Im Rennen um die Warenhauskette der insolventen Arcandor-Gruppe kommt jetzt nach Triton und Berggruen ein dritter Bieter ins Spiel. Das Karstadt-Vermieterkonsortium Highstreet hat ein Angebot abgegeben.

Karstadt Steps Up Bid For State Aid

Karstadt wird mittlerweile von drei Bietern umgarnt

Kurz vor Knapp gibt auch das Warenhaus-Vermieterkonsortium Highstreet ein Angebot ab, das gab ein Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg am Freitagmorgen bekannt.

Dem Highstreet-Konsortium, hinter der die Investmentbank Goldman Sachs steht, gehören 86 der 120 Karstadt-Häuser. In der Branche wurde schon lange mit einer Offerte des Vermieter-Konsortiums, das gleichzeitig der größte Gläubiger ist, gerechnet. Das Konsortium zumindest in Gewerkschaftskreisen als präferierter neuer Eigentümer, da unter einer Highstreet-Führung mit keinen Entlassungen zu rechnen sei. Zwar sollen die Wochenstunden von 37,5 auf 39,5 Stunden ohne Lohnausgleich erhöht werden, aber im Gegensatz zu den Spar- und Verkaufsplänen von Triton wirken sich diese Pläne eher harmlos aus. Die FTD berichtet, dass es Branchenkreisen zufolge bereits Geheimverhandlungen mit der der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di gegeben habe, bei der man sich über die Details der Übernahme einigte.

Triton, der als erster Bieter sein Angebot abgab, fordert von den Mitarbeitern langfristige Lohnzugeständnisse mit Gehaltseinbußen von rund 8% und einen Verzicht auf das Weihnachts- und Urlaubsgeld. Im Gegenzug dafür verspricht der skandinavische Investor umsatzabhängige Prämien und Investitionen von über 400 Mio. Euro über die nächsten fünf Jahre. Ver.di schmeckten diese Pläne gar nicht und die Verhandlungen mit Triton liefen entsprechend verkühlt weiter.

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Max Azria: Kompetenz in Mode und Handel

Der zweite Bieter – der Berliner Privatinvestor und Immobilienbesitzer Nicolas Berggruen -, der am vergangenen Freitag sein Angebot abgab, spielt den Retter für eine „deutsche Marke mit Kultstatus“. Viel Erfahrung mit Handel oder ausreichend Kapital hat Berggruen alleine nicht, daher holte er sich die Handelsgruppe BCBG Max Azria als strategischen Partner. In ihren Plänen soll Karstadt quasi wiederbelebt werden ohne Arbeitsplatzabbau, aber mit Zugeständnissen von den Vermietern. Die BCBG Gruppe ist auf Einzelhandel spezialisiert, weltweit führt das Unternehmen rund 500 Produktionsbetriebe und 1200 Läden. Außerdem ist das Unternehmen auf Textilien spezialisiert: die Label Max Azria und Herve Leger gehören mit zur Gruppe und könnten über Karstadt einen leichten Marktzugang nach Deutschland bekommen.

Am Freitagvormittag kann der Gläubigerausschuss über die Offerten der drei Bieter beraten. Da Highstreet als Hauptgläubiger mit in diesem Konsortium sitzt und die anderen Bieter Zugeständnisse von den Vermietern fordern, ist fraglich, ob Triton und Berggruen echt Chancen haben. Ob bereits am Freitag ein verbindliches „Ja“ für eines der drei Angebote fallen wird, bleibt offen. Für eine Annahme müssten die Gebote gründlich von dem elfköpfigen Gremium geprüft werden, ob das innerhalb eines Tages geht, ist eher unwahrscheinlich.