Der Essener Warenhauskonzern steckt immer noch tief in der Krise. Die bisherigen Bemühungen haben nicht gefruchtet, daher könnte gut ein Viertel der Häuser geschlossen werden, prognostiziert Aufsichtsratchef Stephan Fanderl.

Karstadt verdient an der Kasse kein Geld. Rund ein viertel aller Häuser arbeitet nicht profitabel

Für die rund 17.000 Karstadt-Mitarbeiter geht das Zittern in eine neue Runde: Der Warenhauskonzern hat seit der Übernahme 2010 durch die Berggruen Holding von nicht den erhofften Turnaround geschafft, daher drohen nun harte Sanierungsschritte. Auf eine Finanzspritze von dem US-Investor brauchen die Angestellten nicht hoffen, die blieb auch bisher aus.

Ein Viertel der Häuser läuft nicht

Nach der weichen Sanierung, bei der rund 2.000 Stellen auf verträgliche Weise abgebaut wurden, droht nun das dicke Ende, denn Karstadt steckt tief in den roten Zahlen und kann im momentan desolaten Zustand nicht durch oberflächliche Sortimentsveränderungen oder Service-Verbesserungen gerettet werden. Um den gesunden Häusern eine Zukunft zu geben, werde es schwere Einschnitte geben müssen. Es gebe zwar noch keine konkreten Schließungsbeschlüsse, „aber aber das Unternehmen macht sich seit einiger Zeit berechtigte Sorgen um die Profitabilität von mehr als 20 Häusern“, sagte der Karstadt-Aufsichtsratsvorsitzende Stephan Fanderl in einem Gespräch mit der F.A.Z. (Dienstagsausgabe). Das ist knapp ein Viertel der insgesamt 83 Warenhäuser. Weitere Sparanstrengungen müssten in der Zentrale und in der Logistik erfolgen, vermutet Fanderl. „Die Kraft der Karstadt-Filialen, zu hohe Zentral- und Logistikkosten zu tragen, ist genauso begrenzt wie die Fähigkeit, auf Dauer eine zu große Zahl unprofitabler Standort zu betreiben.“ Aktuell stelle das Interims-Management aus Arbeitsdirektor Kai-Uwe Seitz und CFO Miguel Müllenbach, das seit dem übereilten Abgang von Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt amtiert, „alles auf den Prüfstand“.

Die Gewerkschaft Ver.di kritisierte die Kommunikationsstrategie, die die Beschäftigten mal wieder in Ungewissheit und Verunsicherung versetzt. Abermals forderten die Arbeitnehmervertreter ein „tragfähiges Zukunftskonzept“, das die Arbeitsplätze der Mitarbeiter sichert. Genau an so einem arbeitet das Management aktuell mit Hochdruck, versichert Fanderl. Einen kleinen Hoffnungskick gab es bereits: Der Warenkreditversicherer verlängerte den Vertrag mit Karstadt um ein Jahr, damit ist das wichtige Weihnachtsgeschäft gesichert. Karstadt habe genug Liquidität und sei handlungsfähig, betonte Fanderl gegenüber der Zeitung, jedoch räumte er auch ein, dass das Unternehmen mit seinem Geschäftsmodell „über die Ladenkasse noch immer kein Geld“ verdiene.