In Essen nix Neues: Geduldig beantwortet der Investor die Fragen des Reporters der WAZ-Gruppe und betont dabei zum x-ten Mal, dass er wirklich langfristig am Warenhaus interessiert sei, dass er gerne investiert, um die Kultmarke aufzupolieren und dass er voll und ganz hinter dem Karstadt-CEO Jennings steht.

Karstadt: "Ein Juwel, das poliert werden kann und muss"

Die Deutschen sind ein misstrauisches Völkchen. Ständig denken sie, jemand könnte ihnen etwas vorgaukeln und sie über’s Ohr hauen. Passiert es dann tatsächlich, können sie genussvoll darin schwelgen zu behaupten, sie hätten es ja immer schon gewusst. Diese kritisch-defensive Grundhaltung kann man seit Jahren in den Interviews mit dem Karstadt-Investor Nicolas Berggruen beobachten. Erst jetzt wurde wieder ein Interview mit ihm und den ewig gleichen Fragen bezüglich der Ernsthaftigkeit seiner Absichten veröffentlicht. Seine Antworten sind alle nicht neu: Berggruen steht zu Karstadt – langfristig! Er hat keine Verkaufspläne – weder für die Warenhäuser, noch die Premiumhäuser oder Karstadt Sport – alles „Zeitungsenten“. Karstadt ist in seinen Augen eine „absolute Kultmarke“, die er bewahren will; oder anders formuliert: „ein Juwel, das poliert werden kann und muss.“ Drum zeigt er sich weiter an einer Fusion mit dem Konkurrenten Kaufhof interessiert. Und er sagt auch, dass Andrew Jennings ein „super Typ“ ist, und alle Spekulationen über dessen Ablösung ein „bösartiges Gerücht“ sind.

Karstadt macht ihm Freude, „sehr große Freude sogar“

Gleichzeitig stellt er unmissverständlich klar, dass dem Unternehmen seit seiner Übernahme „die beste Pflege seit 20 Jahren“ angediehen wird. Das ist zwar nicht immer leicht, insbesondere momentan wenn der Abbau von 2.000 Stellen droht, aber er ist überzeugt davon, dass die Mitarbeiter den Sanierungskurs aus Überzeugung mittragen werden: „Dass Karstadt nun endlich, nach so vielen Jahren des Missmanagements, auch wettbewerbsfähige Strukturen braucht, kann, glaube ich, jeder nachvollziehen. Denn alle Mitarbeiter wissen eines noch ganz genau: 2010 war Karstadt mausetot.“ Außerdem werden die Kündigungen ja möglichst sozialverträglich und in Abstimmung mit dem Betriebsrat erfolgen. Weiter rechnet er vor, dass von 2010 bis 2015 insgesamt „rund eine Milliarde Euro“ in die Modernisierung von Karstadt investiert werden, wo von rund zwei Drittel vom Warenhauskonzern dazu gesteuert werden. Wer so viel investiert, wird morgen wohl nicht schon wieder abspringen?

Ob seine Statements bei den Deutschen auf offene Ohren und ein Langzeitgedächnis treffen, ist unwahrscheinlich. Man wird nicht lange darauf warten müssen, bis wieder wieder Verkaufsgerüchte aufkommen oder über den Modernisierungskurs gehetzt wird. Und irgendwann wird Berggruen genau deshalb vielleicht die Lust an Karstadt und den Deutschen verlieren. Und dann können sie endlich sagen: Wir haben’s ja gewusst…