Lieber spät als nie kommt das fabeau-Review zu DER Modewoche, schließlich gab es eine Menge zu sehen auf der Paris Fashion Week. Insgesamt zeigen sich Veranstalter und Designer erleichtert, dass die bleierne Schwere der Wirtschaftskrise nicht mehr zu spüren ist und glänzten mit farbenfrohen, sexy Entwürfen.

Paris Fashion Week setzt Trends: Es wird wieder farbenfroher im nächsten Jahr

Die Pariser Fashion Week, die eigentlich länger ist als eine Woche dauert und diesen Herbst vom 28. September bsi 6. Oktober stattfand, wartete in diesem Jahr mit einem überaus vollen Programm auf. Über 100 Schauen in diversen mehr oder weniger ausgefallenen Locations und jede Menge Premieren, etwa dem Debut von Sarah Burton als Nachfolgerin von Alexander McQueen und die Rückkehr von Pierre Cardin auf die Catwalks. Neben den Schauen sorgten zahlreiche Events in der französischen Hauptstadt dafür, dass beim modeinteressierten Publikum keine Langeweile aufkam: H&M eröffnete am 4. Oktober nach langem Gezeter endlich auf der Champs Elysées und Roberto Cavalli inszenierte sein 40-jähriges Firmenjubiläum.

Paris –die Hauptstadt des Stils und der Kreativität konnte sich in diesen Tagen wieder in voller Pracht zeigen und bewundern lassen. Die Mode-Metropole machte sich wieder einen Namen als Trend-Mekka, in der Brands ihre modische  DNA wieder auffrischten. Und alle Modehäuser jubelten, dass die Krise endlich vorbei sei. Didier Grumbach, Präsident der Fédération Française de la Couture, die die Modewochen organisieren, erklärte, dass „insbesondere die großen Kaufhäuser einen enormen Aufschwung mit Luxus erleben“.

Die Mode steht wieder im Mittelpunkt, Bescheidenheit ist abgemeldet. Schließlich ist eine gute Modeschau doch billiger, aber effektvoller als eine Werbekampagne, wie die Frau des Designers Frank Tartière weiß.

Und so stimmt Paris auf eine farbenfrohe Frühjahr/Sommer 2011 Saison ein:

Jean Paul Gaultier schickte (ziemlich PR-wirksam) die gut proportionierte Gossip-Frontfrau Beth Dito über den Laufsteg, die die dünnen Models ganz schön hungrig aussehen ließ. Seine Frühjahrsentwürfe kommen ähnlich wie die Musik ganz rockig daher. Neben  Leder und Denim wurde auch Seide, Spitze und Netzoptik von den Perücke tragenden Models präsentiert, die an Nena in ihren wildesten (Frisuren)zeiten erinnerten.

Alexander McQueen: Das britische Avantgarde Label stellte dieses Jahr die Mode der neuen Chefdesignerin Sarah Burton unter dem Titel „Earth Mother“ vor. Diese präsentierte einen zarten Hippie-Look in vielen Braun-, Beige- und Weißtönen, bei dem plüschige Federn auf schwere Taillengürtel trafen. Besonders stachen die aufwendig, fast kunstvoll geflochtenen Frisuren der Models hervor.

Hermès: Manege frei!  Bei Hermes wurde in diesem Jahr der Abschied von Gaultier mit einem Wild-West Spektakel gefeiert. Jean Paul  ließ hinter dem Catwalk eine eigene Dressurshow präsentieren. Hosenanzüge, Overalls, Coursagen, Capes und weite Röcke in warmen Erdtönen und weichem Leder dominierten den Laufsteg. Sombrero-Hüte und Peitschen als Accessoires komplettierten den Look.

Auch Dicke können Gaultier tragen

Sarah Burton wurde bei McQueen gefeiert

Manage frei: Gaultiers Abschied für Hermès

Platzhirsch Louis Vuitton ließ Marc Jacobs theatralisch auftreten. Samtige Vorhänge und Löwenstaturen ließen den Catwalk ganz märchenhaft erscheinen. Ganz viel Strick und Seide gab es in Türkis, Gold und Lila zu sehen. Asiatische Blumenmuster und bunte Animalprints vervollständigten den Look, zu dem eine Art-Deco-Handtasche in Knallfarben getragen wird.

Vivienne Westwood mixte in ihrer Kollektion Country-Style mit City-Chic – teilweise tragbar und knielang, teilweise beängstigend kreativ. Muster wie Karos und Streifen wechselten sich zügellos ab und blieben aber dem erdhaften Farbschema verhaftet, in braun, graublau und beige.

Chanel: Karl Lagerfeld ließ seine Models in metallisch-farbenden Kleidern durch einen Irrgarten aus Kieselsteinen laufen. Klassische Schnitte bei Abendkleidern und Kostümen wurden mit rebellischen Flicken-Applikationen aus Chiffon oder kreativen Applikationen aufgelockert.

Knallfarben und Clutches bei Louis Vuitton

Erdfarben bei Vivienne Westwood

Wie immer klassisch-elegant: Chanel

Stella McCartney: Da haben wir den (Frucht)Salat: Wer auf Zitrusfrüchte steht wird die neue Sommerkollektion von Stella McCartney lieben. Ein Vorgeschmack für den Sommer bestand aus eben diesen Früchtekleidern, aber auch klassischen Stücken wie Seidenkleider und Hosenanzügen in Himmelblau, Minze und Cremetönen.

Christian Dior:  John Galliano gibt für Dior den Seeräuber: Modisch setzte er dabei auf Matrosengarderobe und Kreuzfahrtfeeling. Lässige Hosen, gestreifte Tops und Minikleidchen ließen sich Dunkelblau, Beige und Weiß finden. Die auserwählte Muse Gallianos war in diesem Jahr die französische Schauspielerin Maria Lani.

Yves Saint Laurent: Stefano Pilati griff wie immer auf klassische Elemente aus dem Repertoire des Modehauses zurück. Trenchcoat, Smoking und Schleifenbluse ließen sich auch dieses Mal wiederfinden. Pilati verlieh dafür dem Jumpsuit einen tiefen Rückenausschnitt und enge Röcke verführten mit sexy Seitenschlitz.

So ein Früchtchen: Stella McCartney

Christian Dior sagt Schiff Ahoi

Wie immer, nur in sexy: Yves Saint Lauren

Valentino: Maria Grazia Chiuri und Pier Paolo Piccioli beglückten das Publikum mit Rüschenelementen, Seidenvariationen und Nietenknöpfen. Hochgeschlossene Chiffonkleider in Weiß, Schwarz und Nude ließen den Herrn Valentino hinter der Bühne am Abschluss der Präsentation „Bravo“ hervorrufen. Offensichtlich kann damit die „Verjüngung“ des Labels beginnen.

Balmain, der verkappte Punk, ließ es rockig angehen. Bikerjacken, silber oder rot glänzende Röhrenjeans, Jeans- und Lederminis- und bustiers erinnerten an die modisch-guten Tage der 80er Jahre.

Das Label Chloé wurde von Nachwuchstalent Hannah MacGibbon reduziert wieder erfunden. Feminie Kurven wurden durch gerade schlichte Schnitte betont oder von fließendem Chiffon umspielt – entweder in Ariel Weißer-als-Weiß, minimalistischem Schwarz oder warmen Beige.

Valentino: elegante Verjüngung

Back to the 80ties: Punker Balmain

Klinisch-reine Elfen bei Chloé