Flauer Start und schlechte Aussichten: Der deutsche Mode- und Schuhhandel profitiert nicht von der aktuellen guten Konsumstimmung. Die Händler blicken entsprechend verzagt auf das restliche Jahr.

Abnehmende Frequenz ist eine der Hauptsorgen der stationären Händler

Abnehmende Frequenz ist eine der Hauptsorgen der stationären Händler

Der deutsche Einzelhandelsverband HDE rechnet für das Gesamtjahr nur mit einem moderaten nominalen Umsatzplus von 1,5% für den deutschen Handel. Das entspricht preisbereinigt einem Plus von 1%.

Nachhaltiger Konsum statt schneller Güter

Dabei hatte das Jahr aufgrund der immer noch soliden Verbraucherstimmung gut begonnen – zumindest für Möbel-, Lebensmittel- und Autohändler. Die Deutschen sind angesichts des niedrigen Zinsniveaus weiter in Konsumlaune, geben ihr Geld aber lieber für Immobilien und hochwertige Konsumgüter wie Autos statt für kurzlebige Konsumgüter aus. Auch stationäre Modehändler konnten bislang nicht von der nach wie vor guten Konsumstimmung profitieren. Laut dem TW-Testclub-Panel lagen die Umsätze im ersten Quartal 5% unter dem Vorjahr. Vor dem Hintergrund, dass bereits das gesamte Jahr 2014 mit einem Umsatzrückgang abgeschlossen wurde, ist die Entwicklung für den stationären Handel gravierend. Jeder zweite Mode- oder Schuhhändler schätzt seine Lage als „befriedigend“, 31% bewertet sie Geschäftslage sogar als „schlecht“ und weniger als ein Fünftel (19%) ist optimistisch. In anderen Sparten wie Nahrung- und Genussmittel, Möbel oder elektronische Erzeugnisse sind die Einschätzungen deutlich positiver, auch wenn sie bislang ebenfalls nicht vollumfänglich von der guten Konsumstimmung profitieren konnten.

Strukturwandel und andere Nöte

Insgesamt ist der Anteil des Einzelhandelsumsatzes am privaten Konsum zwischen 2000 und 2014 um knapp 7 Prozentpunkte gesunken. Der stationäre Handel ist daneben noch mit dem Strukturwandel konfrontiert, denn immer mehr Marktanteile gehen an Onlinehändler. Der HDE prognostiziert dem Onlinehandel für 2015 ein nominales Plus von 12% –  während im Geschäf die Händler über die zunehmende Frequenzschwäche stöhnen. Gleichzeitig macht die Politik das Leben für den stationären und meist inhabergeführten Handel nicht leichter: Aktuelle Neuregelungen in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie geplante Änderungen bei der Erbschaftssteuer belasten die Branche, die nach dem Motto „Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“ weiter macht und hofft.