Auch wenn die Baumwollernten nach der Flutkatastrophe nicht ganz so betroffen sind, wie befürchtet, bittet der pakistanische Textilexporteursverband die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie um Hilfe.

Flutopfer in Pakistan: Die Regierung gibt die Devise aus: Keine Sorge, alles läuft nach Plan

Nachdem die Überschwemmungen langsam zurückgehen, befindet sich der Wiederaufbau in der Region um den Indus in vollem Gange. Auch wenn Zentralpakistan, als Epizentrum der Textilherstellung, nicht direkt von den Überschwemmungen betroffen war, sind die Exportwege und die Infrastruktur in ganz Pakistan durch die Überschwemmungen stark beschädigt worden und müssen jetzt wieder aufgebaut werden. Wie viel Baumwolle vernichtet worden ist, kann jetzt noch nicht akkurat beziffert werden. Schätzungen belaufen sich auf zwei bis drei Millionen Ballen bei einer Gesamternte von 14 Millionen Ballen. Die Baumwolle, die derzeit noch in den Spinnereien und Webereien gelagert wird, soll bis dato und nach offiziellen Angaben nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sein, so dass es dort derzeit noch keine Lieferprobleme gibt. Engpässe könnten erst auftauchen, wenn die Altbestände aufgebraucht sind und neue Wolle in die Fabriken transportiert werden muss. Nach Angaben des Portals Textination muss damit gerechnet werden, dass die von Pakistan importierte Baumwollmenge im kommenden Jahr erhöht werden muss. Schon jetzt bittet der Verband der Textilexporteure Pakistans um Hilfe, u.a. durch Beteiligung an den Wiederaufbauarbeiten und an der Katastrophenhilfe, Aufnahme von Pakistan in das Zollpräferenzabkommen der EU (Generalised System of Preferences) und natürlich die Fortsetzung der Geschäftsbeziehungen mit pakistanischen Exporteuren, um die Auswirkungen der Überflutungen abzumildern.

Nach einigen Spekulationen sollen rund 8 Prozent der Baumwollanbauflächen durch die Flut verloren gegangen sein. Da Pakistan der weltweit zweitgrößte Baumwollerzeuger ist, kletterten die Preise für Baumwolle drastisch in die Höhe. Mittlerweile sind die Baumwollpreise auf ihr ursprüngliches Niveau zurückgefallen. Das ist darauf zurückzuführen, dass man davon ausgeht, dass sich viele Pflanzen noch bis zum Beginn der Erntereife von der Überschwemmung erholen werden. Zum anderen fielen die Ernten in den USA hervorragend aus. Dennoch spekulieren viele Börsenmakler weiter mit Finanzinstrumenten wie Futures auf steigende Preise. Um der größeren Nachfrage gerecht zu werden, wurde in Amerika, Indien und China die erzeugte Menge schon in der Saison 2010/11 durch größere Anbauflächen deutlich vergrößert, so dass es keinen akuten Mangel an Baumwolle geben sollte.

Foto: via picapp/Reuters/Asim Tanveer