Wirklich „Schlichtweg nicht finanzierbar“ oder nur Arbeitgeber in „Bewegungsstarre“? Die zweite Verhandlungsrunde für die westdeutschen Textilbeschäftigten verlief ohne Einigung. Die Gewerkschaft IG Metall will vor dem dritten Gesprächstermin nun den Druck erhöhen.

IG Metall-Verhandlungsführer Manfred Menningen in Heidenheim: "Mit dem Angebot provozieren sie die Beschäftigten"

IG Metall-Verhandlungsführer Manfred Menningen in Heidenheim: „Mit dem Angebot provozieren sie die Beschäftigten“

Offenbar wird es keine Einigung der Tarifparteien vor Ablauf der Friedenspflicht (31. Oktober) geben. Die zweite Verhandlungsrunde im schwäbischen Heidesheim verlief ergebnislos. Die Arbeitgeber gingen nicht auf das Angebot der IG Metall ein, das 5% mehr Lohn und Gehalt sowie Punkte wie eine verpflichtende Altersteilzeit und die Azubi-Übernahmepflicht vorsieht. Die Forderungen „überfordern unsere mittelständischen Unternehmen“ und sind „schlichtweg nicht finanzierbar“ fasste es Arbeitgeberverhandlungsführer Wolfgang Brinkmann zusammen. „Solche Forderungen schwächen uns im internationalen Wettbewerb. Angesichts einer seit August deutlich zurückgehenden Auftragslage würde dadurch die Wettbewerbsfähigkeit mancher Betriebe gefährdet. Das dürfen wir nicht zulassen.“ Die Gewerkschaft wirft den Arbeitgebern Sturheit und Bewegungsstarre vor und kontert, dass die konjunkturelle Lage in den Betrieben viel besser sei als die Stimmung in der Branche und dass die Industrie in der ersten Jahreshälfte Umsatz- und Auftragszuwächse verbuchen konnte.

Nicht nur bei den Entgelterhöhungen auch bei den anderen Themen sind beide Parteien weit von einer Einigung entfernt: Die von der Gewerkschaft geforderte verpflichtende Altersteilzeit verursacht Kosten zwischen 7.000 und 12 .000 Euro je Beschäftigte pro Jahr für den Aufstockungsbetrag, Rückstellungen und Insolvenzsicherung. Auch die Übernahmepflicht bei den Auszubildenden würde in der Zukunft eher das Gegenteil erreichen, da sich Unternehmen schwer tun würden, jungen Menschen, die anfangs für nicht ausreichend geeignet scheinen, eine Chance zu geben. Die Arbeitgeber haben ihrerseits auch Forderungen gestellt: Die Jahrzehnte alten Tarifverträge zur Optimierung der Maschinenlaufzeiten sowie zur Sicherung älterer Beschäftigter sollen auslaufen, da beide Verträge nicht mehr der betrieblichen Praxis entsprechen.

Die nächste Tarifrunde findet am 12. November in Münster statt. Bereits ab dem 1. November, wenn die Friedenspflicht nicht mehr gilt, plant die Gewerkschaft Aktionen in den Betrieben, um den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen.

Foto: IG Metall / Maja Reusch