Pariser Modewoche: High-Fashion für Großstadt-Amazonen und Edel-Punks
Für toughe Frauen! Mit der Paris Fashion Week in der französischen Hauptstadt finden die internationalen Pret-a-porter-Wochen ihren krönenden Abschluss. Traditionshäuser wie Dior, Saint Laurent oder Louis Vuitton weisen den Weg in die modische Zukunft und die scheint eher hochgeschlossen, düster, rockig, aber nicht minder glamourös zu sein.
Rick Owens schickte Power-Amazonen statt dürrer Models auf die Bühne
Von 24. September bis 2. Oktober fand der eng getaktete Schauen-Marathon der Big-Four in Paris seinen Abschluss. Neun Tage feierte sich die Szene hier erneut selbst – vor spektakulären Kulissen, allerlei Celebrities und mehr oder weniger ausgefallenen Kollektionen. Knapp 100 Schauen oder Präsentationen zählte der offizielle Schedule der Fédération Française de la Couture. Neben dem Abschied von Marc Jacobs bei Louis Vuitton dürfte die Show von Rick Owens gesorgt haben, der keine Models sondern recht gut gepolsterte schwarze Tänzerinnen mit wilder Mähne auf den Laufsteg tanzen ließ. Hier ein kleiner Blick auf die anderen großen und schönen Prêt-à-porter-Kollektionen aus der Stadt der Liebe und Mode.
Balenciaga
Alexander Wang, seit fast einem Jahr Designchef bei Balenciaga, brachte eine sehr geradlinige und kaum verspielte Kollektion auf den Laufsteg. Durch weite Ärmel mit Polstern oder schulterfreie Kleider wurde der Fokus auf die Schultern gelenkt. Rundlich abfallende trapezförmige Röcke wurden zu Bikerjacken und Blazern, teils mit durchsichtigen Ärmeln, kombiniert. Dekolleté? -Weit gefehlt! Bis auf einige schulterfreie Kleider waren die Outfits ausschließlich hoch geschlossen, wobei es wegen der kurzen Röcke, Shorts und bauchfreien Looks dennoch nicht prüde wirkte. Häufig kamen Schößchen zum Einsatz, hier eher dezent an Oberteilen oder auch auffällig und voluminös am Bund weiter Hosen. Seltener tauchten Blumenmuster auf, dann . Farblich war die Kollektion eher zurückhaltend: Cremetöne und Schiefergrau sowie schlichtes Weiß und Schwarz dominierten. Hier und da wurden Blumenmuster eingesetzt, entweder als breit angelegter heller Allover-Print auf schwarzen Stoffen (oder umgekehrt) oder als zarte Ornamente.
Balenciaga
Balenciaga
Balenciaga
Carven
Wahrlich mustergültig verhielt sich die französische Haute-Couture-Marke Carven, das Vermächtnis von Carmen Tomasso. Unter der kreativen Führung von Guillaume Henry defilierten Blumen-, Camouflage- und Karomuster über den Laufsteg. Auf überlangen und leicht zu breitem Mantel, auf Kleidern, Deminjackets, Shorts, Röcken oder als aufgesticktes Detail – nirgends wurde mit Mustern gegeizt. Kontrastiert wurden die unruhigen Muster von unifarbenen Styles mit Ornamenten. Schwarz wurde mit pastellenem Grün, Hellblau, Rosa und Lila oder kräftigem Pink, Gelb und Dunkelblau gemixt. Schwarz. Die Silhouette zeigte sich sehr abwechslungsreich durch Kombinationsspiele aus langen und kurzen Teilen, beispielsweise als bauchfreies Oberteil zu kurzen Shorts mit langem, halboffenem Rock darüber. Ein Kleid aus hellblau-weiß-kariertem Rock in A-Linie mit transparenter schwarzer Bluse erinnerte stark an traditionelle bayerische Tracht.
Carven
Carven
Carven
Lanvin
Glanz oder gar nicht schien das Motto der neuen Lanvin-Kollektion für den Frühling zu sein: bei Alber Ebaz glänzte und glitzerte nahezu jedes Teil. Dazu gehörten Stoffe aus Gold, Silber und Platin ebenso wie schimmerndes Weinrot, Pink, Schwarz und Dunkelgrün. Fast jeder Look glänzte vor sich hin, ob in Details oder komplett. Muster gab es weniger, realisiert beispielsweise einem langen, mondänen goldenen Mantel mit Leomuster oder einem wallenden Blumenkleid mit transparenten Details. Nicht nur goldene Glitzerblazer mit schwarzem Revers erinnerten also deutlich an die Glamour-Disko-Zeit der 70er Jahre. Die Stoffe reichten von hauptsächlich Lamé und Lurex über einzelne Lederteile bis hin zu edlem Brokat. Vereinte der Glanz alle Looks, so konnten die Schnitte unterschiedlicher nicht sein: Cocktailkeider und Zweiteiler mit 50ies Appeal, taillenbetonte Tulpenröcke, weit geschnittene Overalls, überlange Blazer, Midi-Röcke mit Schößchen, Sommermäntel, schwingende Kleider, Boucléjacken – der Variantenreichtum kannte keine Grenzen, wurde aber durch das dunkle Glanzthema unter einem Dach zusammengehalten, was in einer sehr luxuriösen und abwechslungsreichen Kollektion mündete.
Lanvin
Lanvin
Lanvin
Dior
Bunt und teilweise futuristisch präsentierte sich das französische Luxushaus Dior. In biotopartiger, fast psychedelischer Atmosphäre im Garten des Musée Rodin, zeigte Raf Simons detailverliebte, farbenfrohe und sommerliche Looks. Pastellfarben in all ihren Ausprägungen trafen auf kräftiges Schwarz und Elemente in satten Tönen wie Königsblau, Rost und Gelb. Die Models defilierten in bunten Kombinationen aus unifarbenen Teilen aus Seide und Chiffon, kontrastiert durch feste glänzende Stoffe, Wolle und Strick. Auffällig waren vor allem die Accessoires: schwere kurze Statement-Ketten schmiegten sich teils halboffen um die Hälse, passende Armbänder baumelten an den Handgelenken. Aufgesetzte Patches und Wappen auf der Brust oder sogar auf Taschen trafen auf auffällige Drapierungen und Stoffwicklungen und wurden mit glänzenden und gefährlich spitzen Pumps kombiniert. Ungewöhnlich auch die knallbunten Kleider und Röcke im Graffiti-Style, auf denen Statements zur Kunstszene gegeben wurden, etwa durch Fragmente wie „Hyperrealism“ oder „Primrose Path“. Trotz dieser Unruhe wiesen die Looks eine auffällige Symmetrie auf. Nur in einzelnen Fällen fanden sich fächerartige Kleider mit in sich gedrehten Drapierungen, die eine Schulter frei ließen, oder Zipfelröcke, die auf einer Seite länger waren. Taillierte Kostüme und Kleider und Röcke in Tulpenform verliehen den Models die von Dior bekannte klassische Sanduhr-Silhouette. Dramatisch wurde es am Ende mit den luxuriösen schwarzen Kleidern in blütenartiger Ballonform, die mit Überlappungen und extra Stoffbahnen in unterschiedlichen Mustern umspielt wurden.
Dior
Dior
Dior
Acne Studio
Schiff Ahoi! Im Grand Palais zeigte Jonny Johansson, Mitbegründer und Designer von Acne, eine von der Seefahrt inspirierte Kollektion. So wurde die Farbpalette von gedecktem Weiß, dunklem Blau und Schwarz dominiert, durchsetzt mit einigen gemusterten Teile in Camouflage-Optik. Ärmellose Blazer in Matrosen-Optik, dicke Goldene Köpfe und Fischermützen sorgten für maritimes Flair. Grobmaschige wollweiße Pullis und Tops mit weiß-blauen oder weiß-roten Blockstreifen durften natürlich auch nicht fehlen. Der Nautik-Look gipfelte in einem mit Ankern bedruckten Rock und Anzug am Ende der Show. Die Teile waren dabei ausnahmslos weit geschnitten und wurden durch Gürtel an der Hüfte in weibliche Formen gebracht. Offene Hemden, weite Blazer oder Hemdkleider, Pullis mit zu langen Ärmeln und weite Shorts aus dickem Denim erteilten dem Skinny-Look eine Absage. Lamellenförmige Cut-Outs an Hosen und Kleidern, viel nacktes Bein sowie bauchfreie Styles brachten dennoch eine Note der Weiblichkeit in die casuale Kollektion.
Acne
Acne
Acne
Céline
Céline steht seit jeher für klare Linien, edle Materialien wie Kaschmir und Leder, gebündelt durch elegant-schlichtes Understatement. Phoebe Philo legte in dieser Saison ihren Fokus auf Material-Mix, gemixt mit einer besonderen künstlerischen, fast expressionistischen Note: Prints, die dicken Pinselstrichen ähnelten, fegten über kräftig colorierte überlange Tops, die zu zarten Plisseeröcken in völlig anderem Muster kombiniert wurden. Bunt gemusterte Kimono-Mäntel wurden mit Gürteln in der Taille gebunden und Netzröcke zu karierten Plateau-Slippers getragen. Leitmotivartig fanden sich die genannten Plisseeröcke wieder, kombiniert zu bunten Shirts, Blusen oder Blazern, zu schwerem, dickem Leder oder langem Strick. Mit Metall eingefasste Cut-Outs und Ösen erlaubten Blicke auf die Schultern oder gaben, am Saum platziert, schlichten Mänteln eine künstlerische Note. Durch die stets weiten Schnitte wirkte die Silhouette geometrisch bis glockenförmig. Geometrie spiegelte sich auch in den Accessoires wieder: asymmetrische Taschen zierten geometrische Henkel, dicke Vierecke wurden als Armreifen getragen und Kugeln, Trapezfiguren oder Halbkreise dienten als Absätze. Die Farbpalette enthielt zwar kräftige Töne, jedoch dominierte Schwarz tatsächlich in jedem Look eine Rolle.
Céline
Céline
Céline
Chloé
Bei Chloé dürfen in der kommenden Saison die Korksandalen mit Keilabsatz, der teilweise erst in der Mitte des Fußes anfing, fehlen. Dazu sorgten raffiniert drapierte, leichte Plisseeoberteile und schwingende Kleider in hellen Töne für Frühlingsstimmung. Die Farben waren gedeckt und erinnerten an eine tropische Safari, dominiert von Oliv, Sand, Creme und Weiß. Kräftig wurde es nur bei blauen gemusterten Teilen, ob als Kleid oder Oberteil, oder bei blauen gehäkelten Netzkleidern. Für Sommerfeeling sorgen Tunikas, Blusen, Bermudas, Midi-Röcke und Kimonos aus fließenden luxuriösen Materialien. Ins Auge stachen auch die vielen stark variierenden und detailreichen Handtaschen mit Goldelementen, ob zusammengefaltet in der Hand getragen oder quer umgehängt und klein als Beutel oder Schnallentasche.
Chloé
Chloé
Chloé
Stella McCartney
Wie edel Kollektionen ohne Pelz und Leder sein können, zeigte die „vegane“ Kollektion von Stella McCartney. Matte Stoffe wurden in abwechslungsreiche Silhouetten, von betonter Taille bis hin zu auffällig weiten, kastigen Formen, verarbeitet. Die Schnitte waren straight und hochgeschlossen, niemals verspielt. Aufgrund der strengen Schnitte wirkten selbst metallisch glänzende zweifarbiger Allover-Prints auf Kimono-Mänteln, Sanduhrröcken, Bustiertops sophisticated. Einfarbige kastige Jacken und Blazer, am Schritt weit geschnittene Hosen mit Schößchen und lange Einteiler ohne Verzierung oder Schmuck sorgten für Understatement, Krokomuster mit Goldelementen sorgte für sehr edle Looks. Einen zweiten Blick musste man auf die Säume von Hosen und Röcken werfen, die wie auf Oberschenkelhöhe mehr oder weniger zusammengesetzt aussahen. Ein überraschend verspieltes Finish gab es dann am Ende, durch filigrane Kleider mit Spaghettiträgern und teilweise durchsichtigen Spitzenelmenten, die fast wie Negligées wirkten. Die Farbpalette eher dunkel gedeckt, mit Looks in Dunkelblau, Schwarz, Rostrot, aber auch in Weiß, Creme und teils sogar in Gold.
Stella McCartney
Stella McCartney
Stella McCartney
Saint Laurent
Kreativvorstand Hedi Slimane, seit über einem Jahr bei Saint Laurent, wagte eine modern-rockige Hommage an den Gründer des Hauses. Schwarze Miniröcke, asymmetrische hautenge Lederkleider mit Zipfeln, bauchnabeltief ausgeschnittene Pailettenkleider wechselten sich mit fast androgynen Businesslooks. Immer wieder tauchten Interpretationen des Hosenanzuges auf, ob ganz in Leder, kombiniert mit durchsichtiger Bluse, ob in Schwarz mit dünner Krawatte oder gar Fliege oder als Hahnentritt-Blazer zur hautengen Lederröhre. Ultraminis mit Blazer, Lederjacken mit Volants oder bauschige Rüschen in jeder erdenklichen Form boten Abwechslung und sorgten für Weiblichkeit. Ein asymmetrisches Top mit aufgedruckten Flammen, ein Leo-Minirock oder ein rotes, glänzendes Kleid mit Zebramuster und Schleife in der Taille wirkten dagegen schon frech. Kussmund-Prints, schräge Sterne und Oneshoulder-Schnitte taten ihr Übriges zum aufgeregten 80ies-Punk-Look. Passend dazu das Make-up der Models mit tiefschwarzem Eyeliner und schwarze Leder- oder Glitzerbooties, abgewechselt mit Rüschensöckchen in schwarzen Riemchensandalen.
Saint Laurent
Saint Laurent
Saint Laurent
Alexander McQueen
Sarah Burton, Chefdesignerin von Alexander McQueen, wurde offensichtlich durch römische Gladiatoren und Ethno-Folklore zu ihrer neuen Kollektion inspiriert. Ausnahmslos trugen die Models glänzende Helme auf dem Kopf und lederne Gladiatorensandalen mit Plateau und Animalprint an den Füßen. Auch der breite matte Armschmuck oder dicke Lederriemen über den Tops fügten sich in dieses Motto. Es dominierte vor allem kräftiges Rot, gemischt mit Schwarz und oder Weiß. Weite schwingende Röcke aus mehreren, einander überlappenden Schichten sorgen für bauschige Silhouetten. Sie wurden teilweise bauchfrei zu knappen Bustiertops und über engen Capri-Leggings in gleichem Muster getragen. Interessant und gegensätzlich dazu die wehenden zweifarbigen Federröcke und -oberteile, die sich durch ihre Platzierung an geradlinigen Säumen dennoch sehr gut in die von quadratischen Formen dominierte Kollektion fügten. Baströcke, die durch die Kombination mit Schachbrettmuster-Oberteile und lange fransige Roben mit Perlen und Federkränzen schienen fast wie für die Königinnen von Stammeskriegern gemacht zu sein.
Alexander McQueen
Alexander McQueen
Alexander McQueen
Louis Vuitton
Schwarz, Schwarz, Schwarz ist alles, was ich habe. Das dachte sich wohl Marc Jacobs bei seiner Abschiedskollektion für das französische Modehaus Louis Vuitton. Mit Accessoires wie Uhren, Aufzug, Rolltreppe, schwarzem Brunnen und Karussel ließ das Setting seine vergangenen Kollektionen noch einmal Revue passieren. Auf dem Laufsteg zeigte er düstere, hochdramatische Looks mit Edel-Punk-Flair, dominiert von schwarzer Spitze, dunklen Ornamenten, Edelsteinen und Leder, kontrastiert durch helles Denim. Den Anfang machten punkige Looks, die filigrane, halbdurchsichtige Spitzentops mit weiten, hellen Boyfriend-Jeans kombinierten oder sanfte, filigran bestickte lange Kleider zu derben schwarzen flachen Boots und schweren Bikerjacken zeigten. Auf den Jacken selbst fanden sich ebenfalls Ornamente und Federn sowie kleine Bestickungen, was den Detailreichtum der Kollektion betonte. Aufgesetzter Pelz oder Federn an den Schultern, Samtelemente und feingliedrige Spitzen gaben der Kollektion einen luxuriösen Charakter. An den weiten Hosen, teils mit kaum sichtbarem LV-Mustern, baumelten lange schwarze Ketten. Dramatisch wurde es durch die atemberaubenden langen schwarze Roben mit durchsichtigen Elementen, aufgesetzten Edelsteinen, Teilen aus Spitze und langen Scherpen. Die Models defilierten allesamt mit mondänem schwarzen Feder-Kopfschmuck, was jeden Look an das Schwanensee-Motiv erinnerte. So trug Marc Jacobs seine Zusammenarbeit mit Louis Vuitton trauernd, aber nicht minder fulminant zu Grabe.
Louis Vuitton
Louis Vuitton
Louis Vuitton
Hermès
Das Motto „Tropical after the Sun“ der diesjährigen Frühjahr 2014 Kollektion war definitiv Programm des Défilés von Hermès: Christophe Lemaire ließ sich dabei von den naiven Landschaftsgemälden des Malers Henri Rousseau inspirieren. Nächtliche Farben wie Erdschwarz, Nachtblau und Urwaldgrün wechselten sich mit den Farben des Tages wie Ingwer, Rosenholz, gebranntes Orange sowie Papaya, Sonnengelb und das gleißende Weiß ab. Weibliche, verlängerte Silhouetten mit langen Röcken und zarten Blusen wurden mit voluminösen Jacken und wehenden Mänteln kombiniert. Fließende Kleider suggerieren mehr als sie zeigen. Erst auf dem zweiten Blick wird eine handgewobene Landschaft auf einem Wickelrock zum Kunstwerk. Die plastische Handwerkskunst spiegelte sich auch in anderen Stücken, wie der gestickten Quadrige Bluse wider. Alle Looks fanden ihr Paradigma unter der Sanduhr-Silhouette, entweder geschaffen durch hoch sitzende Hosen und Röcke, meist aber durch schmale Gürtel in der Taille. So entstanden gewickelte und drapierte Looks aus fließenden Stoffen wie Seide, kombiniert mit Chiffon-Krokodilleder. Lieblingsstücke waren die erfrischenden Teile mit geprintetem orangefarbenen Glockenblüten auf dunkelgrünem schilfartigen Muster.
Hermès
Hermès
Hermès
Fotos: Acne Studio, Alexander McQueen, Balenciaga, Carven, Céline, Chloé, Hermès, Louis Vuitton, Dior, Lanvin, Rick Owens, Stella McCartney, Saint Laurent







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