Storm-Schäden nicht zu erwarten: Eine ZDF-Reportage hat über schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne in einem Logistikzentrum des Berliner Onlinehändlers berichtet. Ein Shitstorm folgte, aber mittlerweile ist die Empörung verebbt. Und Zalando will die Missstände nun selbst in die Hand nehmen.

Unverschämt, traurig, furchtbar - Zalando am Pranger, aber der Shitstorm ebbt schon ab

Gut, wenn öffentlich-rechtliche Fernsehsender wenigstens solche Reportage bringen als nur auf Volksmusik und Schlager zu setzen. Im Beitrag „Gnadenlos billig“ bei ZDFzoom nahmen die Reporter den Onlineversender Zalando und dessen Praktiken unter die Lupe – mit unangenehmen Ergebnissen. Es wurde berichtet, dass die Beschäftigten im Logistikcenter Großbeeren unter ständiger Beobachtung und größtenteils ausschließlich im Stehen im Acccord arbeiten müssten – und das für einen Mindestlohn von 7 Euro oder unbezahlt, wenn sie als „Schnupperpraktikant“ kamen. Besonders prekär ist die Zahl der sanitären Anlagen – lange Zeit gab es lediglich einen Toiletten-Container in der Halle.

Durch diese schockierenden Arbeitsbedingungen verspielte Zalando das Vertrauen einiger Kunden. Auf der Facebook-Seite des Unternehmens machten viele Fans ihrem Ärger über die Missstände Luft. Insbesondere der Fakt, dass Zalando vom Land Thüringen Millionensubventionen für die Schaffung neuer Arbeitsplätze erhalten habe, stieß bei vielen Usern sauer auf. Und dass das Unternehmen Millionen in die Werbung pumpt, aber ihre Arbeiter nicht anständig bezahlt. Viele drohten damit, nicht mehr beim Onlineshop zu bestellen.  Zalando hielt während des Shitstorms still und reagierte dann auf dem Unternehmensblog, und schiebt nun die Schuld dem Partnerunternehmen in die Schuhe, das „größtenteils für das Personal und für die Prozesse im Lager verantwortlich ist“. Man sei sich aber der „Verantwortung für jeden einzelnen Mitarbeiter, egal ob direkt oder indirekt beschäftigt, bewusst“ Man will jetzt mehr Einfluß auf die Dienstleister nehmen.

Auch der Dienstleister Docdate meldete sich nun zu Wort und gelobt Besserung: „Wir sind stets darauf bedacht, unseren Mitarbeitern eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen und alle Angestellten entsprechend ihres Leistungsvermögens zu fördern”, erklärt das Unternehmen und verspricht, die verschmutzten Sanitäranlagen in Zukunft häufiger zu reinigen.

Für Zalando dürfte sich die Aufregung bald legen. Einen nachhaltigen Umsatzeinbruch dürfte die Reportage nicht verursacht haben, dafür ist der Onlineshop fast zu alternativlos.

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