Es könnte eng werden… Die beiden großen Sport-Einkaufsverbände warnen vor Lieferengpässen und Preiserhöhungen. Nachdem in 2010 die Umsätze durch Großereignisse befeuert wurden, wird in 2011 das Wachstum eher gering ausfallen.

Skibekleidung war in 2010 einer der Umsatztreiber

Die Sportartikelbranche ist wie elektrisiert: 2010 war für die Hersteller und Händler ein Superjahr und das wird auf der derzeit stattfindenden Sportmesse ispo ordentlich gefeiert. Intersport-Vorstand Klaus Jost (50) sprach zum Auftakt der Branchenmesse von einem Gesamtumsatzplus von 7% auf 7,86 Mrd. Euro in 2010. Im Kernmarkt Deutschland legte Intersport sogar überdurchschnittlich mit 11% auf 2,91 Mrd. Euro zu. Auch der Branchenzweite, Sport 2000, nannte positive Umsatzzahlen: 825 Mitglieder (inkl. der ANWR-Schuhhändler) haben den Einzelhandelsumsatz auf 10,3% auf 1,53 Mrd. Euro gesteigert. Der Zentralregulierungsumsatz stieg um 7,4% auf 601 Mio. Euro. Befeuert wurden die Zuwächse durch Sportgroßereignisse wie u.a. die Fußball-WM in Südafrika, herrlichstes Winterwetter und einem starken Trend zu Outdoor-Aktivitäten. Dadurch sind Hersteller von Wintersportartikeln auf der Liste der Top-Hersteller weiter nach oben gerutscht und der Outdoor-Trend hat dazu geführt, dass die Marke Jack Wolfskin zu einem der wichtigsten Umsatzträger geworden ist und sogar Puma abgehängt hat. Bei Intersport ist die Marke mit der Bärentatze nach Adidas sogar der zweitgrößte Umsatzträger.

Im Ganzen geht die Branche davon aus, dass der Boom im Sportartikelsegment noch nicht zu Ende ist: „Gesundheit und Fitness bekommen fast schon Religionscharakter“, analysiert Sport-2000-Chef Andreas Rudolf die Situation. So rechnet Sport 2000 auch in 2011 mit einem Umsatzplus von „3 Prozent + X“ und Intersport mit einem eher stagnierendem Wachstum.

Klaus Jost (Intersport) und Andreas Rudolf (Sport 2000)

Klaus Jost (Intersport) und Andreas Rudolf (Sport 2000)

Allerdings plagen die Branche die Sorgen um Lieferengpässe und steigende Baumwollpreise. Die ersten Anzeichen für die schlechter werdende Verfügbarkeit habe sich schon im Dezember gezeigt, als kaum noch Skihosen gab. Grund für die Lieferengpässe sind neben der steigenden Binnennachfrage in China, der Nr. 1 der Produktionsländer, auch die sinkende Zahl der Arbeiter in den chinesischen Sportartikelwerken an der Küste sowie steigende Frachtkosten. Dies würde Bei Intersport zu Preissteigerungen von „null bis zehn Prozent“ und bei Sport 2000 zu Preisanstiegen von rund 6% führen. Allerdings sieht Intersport-Chef Jost die großen Einkaufsverbände im Vorteil, da sich die „Größeren besser durchsetzen“ können. Insofern sollten sich die Händler ihren Vororderanteil erhöhen und sich auf weniger Hersteller konzentrieren. Außerdem setzen die Verbände auf Alternativen, die nicht „made in China“ sind, allerdings sei eine Verlegung in osteuropäische Niedriglohnländer erst in einigen Jahren realistisch.

Foto: ispo 2011