Griechenland liegt (finanziell) in Scherben, in Italien mangelt es an Liquidität, Spanien ist in der Dauerrezession – nur Deutschland behauptet sich wacker... Der HDE hält sogar an der zu Jahresbeginn getätigten Wachstumsprognose von 1,5 Prozent für 2011 fest.

Einzelhandel Deutschland

Der deutsche Einzelhandel ist optimistisch, denn die Kunden sind noch in Kauflaune

„Die Grundlage des Optimismus ist blanke Angst“, hält man es mit Oscar Wilde, dann steht es wohl doch nicht so gut um den deutschen Einzelhandel, dennoch sprechen die Zahlen eine andere Sprache. Der Handelsverband Deutschland (HDE) stellte heute in Düsseldorf seine diesjährige Herbst-Konjunkturumfrage vor und die deutschen Händler beurteilen die aktuelle Lage trotz der aufziehenden Wolken der Euro-Krise überwiegend positiv.

Mit einem Umsatzplus von nominal 2,4% lag die Branche bis zum Juli leicht über der HDE-Prognose von 1,5% für 2011. „Steigende Kosten für Energie und Gesundheit“ würden den Konsum allerdings belasten, warnte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth für das zweite Halbjahr. Überdies wirke sich die anhaltende Euro-Debatte negativ auf das Vertrauen der Verbraucher aus und könnte zu Kaufzurückhaltung führen. Aufgrund des guten ersten Halbjahres allerdings, hält der an seiner bisherigen Wachstumsprognose fest. „Das Wachstumstempo könnte sich im zweiten Halbjahr etwas abschwächen. Was wir dringend brauchen, sind verlässliche politische Entscheidungen und eine nach außen geschlossen auftretende Regierung“, fordert Genth.

Der HDE rechnet zwar mit einer leichten Abkühlung des Konsums, hält aber an seiner Prognose von +1,5% fest (Angaben in Mrd. Euro)

Bestes Halbjahr seit 6 Jahren

Mit einem Umsatz von 232,9 Mrd. Euro war das erste Halbjahr 2011 (einschließlich Juli) das stärkste für den Einzelhandel seit sechs Jahren. Dies stimmt optimistisch: 40% der an der HDE-Umfrage teilnehmenden Unternehmen bewerteten ihre Geschäftslage positiver als im Vorjahr. Insbesondere die Händler aus den Bereichen Heim, Garten und Freizeit seien besonders optimistisch, sie profitierten von der gestärkten Nachfrage nach Fahrrädern, Haushaltsgegenständen, Uhren/Schmuck und Spielwaren. Spendabel zeigen sich die Deutschen auch im Netz: eCommerce bleibt mit einem erwarteten Wachstums von 10% der Umsatztreiber für den Einzelhandel. Der HDE prognostiziert ein Umsatzvolumen von 26,1 Mrd. Euro (Vorjahr: 23,7 Mrd. Euro).

Positiv wirkte sich das Wachstum des Einzelhandels auch auf die Beschäftigung aus: Rund 17% der befragten Unternehmen gaben an, im ersten Halbjahr Stellen aufgebaut zu haben. Der HDE rechnet damit, dass die Beschäftigungssituation im zweiten Halbjahr stabil bleiben wird.

Foto: istock/© JulieVMac / Graphik: HDE