Tief im Westen, tief in der Krise! Um den Essener Warenhauskonzern steht es schlechter als gedacht. Medienberichten zufolge brauchen sich die Barreserven auf - ohne dass es Aussicht auf schnelle Besserung gebe.

Karstadt

Karstadt: Die Kunden laufen vorbei, die Barmittel schmelzen weg

Vier Jahre nach der Rettung durch den US-Investor Nicolas Berggruen steht Karstadt offenbar schon wieder mit dem Rücken an der Wand. Wie die berüchtigte Tageszeitung mit den vier großen Buchstaben auf rotem Grund berichtete, sollen die Barmittel mittlerweile unter der kritischen Marke von 100 Mio. Euro liegen. Im September 2012 lagen das Cash-Depot noch bei 300 Mio. Euro. Eine nicht unerhebliche Schuld an der desolaten Finanzlage soll auch der damals vermeintliche Retter Berggruen haben, denn jedes Quartal soll er von Karstadt 3 Mio. Euro Lizenzgebühr für die Nutzung des Namens „Karstadt“ erhalten. Die BILD-Zeitung schreibt, dass Berggruen bislang nicht auf die Forderungen verzichtet hat, obwohl er darum gebeten worden sei. Eigenes Geld hat er bislang ebenfalls nicht für die Sanierung Karstadts locker gemacht.

Bald wieder vor der Insolvenz?

Doch nicht nur der kontinuierliche Mittelabfluss macht der Kaufhauskette zu schaffen. Schlimmer noch ist, dass es offenbar keine Aussicht auf Besserung gibt. Laut dem Bericht soll das Ergebnis aktuell 2% unter Plan liegen, die Frequenz ist mau, die Kunden bleiben weg und nur Sparmaßnahmen verhindern noch schlechtere Zahlen. Das ist die Bilanz, die die Geschäftsführung den rund 350 Karstadt-Betriebsräten am Dienstagabend offenlegte.

Für Karstadt selbst wird die Luft dünn, denn es ist unklar ob die seit Februar amtierende Chefin Eva-Lotta Sjöstedt in der Lage ist, den Konzern zu sanieren. Viele Marktbeobachter kritisieren, dass es der gebürtigen Schwedin an Krisenmanagementerfahrung fehlt. Drastische Einsparungen, notfalls auch Filialschließungen, wären notwendig, um Karstadt wieder auf den Weg zu bringen. Das will zwar die Gewerkschaft Ver.di nicht hören, aber auch sie fordert mittlerweile ein „klares Konzept“, wie Karstadt zukünftig stabilisiert werden soll.