Modehandel: Weniger ist nicht unbedingt mehr
Seit der Jahrtausendwende hat die Diversität im Modehandel deutlich abgenommen. Während es immer weniger Boutiquen gibt, behaupten sich große Mittelständler neben internationalen Filialisten, die weiter Marktanteile gewinnen.
Gut aufgestellte Modehändler können sich auf neben großen Ketten behaupten
Seit dem Jahr 2000 hat die Konzentration im Modehandel merklich zugenommen, das teilte der Branchenverband BTE mit. Während der Marktanteil von Unternehmen mit einem jährlichen Nettoumsatz von weniger als 5 Mio. Euro laut Umsatzsteuerstatistik von 2000 bis 2010 um mehr als zehn Prozentpunkte auf rund 28 Prozent fiel, stieg der Anteil der Großunternehmen mit Umsätzen über 100 Mio. Euro um fast 12 Prozentpunkte auf 48 Prozent. Die Unternehmen in den „mittleren“ Umsatzklassen konnten ihren Marktanteil in den vergangenen Jahren halbwegs halten.
Der Rückgang der kleineren Geschäfte ist nach Ansicht des BTE hauptsächlich auf Geschäftsschließungen zurückzuführen, denn die Zahl der Unternehmen mit weniger als 5 Mio. Euro sank um ein Drittel: Von 34.823 Unternehmen im Jahr 2000 waren zehn Jahre später nur noch 22.891 vorhanden. Die Dickschiffe der Branche konnten sich hingegen gut behaupten: Die Umsatzsteuerstatistik wies im Jahr 2000 27 Unternehmen mit mehr als 100 Mio. Euro Jahresumsatz aus, während es 2010 immer noch 26 Unternehmen waren. Auch im oberen Drittel (25 bis 100 Mio. Euro) sank die Zahl lediglich von 70 auf 68. Auffällig ist allerdings, dass die Umsätze trotz weniger Playern am Markt deutlich gestiegen sind. Die Zahl der Mittelständler, die primär im Rahmen von 5 bis 25 Mio. Euro angesiedelt sind, konnte sich in der Zeit von 2006 bis 2010 sogar von 311 auf 328 verbessern.
Die Großen verdrängen die Kleinen: Der Modehandel wird immer stärker dominiert von großen Konzernen und großen Mittelständlern
Insgesamt stieg der vom BTE untersuchte Gesamtumsatz lauf Umsatzsteuerstatistik von 2004 bis 2010 von 24,6 Mrd. Euro auf 25,527 Mrd. Euro. Den höchsten Umsatz erreichten die Unternehmen allerdings im Jahr 2000. Da lag der Gesamtwert bei 27,369 Mrd. Euro.
Man mag diese Entwicklung enttäuschend finden, aber letztlich tragen sowohl Kunden, Händler und Hersteller hieran eine “Mitschuld”. Viele Kunden setzen auf Masse statt Klasse, Händler gehen auf Nummer sicher und ordern eher Basics statt Mode, was schnell agierenden Ketten wie H&M oder Zara in die Hände spielt. Etwas Entschleunigung und Wertigkeit würde sicher auf allen Seiten gut tun. Auch im Sinne einer vielseitigen Einkaufswelt.
Foto: Ludwig Beck





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