Der Hamburger Versand- und Dienstleistungskonzern hat auf seiner Bilanzpressekonferenz angedeutet, was seinen drei Universalversenden bevorsteht: Preissenkungen und Stellenstreichungen sollen das Geschäft konkurrenzfähiger machen.

Hans-Otto Schrader: eCommerce und Wachstumsmärkte im Fokus - dann kommt Otto auch wieder in Offensive

Die Otto Group hat sich heute zu ihren Plänen hinsichtlich der Neustrukturierung der drei großen Universalversender Otto, Baur und Schwab geäußert. „Wir werden Preise gezielt senken“, kündigte der Otto-Vorstandsvorsitzender Hans-Otto Schrader auf der Bilanzpressekonferenz in Hamburg an. Im Rahmen des „Projekt FOKUS“ prüfe man derzeit, bei welchen Produktgruppen die Preisreduktionen am sinnvollsten sind, um bei Preisvergleichen besser abzuschneiden und gleichzeitig dem US-amerikanischen Onlineriesen Amazon und weniger Rendite-orientierten Onlineanbietern wie Zalando Paroli bieten zu können. Ab Oktober und damit pünktlich zum bevorstehenden Weihnachtsgeschäft sollen die Preissenkungen dann effektiv werden.

Die Kraft der Verantwortung

Gleichzeitig schloß Schrader nicht aus, dass bei der Zusammenführung der drei großen Versender auch zu Arbeitsplatzverlusten in Hamburg (Otto), Burgkunststadt (Baur) und Hanau (Schwab) kommen werde. Der Stellenbau sei die unumgängliche Folge von der Zusammenlegung von Prozessen und Funktionen. Ein Novum für den eigentlich sehr sozialen hanseatischen Konzern, der seine Mitarbeiter in der Regel an erster Stelle sieht. Aber die Zahlen für das vergangenen Geschäftsjahr haben dem Hamburger Konzern einen Dämpfer verpasst: Bei leicht steigenden Umsätzen auf insgesamt 11,6 Mrd. Euro (+1,7%) fiel das EBIT um fast 32% auf 259 Mio. Euro, der Jahresüberschuss sackte von 181 Mio. auf 23 Mio. Euro ab. Im September sollen weitere Einzelheiten zum Verschlankungsprozess mitgeteilt werden. Erste Auswirkungen der Neuerungen ist die Schaffung eines eigenen Otto-Bereichsvorstands, der die Einzelgesellschaft klarer am Markt positionieren und zum führenden Universal-Onlinehändler für Fashion und Living machen soll, während Baur und Schwab ihre (eher große) Nische im Onlinegeschäft verteidigen sollen.

Aber auch Erfreuliches gab es zu berichten: Die Segmente Service (u.a. Hermes) und Finanzdienstleistungen (EOS) verzeichneten deutliche Zuwächse. Der eCommerce-Anteil im Multichannel-Geschäft konnte ebenfalls kräftig gesteigert werden. In Russland stiegen die Umsätze um knapp 35% auf 487 Mio. Euro und in Brasilien soll bald eine ähnliche Entwicklung vollzogen werden. Mit 60 Onlineshops und einem Onlineumsatz von aktuell 5,3 Mrd. Euro will die Otto Group ihre führende Position als weltweit führender B2C-Onlinehändler weiter ausbauen. Auch in punkto Nachhaltigkeit hat Otto große Ambitionen: Bis zum Jahr 2020 soll das gesamte eigene Baumwollsortiment auf nachhaltig produzierte Baumwolle (Bio-Baumwolle oder solche aus dem Projekt „Cotton made in Africa“) umgestellt werden.

Foto: Otto Group