Alle (zwei) Jahre wieder! Die Gewerkschaft IG Metall holt ihre 5 Prozent-Forderung wieder heraus. Die Arbeitgeberseite klagt, dass die Forderung nicht finanzierbar sei, gerade weil es wirtschaftlich bergab geht. Die Gewerkschaft moniert im Gegenzug das geringe Entgegenkommen.

t+m Geschäftsführer Wolfgang Brinkmann hält die 5%-Forderung der IG Metall für überzogen

t+m Geschäftsführer Wolfgang Brinkmann hält die 5%-Forderung der IG Metall für überzogen

Die Textil-Tarifrunde 2014 für Westdeutschland hat begonnen. Die Gewerkschaft IG Metall holt ihre bereits 2012 und 2011 gestellten Forderungen erneut heraus und verlangt pauschal 5% mehr Lohn und Gehalt für die rund 100.000 Beschäftigten. Bei der ersten Gesprächsrunde in Maintal-Dörnigheim wies Wolfgang Brinkmann, Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite und Geschäftsführer der Brinkmann-Gruppe, die Forderungen als „überzogen und für nicht finanzierbar“ zurück. Brinkmann verwies auf die aktuell schwierige Situation der Hersteller: „Die im Frühjahr gehegten Hoffnungen auf ein moderates Umsatzwachstum haben sich in den letzten Monaten leider nicht erfüllt. Ich befürchte, dass wir in diesem Jahr nur gerade noch mit einer schwarzen Null rauskommen.“ Die Forderung sei auch deshalb unangemessen, da die Vergütungen erst im Juni 2014 –wie damals im November 2012 vereinbart– um 2% erhöht worden sind. Zudem haben die Textilbeschäftigten seit 2010 echte Reallohngewinne erreicht: Während die Verbraucherpreise in den letzten vier Jahren um 6,9% gestiegen sind, sind die Tarifverdienste im gleichen Zeitraum um 11% gestiegen.

Brinkmann hält die Forderung nach einer verpflichtenden Übernahme der Auszubildenden sowie eine tarifvertragliche Altersteilzeitregelung ebenfalls für unangebracht. Zum einen, weil die meisten Azubis ohnehin übernommen werden, und zum anderen, weil die Betriebe bei der aktuellen demografischen Entwicklung eher „mehr, nicht weniger qualifizierte ältere Mitarbeiter“ brauchen.

Die IG Metall hält dagegen, dass die Arbeitgeber „außer einem Nein“ nichts anzubieten hatten. IG Metall-Verhandlungsführer Manfred Menningen hätte sich ein Gegenangebot erhofft, auch wenn er sein Angebot für „fair und bezahlbar“ hält – gerade weil von seinem Standpunkt aus, sich die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie besser als in den vergangenen Jahren entwickelt.

So wird auf beiden Seiten gemosert und gemauert – Tarifpolitik eben! Nächster Verhandlungstermin ist der 16. Oktober. Dann treffen sich beide Seiten in Heidenheim. Bis Ende des Monats haben sie noch Zeit, zu verhandeln, denn solange läuft der alte Tarifvertrag.