Es hagelt Kritik für eine (eigentlich) gute Sache: Der aktuelle Entwicklungsminister Gerd Müller plant ein Textilsiegel, das für Nachhaltigkeit entlang der gesamten Lieferkette einsteht. Doch es werden kritische Stimmen laut.

Ein Siegel für siziale Standards bei der Mode-Produktion

Entwicklungsminister Gerd Müller konnte es vermutlich nicht mehr mit ansehen – die zahlreichen Schlagzeilen in den letzten Tagen, Monaten und Jahren zu den schlechten Arbeitsbedingungen in Mode-Produktionsstätten. Deshalb spricht sich der seit Dezember 2013 amtierende Bundesminister für ein Sozial-Siegel aus, das nachhaltig produzierte Mode auszeichnet. Gegenüber der Rheinischen Post äußerte sich der CSU-Politiker Müller folgendermaßen: „Wir arbeiten an einem Label, das den Verbrauchern signalisiert, dass bei diesem Produkt die Näherinnen von ihrer Arbeit leben können und die ökologischen Standards eingehalten werden.“ Bis Ende dieses Jahres soll das Sozial-Siegel, das die gesamte Lieferkette „vom Baumwollfeld bis zum Bügel“ bestätigt, stehen. Das Siegel soll von einem „Textil-Bündnis“ erarbeitet werden, das aus Vertreter der Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und der Bekleidungsindustrie bestehen soll. Bereits zu zwei Sitzungen kamen die Experten zu einem Runden Tisch zusammen.

Kritische Stimmen

Doch mit seiner Offensive gegen schlechte Arbeitsbedingungen erntet Müller jedoch harsche Kritik von allem Seiten. Vor allem NGOs, Textil-Unternehmen oder auch die Opposition halten das Vorhaben für realitätsfern. Die Grünen sprechen sogar von absichtlicher Täuschung. Schon im April dieses Jahres, als bekannt wurde, dass ein solches Siegel geplant ist, äußerte sich u.a. der BTE kritisch dazu.

Vor allem sei es schwierig, die gesamte Lieferkette vollständig zu kontrollieren. So der Hauptkritikpunkt. Auch die Opposition, in Form der Grünen, wollen handfestere Fakten und bezeichnen Müllers Pläne als „PR-Manöver“. Die schwammige Antwort auf deren Anfrage beim CSU-Politiker zu wesentlichen Eckdaten lässt vermuten, dass das Siegel es eventuell gar nicht geben wird. Auf die Frage nach einem Zeitplan, äußerte sich Müller eher zurückhaltend und sagte, dass im Laufe des Sommers  ein Aktionsplan entwickelt werden würde. „Minister Müller kommt nicht vom Fleck. Er weiß noch immer nicht, wie das Siegel ausgestaltet  und  umgesetzt werden soll. Von der ursprünglichen Ankündigung, das Siegel noch in diesem Jahr auszuarbeiten, ist keine Rede mehr.“, erklären die Grünen in einer Pressemitteilung.

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