Millionengrab? Der Essener Handelskonzern hat im Bundesanzeiger seine Geschäftszahlen für die Warenhaus- und Premiumsparte veröffentlicht. Beide Bereiche sind fern davon, profitabel zu laufen. Bei den Warenhäusern wurde der Verlust sogar mehr als versiebenfacht.

Karstadt: Mit tiefroten Zahlen nah am Abgrund

Ob die neue Vorstandsvorsitzende Eva-Lotta Sjöstedt einen Ausweg aus der aktuellen Misere findet? Laut der jüngst im Bundesanzeiger veröffentlichten Geschäftsberichte für das Geschäftsjahr 2011/12 (Stichtag: 30. September) der Karstadt Warenhaus GmbH und der Karstadt Premium GmbH sieht es alles andere als rosig für den Traditionskonzern aus.

Dramatischer Fehlbetrag bei den Warenhäusern

Der Einzelhandelsumsatz der 84 verbliebenen Warenhäuser belief sich auf 2,55 Mrd. Euro. Hinzu kamen noch einmal Großhandelsumsätze an die seit dem 1. Oktober 2011 unabhängig betriebenen 27 Sporthäuser und die Premium-Häuser in Höhe von 357 Mio. Euro. Bereinigt um diesen Effekt ergibt sich ein Umsatzrückgang von 3,2%, der hauptsächlich mit dem Rückzug aus dem Multimedia-Geschäft begründet wird. Im Bereich Fashion gab es einen Rückgang von 0,6%. Weitaus dramatischer ist allerdings der Rückgang der Rohertragsmarge von 45,1 auf 43% und der Verdoppelung des Ergebnisses der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von -16 Mio. auf -30 Mio. Euro. Der zum damaligen Zeitpunkt in Angriff genommene Stellenabbau führte zu außerordentlichen Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe, so dass sich der Jahresfehlbetrag von knapp 21 auf 158 Mio. Euro mehr als versiebenfachte.

Rote Zahlen auch bei der Premium-Sparte

Nicht deutlich besser stellt sich die Situation der Premium-Häuser da. KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger konnten ihren Umsatz mit 342,7 Mio. Euro fast auf Vorjahresniveau (344,3 Mio. Euro) halten. Der Fashion-Anteil daran lag bei 57%. Jedoch lag die Rohertragsmarge bei lediglich 40,7% und damit noch unter der der Warenhäuser. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit verschlechterte sich deutlich von -0,047 Mio. auf -1,2 Mio. Euro. Obendrauf kamen auch hier noch einmal außergewöhnliche Belastungen im Rahmen des Stellenabbaus in Höhe von 6,4 Mio. Euro, so dass letztlich mit einem Fehlbetrag von 7,6 Mio. Euro abgeschlossen werden musste. Dieser Betrag ist nicht durch das Eigenkapital gedeckt, so dass die Karstadt Holding im Januar 2013 mit einer Kapitaleinlage in Höhe von 10 Mio. Euro einsprang. Laut Unternehmensplanung werden in den nächsten Geschäftsjahren wieder „positive Ergebnisse“ erwartet. Ob das allerdings auch so eintritt, ist fraglich, denn das Geschäftsjahr 2012/13 dürfte wegen des sehr zurückhaltenden Weihnachtsgeschäfts 2012 nicht unbedingt besser verlaufen sein. Zahlen dazu hat Karstadt allerdings noch nicht bekannt gegeben.

Höchste Zeit also für Sjöstedt den Warenhauskonzern zurück in die Profitabilität zu bringen. Wie sie gegenüber dem Handelsblatt erklärte, wählt sie dabei nicht die Kahlschlag-Methode. Zunächst sollen zumeist ältere Stammkunden zurückgewonnen werden, die Sortimente stärker an die lokalen Gegebenheiten angepasst und Kosten „bei vielen kleinen und bei großen Dingen“ eingespart werden. Erst wenn diese Maßnahmen nicht greifen, müssten Schließungen befürchtet werden.