Überzeugungsarbeit ist Schwerstarbeit! Mehr Mitarbeiter bedeutet im Warenhausgeschäft nicht unbedingt mehr Service, findet Vertriebschef Thomas Wanke. Er will mehr "Qualitätszeit" durch die Abschaffung der alten, unübersichtlichen Rundschreiben schaffen.

Karstadt Vertriebschef Wanke: „Wir müssen dann beraten und Service bieten, wenn die Kunden dies nachfragen“

Das Führungsteam von Karstadt arbeitet weiter mit Hochdruck daran, den schwerfälligen Warenhaus-Tanker wieder auf Kurs zu bringen und in die schwarzen Zahlen zu steuern. Nach Schließungsankündigungen und Stellenabbau wurde den Mitarbeitern jüngst eine weitere Maßnahme mitgeteilt: Rund 1.100 Verkaufsmitarbeiter sollen zukünftig als ‚Regaleinräumer’ arbeiten und dafür rund 300 Euro weniger pro Monat verdienen. Der Gewerkschaft Ver.di sagte der Vorstoß erwartungsgemäß gar nicht zu: Mit dieser „Degradierung“ sei man auf dem „Holzweg“ sei. Dadurch drohe Karstadt der Abstieg zum „SB-Warenhaus“, wetterte Ver.di Landesbereichsleiterin Erika Ritter in der BZ.

Karstadt-Vertriebschef Thomas Wanke hält dagegen: Das Schlagwort vom angeblich drohenden ‚SB-Warenhaus’ sei nicht nur geschäftsschädigend, sondern auch Unsinn. „Der Markt beweist es“, sagt er im internen Infoblatt „Nachgefragt“. Der Wettbewerb erziele „bei deutlich höherer Produktivität bessere Ergebnisse als wir“. Service und Beratung seien keine Frage von „möglichst vielen Stellen“ sondern vor allem „eine Frage von Flexibilität und besseren Prozessen“, führt Wanke weiter aus. „Wir müssen dann beraten und Service bieten, wenn die Kunden dies nachfragen. Und das ist nicht in allen Abteilungen und an allen Wochentagen gleich stark ausgeprägt. Wir wissen doch alle, wann und in welchen Abteilungen wir besonders für den Kunden da sein müssen.“

Vertriebs-Sharepoint statt unübersichtlicher Rundschreiben

Um effektiv mehr Zeit für die Fläche und den Kunden zu haben, gibt es verschiedene Initiativen. Eine davon ist, die Rundschreiben im Intranet durch ein neues Vertriebs-Cockpit abzulösen. Die bisherige Herangehensweise zeigt, wie verkrustet die Strukturen bei Karstadt sind. Wöchentlich wurden bis zu 220 Rundschreiben zu Waren, Preisen oder Platzierungen verschickt – die Bearbeitung in den Filialen hätte „entsprechend viel Zeit in Anspruch“ genommen. Zukünftig sollen Einkauf, Marketing und alle anderen Fachbereiche einmal wöchentlich alle Infos an die Verkaufssteuerung senden, die dann ihrerseits nach Abteilungen gegliederte Wocheninfos erstellt. Durch die komprimierte Aufbereitung könnten die anstehenden Arbeitspakete mit entsprechender Personalbesetzung schneller schnüren, hofft Wanke. „Ziel ist es, die Kollegen im Verkauf – da wo wir unser Geld verdienen! – durch standardisierte und komprimierte Informationen zu unterstützen und zu entlasten.“ Insbesondere sollen Nebentätigkeiten an Freitagen und Samstagen vermieden werden. Diese Zeit muss dem Kunden gehören“, proklamiert Wanke eindringlich. Es nütze nichts, wenn an einem kundenstarken Freitagnachmittag zwar genügend Mitarbeiter auf der Fläche sind, aber schlichtweg keine Zeit für Beratung haben, weil sie Informationen aus der Verwaltung lesen oder Ware einräumen.“

Foto: via Brandpool