Big Time in der Stadt des Big Ben: Vom 15. bis 19. Februar war die britische Hauptstadt im Fokus der Branche. Tom Ford entschied sich für die Themse und auch Rihanna debütierte mit River Island hier. Traditionalisten wie Mulberry oder Burberry sowie Jungdesigner überzeugten mit Kreativität und Handwerkskunst.

Auch wenn der Valentinstag schon vorbei war: Die Show von Burberry wurde von einer Live-Band und einem Chor begleitet

Natalie Massenet, neue Chairwoman des British Fashion Councils (BFC), scheint ihrem Plan, London zur „aufregendsten Modemetropole der Welt“ zu machen mit jeder Saison einen Schritt näher zu kommen. Insgesamt gab es an fünf Tagen über 56 Catwalk-Shows und 20 Präsentationen zu begutachten. Zum ersten Mal gab Tom Ford sich hier die Ehre. Die Celebrity-Dichte war gefühlt höher als zu vor und die Präsenz der US-Einkäufer soll so stark wie noch nie gewesen sein. Linda Fargo von New Yorker Nobelkaufhaus Bergdorf Goodman versicherte, dass London „mittlerweile fester Bestandteil ihres Terminkalenders“ sei. Orders im Wert von 100 Mio. Pfund sollen jede Saison bei der LFW platziert werden, schätzt das BFC. Massenet bzw. ihr Unternehmen Net-a-porter dürfte zu den wichtigsten Kunden gehören.

Emma Hill präsentierte bei Mulberry Klassisches wie Ensembles aus zurückhaltenden Shirts mit Faltenröcken oder ausgestellten Hosen, oder Tunikakleider (ebenfalls mit Hosen), stets kombiniert mit starker Outerwear. Dominierendes Muster waren Karos, entweder als Druck oder eingewebt. Altrosé und Weiß lockerten die ansonsten dunkle Farbpalette auf. Leuchtend gelbe Taschen gaben den Looks das besondere Etwas. Bei den Materialen waren schwerer Strick, Leder, schimmernder Metalic-Jacquard und Satin im Einsatz. Achso, noch ein Wort zum obligatorischen Hund: Der Pudel trug das gleich gemusterte Halstuch wie das Frauchen.

Mary Katrantzou nahm diese Saison eine dunklere, fast unheimliche Richtung. Inspiriert von den Schwarz-Weiß-Fotografien von Alfred Stieglitz und anderen verzichtete die sonst eher farbenfrohe Desigerin fast komplett auf Farbe und setzte stattdessen auf düster verwaschene Traumlandschaften. Voluminöse Silhouetten mit weiten Ärmeln und asymmetrischen Schnitten unterstrichen den entrückten Look aus schimmerndem Strick, Satin, Seide und Leder.

Mulberry

Der Hund durfte nicht fehlen

Mary Katrantzou

Peter Pilotto gehören mittlerweile zum festes Establishment der LFW und waren sichtbar stolz darauf. Ihre Entwürfe erinnerten auf den ersten Blick an Abwandlungen der Union Jack. Kastige Kurzjacken wurden mit geraden Röcken mit breit auslaufendem Vorderschlitz kombiniert, wobei farbintensiven Musterensembles den Look bestimmten. Skulpturale Kragen, überdimensionierte Schulterpolster und voluminöse Hosen und Pullover unterstrichen die Aussage.

Auch Erdem war in dunkler (wenngleich sehr schöner) Stimmung. Schwarz in verschiedenen Texturen und Stoffen wurde nur von leichten Akzenten in Lila, Rosa, Grün oder Gelb durchbrochen. Chiffon sorgte bei Kleidern für mehr Weiblichkeit, Federn lockerten auf.

Christopher Kane schickte die meisten seiner Models gut eingehüllt auf den Catwalk. Oversized Jacken und voluminöse Mäntel wurden im Laufe der Show von taillierteren Looks abgelöst. Dicke Fellkragen an Jacken und schulterfreien Kleidern sorgten für Winterfeeling. Camouflage-Muster fanden sich fast durchgehend. Federn, lose drappierte Bordüren sorgten für urbane Lässigkeit. Kein Wunder, dass der Luxuskonzern PPR diesen Designer in sein Portfolio aufnehmen musste…

Peter Pilotto

Erdem

Christopher Kane

Christopher Bailey nahm Burberry Prorsum auf einen romantischen Spaziergang durch britische Landschaften. Es gelang ihm erneut, den Trenchcoat mit Metallic-Einsätzen, Lederstreifen, Nieten oder Safari-Prints neu zu definieren. Als Materialien verwendete er glossy Kalbsleder, schimmerndes Kaschmir, laminiertes Phytonleder und innovative Baumwollgewebe. Herzchen-Prints oder gedecktes Tiefrot gaben der Kollektion den romantischen Touch. Breite Streifen lockerten den Look dagegen auf. Zu Kitten-Wedges trugen die Models außer dem Trench schmale wadenlange Kleider, Bleistiftröcke mit Pullis oder Blusen oder einen schimmernden, sehr femininen Hosenanzug.

Weniger ist mehr: Pringle of Scotland zeigte ein puristisches, minimalistisches Design. Strick in seiner klarsten Form. Präzise Schnitte, unverformte Silhouetten und klare Farben wurden nur sporadisch von pointiert eingesetzten Fransen und Federn aufgebrochen. Bei den schmalen Bundfalten-Hosen fiel die Liebe zu Details bei Taschen und Knöpfen auf.

Roksanda Ilincic geht die nächste Herbst/Wintersaison leicht an. Während andere auf düstere Farben und Schwarz setzen, geht die Designerin in Richtung Pastell. Zartes Rosa und kräftiges Mint umrahmen Schwarz und geben Ausblick auf den kommenden Frühling. Wie gewohnt experimentierte sie stark mit Materialien: Glossy gelackte Mänel mit biederen Röcken, Fell und Strick und sogar Neopren kam zum Einsatz.

Burberry Prorsum

Pringle of Scotland

Roksanda Ilincic

On the road again: Die Lieblingsdesignerin von Herzogin Catherine, Issa, zeigte entspannte Hippie-Looks. Selbstbewusst und cool, obwohl oder gerade weil der Look unaufgeräumt ist. Südamerikanische Einflüsse kamen diesmal nicht über die Farbe, sondern Aztekenmuster. Gekonnte Drapierungen betonten die weibliche Silhouette. Hüte und gehäkelte Handtaschen betonten das Nomadenfeeling.

Die Herbst/Winterkollektion von DAKS war smart, klassisch und mit viel Tweed und Karo auch „very british indeed“. Unter Hosenanzügen und Mänteln war oft -wie beim Vorzeigebanker- die zweireihige Weste zu erkennen. Sheila McKain-Waid spielte mit Formen und Kontrasten: zarte Blusenkleider mit voluminösen Woll-Tweed, feine Plisseeröcke mit cocoonartigen Mänteln, traditionelle Knitwear und moderne Nylonjacken.

Die Rückkehr von Tom Ford war sicher eines der Highlights dieser Fashion Week, denn offenbar hat er seine unentspannte Haltung zu öffentlichen Catwalk-Schauen mittlerweile revidiert. Geometrische Muster, inspiriert vom amerikanischen Urvölkern, Blumenprints und Leopardenmuster standen für seine kompromisslose Vision von „Cross Cultural Multi Ethnic“. Enge Röcke und schmale Hosen wurden mit Ponchos, ausgestellten Mänteln und Blousons kombiniert. Auch hier fanden sich vorne geschlitzte Röcke, gerne zusammen getragen mit hohen Stiefeln. Großflächige Spitzeneinsätze, Fell und sogar pinkfarbener Plüsch zeigten, dass er nicht mehr so sehr vom Minimalismus überzeugt ist.

DAKS

Tom Ford

Tom Ford

Fotos: Burberry Prorsum, Christopher Kane, DAKS, Erdem, Issa, Mary Katrantzou, Mulberry, Peter Pilotto, Pringle of Scotland, Roksanda Ilincic, Tom Ford