Au Revoir, Paris!
Mit den Schauen von Paris ging die große Schauen-Saison für den Herbst/Winter 2011/12 zu Ende. Trotz des Rauswurfs von John Galliano, fand das Publikum schnell wieder zur Mode zurück, auch wenn weiter über Designer-Wechsel getuschelt wurde.
Hakaan
Am letzten Donnerstag ist die Pariser Fashion Week zu Ende gegangen. Die Paris Fashion Week, die vom 1. bis 9. März in Frankreichs Hauptstadt stattfand, lockte mit über 100 Shows und großen Namen. Neben Schauen der bekannten Pariser Luxus-Labels Balenciaga, Dior, Chanel, Hermés oder Yves Saint Laurent war die Modewoche stellten die Organisatoren Mode à Paris – Fédération française de la Couture, du Prêt à Porter des Couturiers et des Créateurs de Mode, auch wieder junge Talente wie etwa dem türkischen Designer Hakaan und Steffi Christiaens nach Paris. Fast wichtiger als die Mode, so konnte man meinen, war in diesem Jahr der Skandal um John Galliano. Schon vorab drehte sich alles um den Eklat und die Reaktion von Dior. Auch wenn mit offen mißachtet wurde, bliebt die (inkonsequente) Entscheidung, dass Galliano seine eigene Kollektion am Sonntag dann doch vorführen durfte.
Modisch gesehen, überwiegt in Paris farbliches Understatement. Schwarz, vielleicht hin und wieder durchbrochen von dunklem Blau oder Rot dominieren die nächste kalte Saison. Die Silhouetten werden entweder kantig und voluminös oder betonen mit engen (und kurzen) Röcken und schmalen Mänteln die weibliche Figur. Vielleicht weil der letzte Winter soooo kalt war, dominieren Leder, Tweed und Pelz (Kaninchen, Nerz oder Fuchs) den Materialmix für den nächsten Winter.
Balenciaga
Zac Posen
Christian Dior
Nicolas Ghesquière überzeugte gleich am Anfang der Show von Balenciaga mit einem Model, dass einen schwarzen Blouson in grobmaschiger Struktur trug. Es folgte eine romantische Show mit schwingenden Röcken, Fantasy-Prints und Kleidern in Neonfarben mit Fischnetzen überzogen. Besonders feminin stachen die kleinen Lackpumps der Models hervor.
Blau war anscheinend Ganz Zac Posen’s Lieblingsfarbe für den nächsten Winter. Der New Yorker Designer schickte seine Models in blauen schmalen Hosen, blauen Jacken und Blazern sowie blauen Kleider auf den Laufsteg. Durchbrochen wurde der cleane blaue Look von schwarzem Fell oder Leder oder anders farbiger, schimmernder Seide. Alles in allem, können seine (missglückten) Entwürfe der letzten Saison als vergessen angesehen werden.
Große Erwartungen gab es in die Show von Christian Dior. Nach dem Rauswurf John Gallianos hielt CEO Sidney Toledano zu Beginn der Show eine Rede vor den geladenen Gästen, in der er abermals das Verhalten Gallianos abstrafte. So weit so gut: Es folgte eine Show, die mit samtigen Hosen, Lederoberteilen und ganz viel Pelzbesatz auf Mänteln, dicken Schnürboots und Plateauabsatz überzeugte. Farblich dominierten starke Naturtöne von Burgund, Dunkelblau über Schokobraun bis Olive. Leichte Blümchendrucke, Spitzen und Rüschen sorgten für romantische Kontraste.
Lanvin
Viktor & Rolf
Jean Paul Gaultier
Alber Elbaz von Lanvin zeigte eine sehr weibliche Kombination aus Flower- Power und Futurismus. Vor einer Baum-Kulisse präsentierten die Model, gut behütet, schwarze Minikleider und Kurzmänteln mit den so typischen Raffungen und Drapierungen. Zum Ende hin wurden die Entwürfe farbenfroher.
Innovativ: Viktor & Rolf setzten dieses Mal auf modisches Origami und komplett rot geschminkte Gesichter in einer ebenso Schwarz-Roten Farbwelt, die an mittelalterliche Ritter angelehnt war. Highlight: Ein silbernes Kleid mit gefalteter Korsage und Minirock.
Jean Paul Gaultier suchte seine Zielgruppe dieses Mal beim älteren Publikum. Schönheit kennt kein Alter – und so schickte er im Finale der Show die 47-jährige Schauspielerin Valérie Lemercier mit einer kleinen Striptease-Vorführung auf die Bühne. Graue Perücken ließen die Models in Tweed, Nadelstreifenkostümen und Pelzbesatz deutlich älter erscheinen als sie wahrscheinlich waren.
Hermès
John Galliano
Givenchy
Alle Augen auf Hermès: Mit Bravour präsentierte Christophe Lemaire das erste Mal in Paris seine Kollektion für das Modehaus. Ganz in weiß starte die Show. Orientalisch ging es dann mit Kimonos, weichem Leder und Kapuzenjacken in Wüstensandfarben sowie warmen Rot und Orange weiter. Merci!
Eigentlich sollte die Show von John Gallianos eigener Kollektion gar nicht mehr stattfinden. Trotzdem fand sie am Sonntag dann doch noch im kleinen Rahmen statt. Der Designer selbst war nicht anwesend. Knielange Röcke und taillierte Blazer erinnerten an die 40er Jahre. Tweed und Pelz Details wurden mit Chiffon und Spitze kombiniert.
Bei Givenchy gab es dieses Mal einen ganz anderen Look zu sehen: Prints vom schwarzen Panther schmückte zahlreiche Röcke, Blusen, und Jacken. Blütenranken in Lila wirkten verspielt und harmonierten bestens mit den Lederjacken, Samtoberteilen und Pelzjäckchen. Viel getuschelt wurde darüber, ob Chef-Designer Riccardo Tisci zukünftig den Platz Gallianos bei Dior einnehmen könnte. Offiziell wurde diesem Klatsch eine Absage erteilt, aber wer weiß…
Stella McCartney
Chloé
Yves Saint Laurent
Stella McCartney präsentierte übergroße Boyfriend-Blazer und weite Hosen für den lässigen Style. Im Kontrast dazu standen weibliche Stücke mit Punkten und goldenen Mustern. Dicke Strickpullis und schmale Kleider mit voluminösen Ärmeln zeugten von der lässigen Eleganz der Stella McCartney.
Relativ farbenfroh ging es bei Chloè und Hannah MacGibbon’s Patchwork-Entwürfen zu. Python-Prints auf Mänteln, Jacken, Blusen und Hosen kontrastierten mit braunem Leder, Denim und Kaschmir. Rüschen, Verspieltes gab es ebenso zu sehen wie eine bunte Farbpalette aus Orange, Rot, Mint und Gelb.
Yves Saint Laurent überzeugte mit eleganten Retro-Charme. Pures Weiß oder klassische Karo-Tweedmuster dominierten den sexy Büro-Look. Zu sehen gab es Bleistiftröcke, Seidenblusen, doppelreihige Mäntel und tagestaugliche Pelzparkas. Auch Stefano Pilati stand im Verdacht zu Dior zu wechseln, aber eigentlich passt er so gut hierher …
Chanel
Valentino
Alexander McQueen
Bei Chanel erfand sich mit Karl Lagerfeld -wie in jedem Jahr- komplett neu. Düster, dunkel und androgyn wirkten nicht nur die Kulisse aus Holz und Stein, sondern auch die Entwürfe aus groben Strick, Leder und Denim und unbearbeiteten Tweed. Weg von romantischem Style und hin zum rockigen Boyfriend-Look. Eine Kehrtwende, die erneut zum Highlight der Pariser Modewoche wurde.
Valentino begeisterte mit romantischem, femininen Look. Maria Grazia Chiuri und Pier Paolo Picciol zeigten nach einer leichten Sommerausgabe, dass man auch dem Winter leicht begegnen kann. Enggeschnittene, leichte Trenchcoats, Chiffonblusen und Hosenanzüge in Creme, Braun oder Blau schuffen softe Silhouetten. Bodenlange Roben rundeten die Show ab.
Bei Alexander McQueen begeisterte Sarah Burton mit extravaganten Kleidern in Weiß, Grau und Schwarz und atemberaubenden Details unter dem Motto „The Ice Queen and her Court“. Leder, Nieten und Pelz wurden genutzt, um die Dekolletés zu verstecken oder in recht ausgefallener Weise zu betonen. Am Ende folgten geraffte, bodenlange Roben und Puffärmel und jeder Menger Rüschen.
Louis Vuitton
Talbot Runhof
Miu Miu
Louis Vuitton überzeugte am Donnerstagmorgen mit einem Schachbrett als Laufsteg und einem Mix aus Luxus und strenger Erotik. Schwarz, Rot und Grau dominierten Knickerbocker, Blazer und Mäntel, die mit Lackledereinsätzen glänzten. Kombiniert wurden der Uniform-Look mit festschnallbaren Hüten und/oder Strapsen. Zum Ende hin, wurde der strenge Look von puppenhaften, gemusterten Kleidern mit runden Kragen abgelöst.
Bei Talbot Runhof ging es im Gegensatz zur Frühlingskollektion eher businesstauglich zu. Die Models trugen schnörkellose Windjacken, Blazer in Streifenoptik und Streberbrillen mit Hemden, Krawatten und Hüten in Rot, Schwarz, Grau und Braun. Highlight waren drei samtige Kleider aus Seide.
Miuccia Prada beendete die Pariser Fashion Week für Miu Miu mit einer klassischen Kollektion und wunderschönen Details. Farben wie Rotbraun und Schwarz überzeugten auch hier das Publikum. Präsentiert wurden außerdem Kleider mit Schwalben- und Blütenprints sowie glitzernde Pumps mit goldenen oder silberfarbenen Pailletten.







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