurden.
Gucci
Frida Giannini gab ein fulminantes Revival der 70er Jahre: Ihre Spring/Summer-Kollektion war ein Mix aus fast knielangen Kleidchen, die in Leder, Wildleder, Denim oder überlagernder Spitze vorgeführt und fast immer mit einer kleinen Schultertasche getragen wurden. 5 Mark-große, knubbelige Knöpfe oder Schnürungen an Ärmeln oder im Brustbereich gaben der Neuinterpretation neuen Pepp. Denim wurde außer in Kleidern auch bei weiten Hosen oder Culottes eingesetzt, die mit braunroten Tuniken oder Jackets kombiniert wurden. Sowohl die Feder- und Fell-Patchwork-Giletes, die Giannini mit schwingenden, leichten Kleidern zusammenbrachte, als auch die Kimono-Jackets dürften bereits sehnsüchtig erwartet werden.
Prada
Miuccia Prada inszenierte vor der Kulisse von blass-violetten Sanddünen eine romantische, ebenfalls stark Seventies-lastige Frühjahrskollektion. Auf dem dunklen Grund von Mänteln und Kleidern hoben sich die groben Nahtmuster kontrastreich ab. Viele Säume an Kleidern und Jacken fransten aus, was dem Ganzen einen „Kurz-vor-Knapp-Touch“ gab, aber auch auf das Schneiderhandwerk anspielte. Betont wurde der „Undone“-Look der Kleider mit Leder-Patchworks und Borten. Die Farbpalette war – wohl dem vielen Brokat geschuldet – eher dunkel-winterlich als sommerlich-leicht, wenn auch hin und wieder helle Gelb-, Grün- oder Pfirsichtöne das Ganze auflockerten. Als Accessoires setzte Miuccia Prada auf Kniestrümpfe mit leichtem Blumendekor, die mit eleganten Holzschuhen getragen werden.
Versace
Donatella Versace setze ebenfalls auf Kontrastnähte, war dabei aber bekanntermaßen deutlich offensiver als Miuccia Prada. Ein schwarzer Hosenanzug wechselte mit bis zur Hüfte geschlitzten Röcken und A-förmigen Minikleidern – eine Reminiszenz an die 60er. Dabei war die Kollektion wie immer sexy, wirkte aber aufgrund des dominanten Schwarz’, vieler Nieten, goldener Gürtel und perforiertem Leder deutlich kraftvoller als in den Jahren zuvor. Die für das Haus typische Ketten-Bordüre wurde immer wieder gespielt – mal solo, mal in Kombination mit großflächigen Prints.
Bottega Veneta
Bottega Venetas Kollektion war eine Ode an die schlichte Eleganz – nicht bahnbrechend, eher ein Spiel mit dem subtilen Luxus. Offenbar wollte Tomas Maier etwas für die mitten im Leben stehende Frau schaffen – unkompliziert, bequem und für fast alle Tagesanlässe tragbar. Klassische Teile wurden in neutralen Tönen wieder belebt. Kroko- oder Wildleder wurde mit derber Baumwolle oder ausgefranstem Gingan-Stoff kombiniert. Patchwork und Stickereien auf Netzstoffen sorgen für Anmut, ohne dabei aufdringlich zu wirken.
Moschino
Moschino is back – Jeremy Scott’s Kollektion war eine Hommage an Barbie – ein zuckersüße Mischung aus Platinblond, Pink und Plastik. Er weiß damit, die Fußstapfen von Franco Moschino, dem Gründer des Modehaus, auszufüllen. Das Publikum war begeistert, die Kritiken glänzend – schließlich setzte er sich damit vom 70er-Jahre-Einerlei der anderen Mailänder Modehäuser ab. Minikleider, Hotpants, High Heels, Stirnbänder, Sonnenbrillen, Handtaschen in Kleiderbügel- oder Schuh – eines der Models trug sogar Rollerblades – alles war pink und größtenteils mit dem Moschino-Schriftzug versehen. Scott machte Barbie in Perfektion! Selbst Mattel könnte neidisch werden.
Etro
Das Etro Girl kommt direkt aus der kalifornischen Wüste – Perlenverzierte Jacken, kurze Wildlederkleider mit Navajo-Print und Poncho-Kleidchen aus Leinen waren die Key-Items der Kollektion. Federn an Ketten und Ohrringen vervollständigten den Festival-Look, der unter dem Soundtrack von „Riders in the Storm“ präsentiert wurde. Leichter wurde es mit exotisch anmutenden Chiffonkleidern. Die Prints wirkten wie schon leicht verblasste Tätowierungen. Vieles hatte den Charme als wurden Outfits selbst hergestellt und jedes Teil könnte eine Geschichte von dem freien, selbst bestimmten Leben erzählen. Auf Metall und Schwarz verzichtete Veronica Etro; ebenso auf rechteckige Tücher, die von kreisförmigen Formen im Stil eines Traumfängers ersetzt wurden.
Roberto Cavalli
Roberto Cavalli setzte auf Urlaubsfeeling – farbenfrohe Prints, Spitze, freche Faltenwürfe – alles strotzte vor sommerlicher Lebensfreude und wie bekannt vor noch mehr Weiblichkeit. Die Cavalli Frau geht nie unbemerkt – Kleider waren lang, fließend, manchmal durchsichtig und bestickt. Faltenlederröcke, Jacken aus Krokoleder für den Tag und schwarze Spitze für den Anlass.
Jil Sander
Rodolfo Paglialungas Debüt für Jil Sander zeigte eine andere Energie, aber stand weiter zu dem für das Haus typischen Minimalismus. Dank der Festigkeit der Materialien wurde die zarte Weiblichkeit stärker betont. Der Farbkontrast aus dunklem Bourdaux, Hellblau, Marineblau und Weiß trug zur Raffinesse der Silhouetten bei – wenngleich einige Kreationen an Schuluniformen erinnerten. Simple Wickelröcke aus Leinen oder Leder oder Shorts wurden mit Gürteln in der Taille geschnürt. Dazu kombinierte Paglialunga Hemden mit Polokragen, teilweise mit feingestrickten Tank-Tops darüber, sowie hochgeschlossenen Blusen mit geschoppten Ärmeln oder boxy geschnittenen Sweatshirts.







Kommentare
Keine Kommentare bisher.