Somehow British! Die Londoner Fashion Week überzeugt mit sommerlich-leichten Entwürfen, Flower Power und Bohemian-Chic. Die dort gezeigten Labels interpretieren Bekanntes auf neue Weise. Der kreative Londoner Melting Pot etabliert sich als echte Konkurrenz zu Paris und Mailand.

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Eine der jungen Wilden: Mary Katrantzou könnte die nächste Miuccia werden

Die am Dienstag zu Ende gegangene London Fashion Week zeigte die übliche Reihe der gar nicht mehr so jungen Londoner Modemacher, die längst nicht alle ihre Wurzeln auf der Insel haben, aber von denen viele von der ehrwürdige Kreativschmiede Central Saint Martins geprägt wurden. Nicht wenige Designer ließen sich von bereits Dagewesenem inspirieren und drückten den Retro-Auflagen aus 70er und 80er Jahren ihren Stempel auf. Übermächtiges Thema waren dabei Blumen, wie etwa bei Mulberry und Erdem (aber das ist ja nichts Neues),  gefolgt von Überlängen, Lagenlooks, geometrischen Prints und Fransen bei House of Holland, Preen oder Marchesa. Für viele, darunter auch Vivienne Westwood, war der Catwalk auch politische Bühne, um ihre Meinung zum Schottland-Referendum zu äußern.

House of Holland

Sportlich, aber auch nicht ganz unironisch war die Sommer-Kollektion von House of Holland. Auch hier Blumen, mal als Anlehnung an den Mille Fleur-Print mal als Sonnensternchenform auf wachstuchähnlichem Stoff. Ansonsten galt bei Mustern und Farben: Alles geht, nichts muss! Hauptsache frau hat Spaß dabei. Bei den Formen orientierte sich Henry Holland an den 70ern: ausgestellte Miniröcke und Schlaghosen bestimmten das Bild.

Marchesa

Marchesa sprach ebenfalls durch die Blume – sowohl bei Mustern als auch bei den Silhouetten. Die bodenlangen Roben bestachen mit ihrem kunstvollen Lagen-Look und in Überlänge, glockenförmige, schwingende Röcke, fließende Overalls, kunstvolle Drapierungen – alles mit Spitze, Volants oder Blumenapplikationen versehen. Das nahm dem Ganzen die Ernsthaftigkeit und zauberte einen eleganten, weiblichen Hippie-Look des 21. Jahrhunderts.

Preen

Justin Thornton and Thea Bregazzi vom Label Preen ließen sich von verschiedenen Kulturen beeinflußen: Mal waren es asiatische Kimonos, mal Stammestogen von kenianischen Kriegern – Fransenbesatz eingeschlossen. Bretonische Streifen oder Elemente von Cricket-Tricots machten die Weltreise modisch komplett. Blau und Rot scheinen für Preen ohnehin die Teamfarben des Frühjahrs 2015 zu werden.

Matthew Williamson

Auch Matthew Williamson inszenierte seine femininen Silhouetten mit tropischen Palmen- und Blumenprints. Blühende Glitzerapplikationen möbelten sonst eher klassische Seidenblusen und Blazer auf. Verkaufsschlager könnten einige seiner Blusen werden, denn der kleiner “Bauch-Blinzler” gibt dem sonst eher unschuldigen Kleidungsstück einen neuen Twist. Abgeschlossen wurde die Kollektion von einer Reihe traumhaft schöner Roben.

Roksanda Ilincic

Roksanda Ilincic kombinierte schmale Röcke mit Oversize-Sweatshirts, überlangen Westen und ausgestellten Mänteln. Dabei zeigte sich die gebürtige Serbin nicht farbenscheu und kombinierte munter Rot, Königsblau und Türkis. Ausgefallene Schulterdrapierungen oder große Faltenwürfe im Frontbereich sorgten ebenso wie schmale metallene Gürtel für das gewisse Etwas.

Burberry Prorsum

Burberry Prorsum startet ebenfalls mit dem naturnahen Motto “The Bird and the Bees” in die Frühjahr-Saison 2015. Christopher Bailey, der für seine Doppelrolle als Kreativchef und CEO unlängst für seine äußerst spendable Vergütung krisiert wurde, setzte neben dem bewährten Trench auf Lagenlooks mit Chiffon und Plüsch – achja, und natürlich Blumen und Bienenwaben. Denim statt Leder sorgte für eine gewisse Erdung, damit die Looks nicht zu puschelig daherkommen. Dabei dürften die taillierten Jeansjacken mit Schößchen aus Straußenfedern oder Fransen zum Verkaufsschlager werden.

Mulberry

Mulberry setzte auf Bewährtes und spielte mal wieder das Natur & Tea Time-Thema aus. Blumenprints bestimmten vor floraler Kulisse das Bild der adretten Etuikleider, Khaki-Kombinationen, des locker sitzenden blauen Jogginganzugs oder der gerade fallenden Mäntel. Hingucker waren allerdings mal wieder die Taschen: die Briefumschlag-ähnliche Delphie-Bag könnte sich wegen ihrer Kombinationsmöglichkeiten zum Bestseller entwickeln: Schließlich bekommt man für 900 Pfund eine Tasche in zwei Variationen.

Erdem

Wäre die Show von Erdem eine TV-Serie, wäre es eine hoch dramatische, historische Telenovela – romanisch, spannend und irgendwie atemraubend. Gespannt und gebannt wartet man auf das nächste Outfit. In einem Tropenhaus wurden dunkle Roben mit dekorativen Palmen- oder Blumenstickereien und üppiger Spitze präsentiert. Die eher seltener auftretenden weißen Entwürfe spielten mit romantischen Cut-outs und Stickereien.

Peter Pilotto

Das Designer-Duo von Peter Pilotto setzte auf bunte digitale Prints und farbenfrohe Art-Deco-Designs. Dabei wurden Materialien und Formen bunt gemischt – allerdings war vielen Entwürfen die „Duschvorhang-ähnliche“ Steifigkeit gemein, die durch den Einsatz von Plexiglas erzeugt wurden – schöner Nebeneffekt war dabei das bunte Funkeln. Kurze A-förmige Minikeider wechselten sich mit schwingenden asymmetrischen oder schmalen Röcken in Flickenoptik ab.

Simone Rocha

Im ehrwürdigen Ambiente der St. Andrews Holborn Kirche präsentierte Simone Rocha ihre Sommerkollektion. Die Katholikin zeigte sich dabei gar nicht prüde. Zwischen Spitze und unter durchsichtigem Stoff gab es viel Haut zu sehen, dennoch wirkten die Entwürfe unschuldig und mädchenhaft. Das lag wahrscheinlich daran, dass Kleider, Trenchcoats, Oberteile und schmale Pyjamahosen meist in gedeckten dunklen Farben oder sanften Beige-, Weiß- und Rosatönen gehalten waren. Besonderes Augenmerk legte die Designerin auf Säume, die entweder mit Fell verbrämt oder mit großen Wellenlinien gehalten waren.

Mary Katrantzou

Suzy Menkes bescheinigte Mary Katrantzou „Courage“, weil in ihrer Show „Poesie“ lag. Statt wie sonst auf auffällige Prints zu setzen, verzierte sie Stoffe mit üppigen Stickereien, die an eine Unterwasserwelt erinnerten. Inspiration lieferte wohl der vor 200 Mio. Jahren existente Superkontinent Pangea. Hosen und überlange Mäntel waren aus mattglänzendem Stoff, Tops glitzerten sanft aufgrund der durchzogenen Metallfäden. Kurze Spitzenkleidchen, oft mit bravem Button-Down-Kragen, erinnerten an Korallen oder Schlangen.

Richard Nicoll

Richard Nicoll startete mit einem flurosierenden Kleid in seine Show, den sportlichen Touch behielt er aber konsequent bei. Unverzichtbares Basic ist wahrscheinlich ein graues Tanktop, das zu den eleganten Entwürfen kombiniert wird. Überlange Westen und Indoormäntel werden zu Highwaist-Shorts und flachen Korksandalen getragen. Cargo- oder Latzhosen gehen mit zarten Organza-Tops. Neben glitzernden „Bonbonparpier“ Parkas waren einige Vichy-Karo-Kleidchen durchaus einen zweiten Blick wert. Verabschiedet hat sich der Designer übrigens mit einem Rucksack auf dem Rücken – ob er gleich wieder zum Trecking wollte?

Tom Ford

Tom Ford zeigte das, was er am besten kann und was frau gerne dutzendfach in ihrem Kleiderschrank finden würde: Sexy und starke Outfits mit dem richtigen Glamour-Faktor. Hochgeschlitzte Röcke, enge Lederhosen, halterlose Strümpfe unter schwarzen Minikleidern, Anzüge mit Schlaghosen – alles war schon mal da, aber wurde zeitlos schön neu interpretiert.