Milan Fashion Week: Farbenfroh und kreativ
Sieben Tage, mehr als 130 neue Kollektionen: Die Mailänder Modewoche machte ihrem Namen alle Ehre und zeigte künstlerisch ausgefeilte, handwerklich vollkommene Entwürfe. Die Veranstalter der CNMI freuten sich über das große internationale Interesse und die Harmonie – doch es war nicht überall harmonisch...
Dolce & Gabbana lieferten eine Hommage an ihre Insel Sizilien
Vielleicht kommt jetzt die Altersgehässigkeit… Die Kommentare, die Roberto Cavalli Anfang letzter Woche von sich gab, sicherte der Mailänder Modewoche zumindest mediale Aufmerksamkeit (von Klatschblättern). Cavalli machte einen Rundumschlag gegen die Organisatoren der Fashion Week, die Camera Nazionale della Moda Italiana (CNMI) und seine Kollegen Giorgio Armani, den er als „kleinen König“ betitelte, und Dolce & Gabbana, die er als egoistisches Duo an den Pranger stellte. Grund war, dass Armani seine Show auf Sonntag vorzog und ihn damit in Bedrängnis setzte. Armani nahm’s mit Humor und die Schauen konnten beginnen. Mario Boselli, Präsident der CNMI, lobte zum Abschluss den „reibungslosen Ablauf und die Harmonie“. Er ist überzeugt, dass die Milano Moda Donna für Journalisten und Einkäufer ein Highlight im internationalen Moderummel –trotz terminlicher Engpässe zwischen London und Paris– bleibt. Die Ängste vieler, dass die Besucher frühzeitig abreisten, erwiesen sich als unbegründet. Mailand hatte aber auch einiges zu bieten: 71 Catwalk-Shows und 53 Präsentationen. Das viel erwartete Highlight war zweifelsohne die Rückkehr von Jil Sander.
Alberta Ferretti
Jil Sander
Gucci
Alberta Ferretti ging auf eine Unterwasserreise. Ihre Kollektion war romantisch, leicht und verspielt. Sie schaffte es, dass endlose Pailletten, Fransen und schimmernde Stoffe nicht überladen sondern fast elfengleich, aber doch modern wirkten.
Dolce & Gabbana präsentierten wie immer sehr figurbetonte, bunte Kleider. Der Bezug zu Sizilien, der Heimat der beiden Designer war dabei unschwer zu erkennen: Leichte Seidenkleider zeigten malerische Früchte, Schubkarren oder auch Krieger aus der Antike. Darüber hinaus wurden Häkelstoffe und Leinen sowie feinste Spitze für die Kollektion verwendet. Neben Kleidern fanden auch Overalls, Blazer und knielange Röcke im Streifenmuster ihren Platz in der Frühjahr-/Sommerkollektion 2013.
Jil ist wieder Jil: Klare Formen, präzise Schnitte und durchdachte Details gab es bei Jil Sander, die nach acht Jahren zu dem von ihr 1968 gegründeten Label zurückkehrte. Vorherrschende Farben waren Nachtblau, Weiß, Bordeaux und Schwarz. Kleider und Blazer saßen luftig-locker und gab es sowohl in langer als auch kurzer Version. Die Röcke waren voluminös und schwingend, Hosen hingegen schmal geschnitten. Die Designerin setzte deutlich auf eine unifarbene Kollektion ohne Muster. Einzige Ausnahme: Plakative Punkte in zarten Nude- und Rosétönen auf den finalen Looks der Show.
Im Gegensatz dazu gab es bei Gucci kräftige, intensive Farben: Fuchsia, Koralle, Saphirblau, Türkis, Zitronengelb und Grün verwandelten den Laufsteg in ein buntes Farbenmeer. Die Schnitte waren feminin, fließend und mit voluminösen Volants sowie Flügelärmeln. Kreativdirektorin Frida Giannini setzte vorwiegend auf unifarbene Looks, jedoch kamen auch exotische Prints und schlangenartige Muster sowie eine Python-Optik zum Einsatz.
Prada
Bottega Veneta
Versace
Japanisches Flair zauberte Miuccia Prada mit ihren Entwürfen für Prada auf den Laufsteg. Eine helle, teilweise rote, Kirschblüte zierte sowohl Ober- als auch Unterteile in Tiefschwarz oder Dunkelgrün. Die Materialien waren vielseitig: Von leicht-fließendem Satin bis hin zu weichem Pelz war fast alles vertreten. Kragenlose Jacken wurden zu Miniröcken in einer Mehrschichtoptik kombiniert. Eines muss man der Frau, die selbst gar nicht zeichnet, lassen: Sie hat das Händchen dafür, etwas Häßliches zu Verkaufsschlagern zu formen.
Höchste Designkunst gab Tomas Maier bei Bottega Veneta zum Besten. Egal, was frau trägt, zeigt es immer zwei Seiten – die starke und die süße. Feminine „Tea-Dresses“bestimmten die Kollektion. Mal als geblümtes Blusenkleid, mal mit dem passenden Strickjäckchen. Reich bestickte Blusen mit extrem weiten, bis zum Ellenbogen reichenden Ärmeln und wadenlande, durchbrochene und mehrlagige Röcke ergänzten den Look.
Donatella Versace kreierte für Versace eine Kollektion mit Boho-Flair. Traditionelle Farben wie Schwarz, Weiß, Creme und Beige zierten ebenso die Farbpalette der Entwürfe wie ein kräftiges Orange und ein zartes Hellblau. Mit knappen Miniröcken, kurzen Oberteilen und viel Spitze war auch diese Kollektion sehr sexy. Ergänzt wurde die Kollektion durch Looks mit Batik-Optik sowohl in Blau- als auch in Rot- und Grüntönen. Die Verwendung von goldenen Applikationen verlieh den Entwürfen einen Hauch von Glamour.
Giorgio Armani
Dsquared2
Cavalli
Edel, edel präsentierte“König“ Giorgio Armani seine Hauptkollektion: „Wundervoll, wie immer, hieß es in der Presse. Und in der Tat inszenierte er Taubengrau und Eisblau so elegant wie es kein anderer kann. Egal ob Hosenanzüge, Shorts, Mäntel, kurze Blazer und Kleider – alles war lässig, fließend und aufeinander abgestimmt und zauberte wundervolle Silhouetten. Ein zeitloses Must-have für den Kleiderschrank!
„So 90ies!“ war die Kollektion von DSquared2: Mini-Lederröcke, hautenge Jeans, noch engere T-Shirts und BH-Tops. Wer im nächsten Jahr DSquared2 tragen will, sollte schon jetzt mit der Diät anfangen. Von möglichen Problemzonen lenkten Unmengen von Goldketten, klobige Armbänder, Lederhandschuhe und bling-bling-Gürtel sowie die obligatorische Polizistenmütze ab. Mehr ist eben mehr!
Roberto Cavalli präsentierte seine Hauptkollektion mit neuem Elan: Die Entwürfe waren locker, leicht und strotzen vor liebevollen Details, ohne überladen zu wirken. Neben fließenden, luftigen Kleidern (typisch Cavalli) stellte er erneut flatternde Hosen in den Fokus. Nachdem die Kollektion in purem Weiß begonnen hatte, gingen die Entwürfe zu Nude- und Neontönen über.
Fotos: Alberta Ferretti, Bottega Veneta, Dolce & Gabbana, Dsquared2, Giorgio Armani, Gucci, Jil Sander, Prada, Roberto Cavalli, Versace







Ein ausführlicher und farbenfroher Beitrag über die Milan Fashion Week.