Ready, Set, Go: Die Womenswear-Marke Set hat seit dem Launch der ersten Kollektion im Herbst/Winter 2009 nicht nur in Deutschland zahlreiche Anhängerinnen gefunden. Das Label verkauft sich mittlerweile rund um den Globus. In Deutschland führen es namhafte Häuser wie Ludwig Beck, Konen, Engelhorn, Galeries Lafayette oder Peek & Cloppenburg. In diesem Sommer startete Set mit einem eigenen Onlineshop.

Set Logo

Gegründet wurde Set von Maya Junger, die seit 2008 Kreativdirektorin des Labels ist. Ihre Entwürfe beschreibt die 40-jährige Designerin als selbstbewusst, anspruchsvoll, lässig, urban und feminin. Schaut man sich ihre Kollektionen an, würde man nie im Leben darauf kommen, dass sie eigentlich studierte Juristin ist. Vor 15 Jahren hängte sie ihre Karriere bei der international renommierten Top-Kanzlei Freshfields in London an den Nagel und kehrte nach München zurück, um zusammen mit ihrem Bruder Daniel Gottesdiener und ihrem Mann Alon Junger das in den 50er Jahren gegründete Familienunternehmen Oui zu übernehmen. Trotz dieser Herausforderung, wuchs in ihr der Wunsch, etwas Eigenes zu schaffen – und so entstand Set. Und als ob das nicht schon genug wäre, muss man ihr (neidvoll) zu gestehen, dass sie neben ihrer Zweitkarriere auch noch Mutter von vier (!) Kindern ist. Eine echte Powerfrau mit ehrlichen und bodenständigen Ansichten. Ihr Lebensmotto: Carpe Diem. Das Leben ist so kurz, darum muß man jeden Tag nutzen als wäre es der Letzte.

Maya Junger: Designerin, Bloggerin und vierfache Mutter

1. Woran arbeiten Sie im Moment?
Im Moment arbeiten wir bereits an der Erstellung der Kollektion für nächsten Herbst/ Winter 2013. Die ersten Themen sind fertig gestellt, im Atelier genähte Prototypen werden gefittet, und es entstehen die ersten Moodboards für die Weihnachtsprogramme 2013.

2. Gibt es die typische Set Kundin und wenn ja, was ist ihr wichtig?
Set will die moderne, modisch interessierte und urbane Frau von Frühmorgens bis Spätabends anziehen. Eigentlich verkörpere ich die typische Set Kundin. Ich stehe mitten im Leben und versuche Beruf und Familienleben unter einen Hut zu bekommen. Ich will dabei allem gerecht werden und immer modisch angezogen sein. Es muss alltagstaugliche Mode sein, die gleichzeitig sexy, ungekünstelt und unaufgeregt ist. Bei Set versuchen wir daher Trends immer lässig und einem gewissen Chic umzusetzen.

3. Eigentlich haben Sie Jura studiert und hatten damit einen sehr vielversprechenden Karrierestart in London. 1998 stiegen Sie zusammen mit Ihrem Mann und Ihrem Bruder in das Unternehmen Ihrer Großeltern ein und brachten „frischen Wind“ hinein. Was genau haben Sie verändert? Bei welchen Punkten sind Sie dem Gottesdiener-Erbe“ treu geblieben?
Wir haben die Stärke und Erfahrung der Mitarbeiter genutzt, die seit Jahren im Unternehmen arbeiten und auf die man sich immer verlassen kann. Wir haben die Historie stets respektiert und versucht, das Unternehmen und die Marke ins neue Jahrhundert zu führen. Andererseits brachten wir eine jugendliche Dynamik mit hinein, neue jüngere Mitarbeiter, die die Energie im Unternehmen beflügelten und den Mut hatten, Dinge zu verändern und Bewährtes in Frage zu stellen. Evolution statt Revolution war immer unser Motto. Nach der Gründung von Set haben die Kollektionen Oui und Set auf zwei eigene Beine gestellt und in unterschiedlichen Märkten und Umfelder platziert. Mein Bruder verantwortet heute die Marke Oui, ich die Marke Set. Wir arbeiten eigenständig und sind sehr stolz auf unsere beiden “Babies”.

4. Was bedeutet die Marke Set für Sie?
Es ist mein fünftes Kind.

5. Richtig, Sie sind stolze Mama von vier Kindern. Wie kriegen Sie Karriere und Familie unter einen Hut?
Ehrlich gesagt, kriegt man es nicht wirklich unter einen Hut. Man versucht es und ist stets bemüht, beidem gerecht zu werden. Dabei stößt man täglich immer wieder an seine Grenzen, was oft frustrierend ist. Und man gibt ganz viel von sich selbst auf, in seinem Bestreben sowohl im Beruf als auch für die Kinder immer da zu sein.

6. Da bleibt wohl nicht mehr viel Zeit für sich. Gehen Sie gerne shoppen und wenn ja, wo?
Ich stöbere sehr viel im Internet, abends wenn die Kinder im Bett sind. Oder gerne auf meinen vielen Reisen….

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Der typische Set-Look: Alltaqstauglich, modern, sexy und ein bisschen rockig

7. Eigentlich haben Sie dann immer Familie um sich herum, denn Sie arbeiten auch mit Ihrem Mann zusammen. Ist es da nicht schwer, Privates und Berufliches zu trennen?
Ich finde es unendlich schwer, Berufliches und Privates zu trennen, und es gelingt auch nicht wirklich. Wenn man mit seiner Familie arbeitet, nimmt man die Arbeit mit nach Hause. Sie beschäftigt einen auch Abends, am Wochenende und im Urlaub. Das hört nie auf und kann natürlich manchmal zum Fluch werden. Andererseits ist diese ‚Gemeinsamkeit’ und dieses Teilen wunderbar. Es verbindet und man weiß, man kann sich immer auf die Anderen verlassen. Das gibt Stärke und Kraft.

8. Wie war für Sie der Wechsel von der Kanzlei ins Modebusiness? Haben Sie den Blackberry einfach gegen einen Stift und Stoffmuster eingetauscht?
Den Backberry habe ich immer noch… Ich habe die Modebranche quasi mit der Muttermilch aufgesaugt, bin damit groß geworden und meine Eltern haben stets versucht, meinen Bruder und mich mit ins Unternehmen einzubeziehen. Wir wurden, wenn möglich, auf Inforeisen, Messen und zu Besprechungen mitgenommen und ab meinem 16. Lebensjahr arbeitete ich in den Ferien in diversen Abteilungen wie Versand, Marketing, Beschaffung. Die Firma war mir daher immer vertraut, was natürlich nicht bedeutet, dass ich mich in den Designbereich nicht mühsam einarbeiten musste. Harte Arbeit, lange Stunden und Jahre ohne Wochenenden musste ich investieren, um mich in diesem speziellen Bereich einzufinden, wobei genau darin meine eigentliche Leidenschaft lag und liegt.

9. Und profitieren Sie heute noch von ihrer „ersten Karriere“?
Auf jeden Fall! Meine Kanzleijahre waren eine harte Schule, ein sehr wettbewerbsorientiertes, Männer-dominiertes Umfeld, ohne Rücksicht auf Menschlichkeit oder Emotionen. Um sich dort zu behaupten bedarf es Ellenbogen, womit ich mit schwer tue und was mir gar nicht entspricht. Unser Unternehmen basiert genau auf gegensätzlichen Attributen wie zwischenmenschlichen Beziehungen, die Stärke jedes Einzelnen, die das Unternehmen ausmachen und das Team bereichern. Natürlich habe ich in meinen Jahren als Anwältin aber auch sehr viel gelernt, wie Organisationstalent, Analytik und Ausdauer, die mir heute täglich zugute kommen.

10. Welche Ziele haben Sie noch für Set – Wo soll es in den nächsten zehn Jahren hingehen?
Wir sind erst am Anfang mit Set. Wir haben vor nicht einmal drei Jahren die Kollektion im progressiven Markensegment gelauncht und es bedarf Zeit, Ausdauer und insbesondere Kontinuität, um eine Markenbekanntheit aufzubauen. Wir sind erfolgreich an unseren Points of Sales, aber die Welt liegt uns noch nicht zu Füßen.  Es gibt noch unendlich viel zu tun und deshalb ist es unser Bestreben, kontinuierlich am Erfolg zu arbeiten.

11. Planen Sie irgendwann in naher Zukunft eigene Stores zu betreiben?
Eigener Retail steht nicht auf unserer Agenda, weil wir den von uns belieferten Facheinzelhandel respektieren und seine Arbeit sehr schätzen. Dennoch gehören eigene Stores für eine Marke heute dazu, um die Marke erlebbar zu machen. Außerdem glaube ich, dass Einzelhandel isein knochenhartes Geschäft ist, dass sicherlich nicht zu unterschätzen ist.