Karstadt: Von Netzambitionen und Streichkonzerten
Trotz Ankündigung künftig medial weniger in Erscheinung treten zu wollen, sickern weiterhin Meldungen durch, wie das bröckelige Geschäftsmodell saniert werden soll. Genannt werden etwa das Outsourcing der Onlineaktivitäten oder die Streichung von mehr als 2.000 Stellen.
Tatort Essen: Es gibt Pläne für massive Stellenstreichungen, von den Filialschließungen mal abgesehen
Um Karstadt wird es nicht ruhiger, im Gegenteil: Nach der Mitteilung der Ergebnisse der ersten Aufsichtsratssitzung unter Neueigentümer René Benko, wartet die Nation (mehr oder weniger) gespannt darauf, was denn jetzt konkret passieren wird. Wo wird es Schließungen geben? Wo wird der Rotstift hart agieren? Wie sollen Umsätze wieder angekurbelt werden?
Karstadt.de 2.5
Letzteres soll einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ zufolge mit einer neuen Digitalstrategie erreicht werden. Interims-CEO Miguel Müllenbach soll dem Aufsichtsrat Pläne zur Fremdvergabe des Onlineshops vorgestellt haben. Vorgabe dabei ist, dass das externe Betreibermodell von Anfang an ein positives operatives Ergebnis erzielt. Durch das neue Modell will sich Karstadt seinen Anteil am wachsenden eCommerce-Geschäft sichern, das das stationäre Warenhausgeschäft ohnehin bedroht. Gleichzeitig bleiben Karstadt weitere Investitionen erspart, die nötig werden, um das Onlinegeschäft selbst auszubauen. 2011 erst wurde der karstadt.de einem Relaunch unterzogen. Wer als möglicher Partner in Frage kommt, ist noch nicht klar.
Deutlich weniger Personal
Gleichzeitig kursieren Gerüchte um Stellenstreichungen durch die Gazetten. Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) berichtete unter Berufung auf Kreise des Aufsichtsrats, dass zunächst 2.000 der 17.000 Stellen gestrichen werden soll. Davon entfallen rund 400 auf die Essener Zentrale wo nach dem letzten Sparkurs noch 1.400 Mitarbeiter tätig sind. Die verbleibenden 1.600 Arbeitsplätze sollen in den Filialen wegfallen. Dabei sind aber mögliche (oder viel mehr wahrscheinliche) Filialschließungen noch gar nicht miteinkalkuliert, denn konkrete Beschlüsse dazu sollen frühestens auf der nächsten Aufsichtsratssitzung im Oktober getroffen werden. Rund 20 bis 30 Häuser laufen laut Expertenmeinung unprofitabel und könnten von einer Schließung betroffen sein.
Gleichzeitig stehen die (verbleibenden) Beschäftigten erneut vor Kürzungen: Das Weihnachts- und Urlaubsgeld stehen auf dem Prüfstand, gleichzeitig wird eine Verlängerung der vertraglichen Regelarbeitszeit geprüft. Für die Gewerkschaft ver.di „unzumutbare“ Einschnitte. Immerhin in den ersten Tarifverhandlungen, die in Göttingen stattfanden, war das Weihnachtsgeld 2014 rechtsverbindlich zugesichert worden.







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