Der hanseatische Versandhandelskonzern kann seinen Konzernumsatz um nur 1,5 Prozent erhöhen, beim Gewinn musste er sogar Einbußen hinnehmen. Im laufenden Jahr sollen die Umsätze moderat wachsen und die Gewinne wieder steigen.

Die Zukunft von Otto liegt online und in neuen Märkten wie Russland oder Brasilien

Nach dem Wachstum von deutlich mehr als 12% im Vorjahr fällt die Steigerung im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011/12 eher bescheiden aus: Der Gesamtumsatz der Otto Group verbessert sich lediglich um 1,5% auf 11,6 Mrd. Euro. Währungskursbereinigt lag der Zuwachs bei 2,2%. Aufgrund gestiegener Rohstoff- und Frachtkosten sowie ungünstiger Konsumentwicklung musste der Hamburger Konzern beim Ergebnis allerdings Abstriche hinnehmen: Die Erträge entwickelten sich unterdurchschnittlich.

Multichannel-Einzelhandel bleibt stabil

Das größte Segment Multichannel-Einzelhandel verbuchte ein mickriges Plus von 0,2% auf 10 Mrd. Euro (kursbereinigt: 0,8 Prozent auf 10,1 Milliarden Euro). Insbesondere profitierte Otto vom Vertriebskanal eCommerce, dessen Umsatzanteil auf 53% stieg. Insgesamt konnten die Umsätze über die rund 50 Online-Plattformen um 9,2% auf 5,3 Mrd. Euro gesteigert werden. Davon wurden 3,3 Mrd. (+9%) in Deutschland erlöst. Die Einzelgesellschaft Otto erzielte ein Minus von 2,1% auf 2,069 Mrd. Euro und Heine musste ebenfalls einen Rückgang von 3,6% auf 527 Mio. Euro hinnehmen. Dagegen verbesserte sich die Witt-Gruppe verbesserte sich um 2,2% auf 643 Mio. Euro und Baur um 1,2% auf 616 Mio. Euro. Die Schwab-Gruppe mit den Marken Schwab, Sheego und MyToys gehörte mit einem Plus von 8,5% auf 503 Mio. Euro zu den internen Gewinnern, ebenso wie SportScheck, der die Erlöse um 5,9% auf 346 Mio. Euro verbessern konnte.

Regional betrachtet machte die Otto Group in Russland und Nordamerika Boden gut, während sie in Frankreich und Großbritannien verlor. Die französische Tochter 3 Suisses International musste einen Umsatzrückgang von 5,6% verkraften und auch der Umsatz der britischen Tochter Freemans Grattan sank planmäßig auf 164 Mio. Euro. Die Otto Group Russia dagegen erzielte ein Umsatzplus von 34,6% auf 474 Mio. Euro und „nach nur fünf Jahren konsequentes Ausbaus“ die Marke von einer halben Milliarde fast erreicht. In Nordamerika, wo Otto mit dem Einrichtungskonzept Crate and Barrel vertreten ist, stiegen die Umsätze um 4,4% (währungskursbereinigt -0,4) auf 1,148 Mrd. Euro. In Japan blieb der Umsatz mit 227 Mio. Euro stabil.

Hans-Otto Schrader will mehr Profitabilität in 2012/13

Die beiden anderen Segmente der Gruppe entwickelten sich besser als das Einzelhandelssegment. Der Bereich Service, das von dem Logistikunternehmen Hermes geprägt ist, setzte 1,031 Mrd. Euro und damit 9,1% mehr um als im Vorjahr. Das Segment Finanzdienstleistungen mit der EOS-Gruppe verbesserte sich erneut zweistellig um 16% auf 528 Mio. Euro.

Wachstum nicht um jeden Preis

„Das zurückliegende Geschäftsjahr war geprägt von einem herausfordernden Umfeld, in dem wir uns erfolgreich behauptet haben. Und vor uns liegt ein nicht minder schwieriges Geschäftsjahr“, fasst Vorstandsvorsitzender Hans-Otto Schrader die Lage des Konzerns zusammen. Für das laufende Jahr rechnet er mit einem weiteren moderaten Wachstum bei deutlich steigenden Gewinnen. Dabei setzt er auf das weitere Wachstum mit eCommerce und lukrative Auslandsmärkte wie Russland oder Brasilien, und schließt es nicht aus, sich von unprofitablen Bereichen zu trennen.

Fotos: Otto Group