Ein Familienunternehmen startet als kleiner Modehändler und wächst im schwedischen Heimatmarkt rasant. Nach der Eroberung der skandinavischen Länder, wendet man sich Deutschland, dem größten europäischen Modemarkt, zu und stößt dort auf starke Gegenliebe. Die Rede ist hier aber nicht von H&M (auch wenn die Geschichte sich sehr ähnlich anhört), sondern von ginatricot.

Das Erfolgsrezept des noch recht jungen und derzeit am schnellsten wachsende Fashion-Retailer Skandinaviens liegt darin, dass jede Woche neue modische Kollektionen in den Stores eintreffen, und den Kundinnen so jederzeit ein neues, attraktives Produktsortiment geboten werden kann.

Gina Tricot Logo

1997 gründeten Jörgen und Annette Appelqvist ginatricot – quasi am Wohnzimmertisch. Nach eigenen Angaben ist das in Borås ansässige Unternehmen mit etwa 170 Stores in fünf Ländern präsent und peilt für 2011 einen Jahresumsatz von 2,3 Mrd. SEK (253 Mio. Euro) an. In Deutschland starte ginatricot in Köln im Oktober 2010 mit dem ersten Store und ist hierzulande mit mittlerweile acht Filialen vertreten. Allein in diesem September eröffneten drei neue Filialen in Berlin, Frankfurt und Düsseldorf – und die Expansion geht weiter

ginatricot ist trotz des rasanten Erfolges immer noch ein echtes Familienunternehmen: Vater Jörgen Appelqvist ist CEO, Mutter Annette ist Head of Product, Sohn Victor Marketing-Chef und Tochter Anna Einkaufschefin. Das Deutschland-Geschäft wird von Marc Wittke betreut. Der 46-Jährige kennt sich aus mit den Schweden: Rund zwei Jahrzehnte hat er die Expansion von H&M mitbegleitet und war später auch kurzzeitig bei s.Oliver und für die Douglas Gruppe tätig. Im Rahmen der Berliner Eröffnung fand Marc Wittke Zeit, fabeau ein paar Fragen zu beantworten.

Marc Wittke, Deutschland-Geschäftsführer Gina Tricot
Marc Wittke, Deutschland-Geschäftsführer bei ginatricot

1. Es scheint, Schlag auf Schlag zu gehen: Allein drei Neueröffnungen im September! Wo darf man denn die nächsten Store-Eröffnungen erwarten?
Im Frühjahr 2012 werden wir die nächsten Filialen in Dortmund und Wuppertal eröffnen.

2. Welche Kriterien sind bei der Auswahl neuer Standorte ausschlaggebend?
Bei der Auswahl unserer Standorte zählt für uns zweierlei: Zum einen natürlich die Anzahl an modeinteressierten Kundinnen im Einzugsgebiet, und zum anderen eine perfekte Standortlösung mit einer tollen Location.

3. Deutschland ist der erste Markt außerhalb von Skandinavien. Sind weitere Auslandsmärkte angedacht?
Sicherlich sind für die Zukunft weitere Auslandsmärkte angedacht. Konkrete Pläne verfolgen wir zurzeit aber nicht, sondern konzentrieren uns jetzt erst einmal verstärkt auf die kommenden Eröffnungen in Deutschland.

4. Ihr Fazit nach knapp einem Jahr in Deutschland: Wie wichtig ist der deutsche Markt denn bereits für Gina Tricot?
ginatriot wird sehr gut von unseren deutschen Kundinnen angenommen. Trotzdem ist der Markt für den Gesamtumsatz noch nicht ausschlaggebend. Aber das wird sich Schritt für Schritt in den nächsten Jahren ändern.

Gina Tricot_Herbst-Kampagne

Gina Tricot ist skandinavische Mode mit dem besonderen Etwas

5. Welche Vision haben denn die Gründer und Eigentümer von Gina Tricot – vielleicht in ein paar Jahren in einer Liga wie H&M und Co. zu spielen?
Wir verfolgen keine formulierten Visionen, außer an jedem Tag unser Bestes zu geben.

6. Und was unterscheidet Gina Tricot von der Konkurrenz?
Wir konzentrieren uns darauf, extrem schnell mit unseren Waren zu sein und gleichzeitig eine hohe Innovationskraft bei unseren Produkten zu haben. Bei uns steht die Kreativität des Produktes im Vordergrund. Die Mehrzahl unserer Mitarbeiter in unserer Zentrale beschäftigt sich mit Design und Beschaffung.

7. Schaut man sich diverse deutsche Fashion-Blogs an, wird Gina Tricot momentan ziemlich gehypt und profitiert davon als Marke ungemein. Auf welche weiteren Marketingmaßnahmen setzt das Unternehmen außerdem?
Unser bestes Marketing sind unsere zufriedenen Kundinnen und die Mundpropaganda, die sich daraus ergibt. Allein davon profitieren wir als neue Marke auf dem deutschen Markt ungemein.

8. Welche Artikel laufen denn in den deutschen Filialen am besten?
Im Prinzip läuft der Verkauf ähnlich zu den skandinavischen Märkten. Der größte Unterschied liegt dabei vor allem in der Quantität.

Gina Tricot_Appelqvist Familie

Bei ginatricot liegen die wichtigen Positionen in Familienhand: Tochter Anne ist Einkaufschefin, Vater Jörgen CEO, Mutter Annette Head of Product und Sohn Victor Markeingchef (vlnr)

9. Der Modestil deutscher Frauen gilt gemeinhin als eher sportlich und ‘basic-lastig’. Wird Gina Tricot hier neue Maßstäbe setzen und deutsche Mädels zu Fashionistas und Trendsetterinnen machen?
Nein, ginatricot orientiert sich insbesondere an den Kundinnen und nicht an irgendwelchen Maßstäben. Aber der Markt in Deutschland ist enorm riesig, so dass erfolgreiche und einzigartige Konzepte immer eine hervorragende Marktchance haben.

10. Gina Tricot ist ein schwedisches Familienunternehmen. Früher haben Sie bereits bei Branchengrößen wie H&M oder der Douglas Gruppe gearbeitet. Unterscheidet sich die Unternehmenskultur von Ihren anderen Arbeitgebern?
Ja, natürlich. Jedes Unternehmen verfügt über seine eigene Unternehmensstruktur. Und die Art des Familienunternehmens ist natürlich eine andere und auch besondere.

11. Abschließend eine persönliche Frage: Sie haben sich in der Modebranche in mehr als 20 Jahren einen guten Namen gemacht. Was sind für Sie die drei wichtigsten Eigenschaften, um in der Branche erfolgreich zu sein.
Meiner Meinung nach, zahlen sich Offenheit, Schnelligkeit, Flexibilität und eine gute Intuition aus.

Gina Tricot_Slogan

Der Claim ist ein Versprechen, dass das Unternehmen vor viel kreative Herausforderungen stellt

Gina Tricot Eröffnung Berlin

Bei der Eröffnung in Berlin herrschte - wie jedes Mal - großes Gedränge an Ständern und vor den Kassen

Fotos: ginatricot, Urszula Bossart, Stephan Krudewig