Eingenähtes SOS oder geschickter Guerilla-Coup? Mehrere Kunden der irischen Modekette fanden in den letzten Tagen Labels mit eingestickten Hilferufen. Ob die Näherinnen sie dort hinterlassen haben, ist allerdings fraglich. Zum Denken regt die Aktion trotzdem an.

Eines der eingenähten Schildchen

Schon seit dem Start der irischen Billig-Kette Primark steht das Unternehmen wegen seiner Produktionsbedingungen in der Kritik. Doch nun richten sich auch die Arbeiter gegen ihren Arbeitgeber und senden Hilferufe per eingenähter Schildchen. Eine Kundin aus dem nordirischen Belfast hatte in einer gekauften Primark-Hose einen Zettel mit asiatischen Schriftzeichen gefunden, der in das Kleidungsstück eingenäht wurde. Der oder die Hilferufende schreibt, dass sie „wie Ochsen“ arbeiten müssten. Auch das Essen soll selbst für Tiere ungenießbar sein. Auch SOS sei zu lesen gewesen.

Auch war wenige zuvor in einem Kleid von Primark ein eingenähter Zettel aufgetaucht, in dem “forced to work exhausting hours” (zu dt.: Gezwungen, bis zur Erschöpfung zu arbeiten). In einem weiteren Kleidungsstück konnte man in englischer Sprache die Zeilen „Erniedrigende Bedingungen in eine Knochenmühle“ lesen.

Doch nur ein Fake?

Doch nun werden Stimmen laut, die behaupten, dass diese geäußerte Kritik gegenüber Primark ein Fake sein könnte. In einem aktuellen Artikel der W&V führt die Autorin Argumente auf, warum die Hilferufe per eingenähter Schildchen nur eine Guerilla-Aktion sein könnten. Zum einen führt sie das zeitgleiche Auftauchen der Zettel an. Die Hose mit den zwei Hinweisen in englischer Sprache sollen erst kürzlich aufgetaucht sein. Doch die Kundin mit der Hose, in der mithilfe asiatischer Schriftzeichen das Leid geklagt wurde, habe die Hose schon seit Juni 2011. Sie habe sie aber bisher noch nie getragen. Dass sie sie gerade jetzt übersetzen ließ, wäre ein außerordentlicher Zufall. Zudem gibt es in Bangladesch, wo Primark unter anderem produzieren lässt, mehr als 70% Analphabeten. So sei es doch sehr verwunderlich, wenn eine Näherin englische (und gar nicht mal so einfache) Phrasen aufsticken könnte. Weitere Argumente, wie die Ungereimtheiten bei den Verkaufsdaten der einzelnen Produkte spreche für ein Fake der Hilferufe. Wer nun genau  hinter dieser Aktion steckt, bleibt offen.

Foto: Twitter / Rebecca Jones