Die Karstadt-Rettung ist keineswegs nach der Übernahme durch Nicolas Berggruen in trockenen Tüchern. Jetzt appelliert der Milliardär an die Bundesregierung, sich für ihn stark zu machen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass er Karstadt für den Schnäppchenpreis von 1 Euro gekauft haben soll.

Karstadt: wie ein DDR-Kombinat für 1 € verramscht. Bleibt zu hoffen, dass es Berggruen richtig ernst meint. Denn auf ihn kommen noch einige Verpflichtungen zu.

Nicolas Berggruen verhandelt seit seinem Einstieg bei Karstadt Anfang Juni mit dem Vermieter-Konsortium Highstreet, dem mehr als drei Viertel aller Karstadt-Immobilien gehören.

Er verlangt niedrigere Mieten und das Highstreet-Konsortium, hinter dem die Investmentbank Goldman Sachs steht, stellt sich quer und hofft insgeheim vielleicht darauf, selbst die angeschlagene Warenhauskette übernehmen zu können. Das Konsortium hatte sich selbst als Investor gemeldet, allerdings wären dann härtere soziale Einschnitte auf die Beschäftigten zugekommen. Daher wurde im Gläubigerausschuss lieber der soziale Berggruen gewählt. Jetzt appelliert Berggruen in einem Interview beim Handelsblatt an die Bundesregierung doch eine Vermittlerrolle einzunehmen und etwas Druck aufzubauen. „Die Bundesregierung müsse ein Interesse haben, Karstadt zu retten. Immerhin stünden 25.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, so Berggruen.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle ließ über seine Sprecherin verkünden, dass er sich nicht in einer aktiven Vermittlerrolle sehe – die Sache soll erst mal zwischen den beiden Parteien geklärt werden und erst dann an die Politik herangetragen werden.

Highstreet selbst äußert sich nicht zu den Vorwürfen, sich in den Verhandlungen über die Mietpreise querzustellen. Branchenkenner hatten schon bei der Bekanntgabe von Berggruens Übernahme spekuliert, dass sich der Verhandlungspoker zwischen den beiden Bieterkonkurrenten hinziehen könne. Die Zeit wird allerdings langsam knapp: am 16. Juli 2010 muss das Essener Amtsgericht über den Insolvenzplan von Klaus Hubert Görg und Berggruen entscheiden. Der Termin war bereits einmal verschoben worden, ein weiterer Aufschub erscheint derzeit ziemlich wahrscheinlich.

Karstadt für 1 Euro

Weiterhin machte die Bild am Sonntag aufmerksamkeitsheischend ihre Leser darauf aufmerksam, dass Berggruen die Warenhauskette für nur 1 Euro gekauft hätte. Man könnte meinen, ein Schnäppchen – allerdings ist es so einfach nicht, denn an dem Kaufpreis hängen aufwendige Verpflichtungen, etwa Zahlung von 5 Mio. Euro für die Namensrechte an der „Kultmarke“, wie Berggruen Karstadt so gerne nennt. Außerdem soll Karstadt eine Kapitalspritze von weiteren 65 Mio. Euro für die Neuausrichtung erhalten. Darüber hinaus, verpflichtet sich der Käufer das Unternehmen mit allen möglichen Mitteln fit zu machen und die Arbeitsplätze zu erhalten.