Dunkelbuntes Mode-Kaleidoskop in Mailand
Die Kollektionen der Mailänder Modewoche zeigen sich vielseitig: Während Jil Sander auf softe Töne setzt, proklamieren Dolce & Gabbana sinnlichen Barock in starken Erdtönen. Bottega Veneta setzt auf verschiedene Facetten von Schwarz. Mila Schon mag’s romantisch, Giorgio Armani dieses Jahr eher leger und Versace wie immer kurz und knapp.
Am vergangenen Mittwoch startete die Mailänder Modewoche und 28. Februar 2012 ging sie zu Ende. Die Modebranche blickte nach Italien und bekam einen modischen Rundumschlag für die nächste Herbst/Wintersaison geboten. Insgesamt wurden über 65 verschiedene Kollektionen gezeigt. Hier folgt ein Überblick zu ausgewählten Highlights:
Am Mittwoch eröffnete Gucci die Milan Fashion Week mit dunklem Glamour. Frida Gianni inszenierte ein verführerisches schwarzes Märchen, das irgendwie von Twilight inspiriert schien. Bei den Materialien dominierten schwere Stoffe wie Samt, Brokat, Leder und Wolle, die in Kontrast mit leichten transparenten Materialien wie Seide und Tüll kontrastierten. Militärische Jacken und Mäntel, Röcke mit hoher Taille wirkten fast schon “gruftig”. Unterbrochen wurde das Schwarz nur von jägergrünen und auberginefarbenen Einzelteilen oder zurückhaltenden Blumenprints. Highlight waren wohl die Feder-besetzten Entwürfe.
Max Mara spielte mit der neuen Weiblichkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Männliche Elemente wie Mützen, Hosenträger oder Military-Elemente mildern Femininität. Jumpsuits und Mäntel bestimmen das Bild. Weiche Materialien wie Angora, Wolle oder Cashmere verlieren ihre Sanftheit durch Details aus Kroko-Leder.
Gucci
Highlight bei Gucci
Max Mara
Miuccia Prada sorgte für ein (gewöhnungsbedürftiges) Revival der 60er Jahren. Kleider, Anzüge und Mäntel hatten die Optik einer Retro-Tapete und bestachen durch ihre minimalen Formen. Die Farben waren eine Hommage an die Erde: Aubergine, Senf, Orange und Braun.
Veronica Etro besann sich auf die Geschichte des Hauses und konzipierte eine Kollektion, die vom Paisley-Muster, dem Markenzeichen von Etro, dominiert war. Von der Presse bejubelt wurde der gelungene Mix aus Chiffon, Samt und Seide, der durch Pelz und transparente Einsätze eine gewisse Leichtigkeit erhielt. Ein modisches Wintermärchen in warmen Erdtönen!
Kurz und sexy war es wie immer bei Versace. Die Herrin des Hauses, Donatella Versace, setzte auf Glitzer und Gothic-Chic. Der Vatikan würde das Spiel mit funkelnden Kreuzen wahrscheinlich eher missbilligen. Minikleider wurden mit Lederstiefeln getragen. Die ansonsten eher schwarz oder silbergrau gehaltene Kollektion wurde durch knalliges Gelb oder Orange durchbrochen und sorgte für ein bisschen weniger Strenge auf dem kalt polierten Catwalk.
Prada
Etro
Versace
Alles Schwarz bei Bottega Veneta und trotzdem kein bisschen langweilig. Kreativdirektor Tomas Maier sorgte mit Schnitten, Formen und Silhouetten für Spannung. Modern-schlichte Kostüme, Grobstrickpullis oder bodenlange Samtkleider haben das Zeug zum Klassiker. Ganz Schwarz blieb es dann doch nicht: Dunkle Töne wie Nachtblau, Aubergine und sogar goldgelbe Entwürfe sorgten für einen dezenten Kontrast.
Raf Simons verabschiedete sich mit einer wunderschön-stilvollen Kollektion von Jil Sander. Ungewöhnlich für die dunkle Jahreszeit spielte der Kreativdirektor mit sanften Rosa- und Pudertönen, die allmählich von klarem Schwarz abgelöst wurden. Klare und asymmetrische Linien, Bustierkleider und die bekannten übervoluminösen Formen bestimmten die Kollektion. Fazit: Viele elegante Looks, die durchaus als Bewerbung für Dior akzeptiert werden könnten.
Bottega Veneta
Jil Sander
Jil Sander
Dolce & Gabbana versuchten sich in einer opulent anmutenden Landpartie: Es schien als wollten insbesondere die beiden Designer mit goldenen Stickereien, Perlen und Pelzen mit ihrer Interpretation „sizilianischen Barocks“ gegen die Krise anschneidern. Trotz des romantisch-ländlichen Chics blieben die Beiden ihrem sexy Stil treu und setzten auf Lingerie-Elemente, Spitze und figurbetonte Korsagen.
Auch Giorgio Armani ließ sich ebenfalls vom letzten Jahrhundert inspirieren. Seine Entwürfe könnte man als “neonfarbene weibliche Wiedergeburt des Chicago-Styles” beschreiben. Maskuline Anzüge und Buntfaltenhosen in Rauchblau, Neonpink und Orange leiteten die Show ein. Schräg aufgesetzte Hüte gaben den Entwürfen den besonderen Pfiff. Flauschige Stolen, süße Etuikleider und schimmernde Kurzblazer sorgten am Ende dann doch für viel Weiblichkeit.
Dolce & Gabbana
Dolce & Gabbana
Giorgio Armani
Fotos: Gucci, Max Mara, Prada, Bottega Veneta, Etro, Jil Sander, Versace, Dolce & Gabbana, Giorgio Armani





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