London Fashion Week: Lasst nächsten Sommer Blumen sprechen
Nahtlos anschließend an New York blickte die Branche auf die Themse, wo vom 13. bis 17. September Designer-Labels wie Burberry, Tom Ford und Mary Katrantzou zeigten, wie sie sich die nächste Sommersaison vorstellen. Die modische Botschaft erfolgte oftmals "durch die Blume" oder mit Metall-Effekt.
Die vom British Fashion Council (BFC) organisierte London Fashion Week gehört mit allerlei Prominenz in den First-Rows, traditions- und einflußreichen Labels wie Burberry, Tom Ford oder Marios Schwab und geschätzten 100 Mio. Pfund-Ordervolumen zu den „Big Four“ der Catwalk-Cities. Insgesamt wurden über 120 RTW-Kollektionen in rund 60 Catwalk-Schauen und noch mehr On- und Off-Schedule-Shows in den fünf Tagen an der Themse gezeigt. Unter anderem nutzte auch Helena Christinsen den Rummel, um ihre neue Wäsche-Kollektion für Triumph zu präsentieren.
Für Christopher Bailey wird das nächste Frühjahr romantisch, elegant und eiscremefarbend. Burberry Prorsum zeigte im Kensington Park knielange Pencilskirts mit Blumenprints. Unter den teilweise durchscheinende Röcken und Kleidern blitzten hüfthohe Panties hervor, und auch die Blusen aus halbdurchlässiger Spitze ließen oftmals mehr durchblitzen als sie verhüllten. Das Kult-Item, der Trenchcoat, wurde als Oversize-Kurzmäntel aus leichtem Wollfilz neu interpreitert. Dominierende Farben waren Pastelltöne wie Hellgelb, zartem Blau oder Mint. Aber auch satte Brauntöne und Schwarz-Weiß-Kombinationen fanden sich in Streifen oder Punkten wieder.
Burberry Prorsum
Burberry Prorsum
Burberry Prorsum
Während sich andere Designer in modischer Zurückhaltung übten, ließ es Tom Ford trotz eher dunkel gehaltener Farbpalette richtig krachen. Seine F/S14-Kollektion war eine sexy-elegante Mischung aus extrem kurze Kleidchen, schwerem Leder, opulenten Pelzjacken und jede Menge Pailletten. Neben Leder dominierten hochwertige Netzoptik und Bestickungen, die aussehen, als seien winzig kleine Mosaikscherben aus feinstem Glas verarbeitet worden und dadurch funkelnde Muster entstehen ließen, auf die garantiert ein zweiter Blick geworfen werden muss.
Tom Ford
Tom Ford
Tom Ford
Mary Katrantzou setzte erneut Trends in Sachen Prints. Das Thema ihrer Frühjahr/Sommer-Kollektion 2014 waren Schuhe, die sich nicht nur an den Füßen der Models, sondern auf Kleidern, Hosen, Oberteilen oder auch Jacken wiederfanden. Die Designerin mit griechischen Wurzeln zeigte überdimensionierte Prints von u.a. typisch britischen Modellen wie Brogues oder Loafern, die mit riesigen Schnürsenkeln oder Nieten fast plastisch wirkten. Der zweite Teil der Show gestaltete Katrantzou mit romantischen Blumenprints auf verschiedenen mehrlagig verarbeiteten, bauschig erscheinenden Babydoll-Kleidern verarbeitet.
Mary Katrantzou
Mary Katrantzou
Mary Katrantzou
Das britische Traditionshaus Pringle of Scotland fand auch in der S/S14-Kollektion zu seinen Wurzeln. Die hauptsächlich in Weiß gehaltene Kollektion interpretierte Strick modern und sportlich-minimalistisch. Das typische Rautenmuster fand sich in dem ein oder anderen Kollektionsteil wider. Und auch bei Pringle of Scotland fand man die ein oder andere Blüte. Farbakzente wurden durch ein kräftiges Blau und ein dunkles Orange gesetzt. Ärmellose Jacken und Blusen dürften bei Michelle Obama für Entzückung sorgen.
Pringle of Scotland
Pringle of Scotland
Pringle of Scotland
Peter Pilotto zeigte sich erneut sehr architektonisch. Bewährte Schnitte wurden durch Pilotto neu interpretiert und übermäßig akzentuiert. Klassische Rockformen, wie der Tellerrock, bekamen noch ein Stück extra Stoff verpasst. Teilweise wirkten die Teile sehr locker, luftig und teilweise kamen Kleider sehr starr, fast kastenartig daher. Auch die innovativen graphischen Prints, die das Label auszeichnen, wurden als Blumen oder bunte Farbverläufe präsentiert.
Peter Pilotto
Peter Pilotto
Peter Pilotto
Der Schotte Christopher Kane zeigte neben Pastellfarben auch metallische und glänzende Stoffe. Die seidigen Kleider mit Blumenschemen, wie man sie auch Lehrbüchern kennt, erinnern an Gregor Mendel, dem Vater der Genetik. Und auch bei den großen tropfenförmigen Cut-outs in Kleidern, Röcken und Oberteilen ließ sich Kane offenbar von der Biologie inspirieren. Kane mixte Blumen mit weißen Plissee-Röcken a la Marilyn Monroe oder dunkler Spitze. Neben semitransparenten und seidigen Stoffen griff Kane auf einen neu interpretierten Metallic-Look zurück. Besonders raffiniert dabei waren die kleinen Klammern, die Oberteile, Kleider oder Röcke zusammenzuhalten schienen.
Christopher Kane
Christopher Kane
Christopher Kane
Das 2005 in London gegründete Label Erdem ließ tief blicken und zeigte viel Spitze, Organza und Stickereien. In der ausschließlich Schwarz-Weiß geprägten Kollektion waren eine schwarze Jacke und ein Overall, die mit zart-dezenten Blumenmustern versehen wurden, der einzige Farbkleks. Verziert wurden die Entwürfe mit Federn, die an Säumen zu finden waren oder direkt auf den Stoff gewebt wurden. Auch Chefdesigner Erdem Moliaglu griff das bereits bekannte Metallic-Thema auf. Neben klassischen Schnitten gab es hin und wieder auch skulpturale Kleider, die für mehr Progessivität sorgten.
Erdem
Erdem
Erdem
Emma Hills letzte Kollektion für Mulberry setzte sowohl bei Röcken als auch Kleidern auf Midi-Längen. Im Ballsaal des Claridge’s Hotels liefen die Models vor stilechter sommerlicher Tea-Party Kulisse und präsentierten die mädchenhafte, aber dennoch erwachsen-entspannt wirkende Entwürfe. Natürlich durfte auch der obligatorische Hund nicht fehlen: Diesmal eine Englische Bulldogge im Mulberry-Zwirn. Neben leger geschnittenen Oberteilen und Hosen, wurden die typischen Mulberry-Teile wie Seidenkleider, Pyjama-Suits oder die mit Leder besetzte Tops und Blusen. Fast überall fand sich meist unaufdringlich ein dezentes Blumenmuster wieder. Durch verschiedene Ton-in-Ton-Überlagerungen wurden Blockstreifen-Effekte geschaffen. Highlight war ein silberfarbener Jacquard-Mantel, den Cara Delevingne trug.
Mulberry
Mulberry
Mulberry
Asiatisch bunt: So lässt sich die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2014 von Roksanda Ilincic in kurzen Worten zusammenfassen. Die Designerin mit serbischen Wurzeln zeigte als eine der wenigen Modemacher viel Farbe auf taillenbetonten Kleidern, hochgeschlossenen Tops und wadenlangen Tellerröcken. Statt Blumen gab es geometrische Formen. Die Entwürfe der ehemaligen Architektur-Studentin wirkten oftmals skulptural, fast kastenartig. Geht es nach ihr, sollen im nächsten Sommer Hosen unter Röcken und Kleidern getragen werden, gepaart mit Neopren-Jacken.
Roksanda Ilincic
Roksanda Ilincic
Roksanda Ilincic
Fotos: © Burberry, Mulberry, Erdem, Mary Katrantzou, Pringle of Scotland, Tom Ford, Roksanda Ilincic







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