Schwarz auf Weiß! Laut einer Studie des IFH Köln könnte die Zahl der stationären Geschäfte in Deutschland bis 2020 um 24.000 im besten und um bis zu 58.000 im schlechtesten Fall sinken. Der Handel muss die Weichen jetzt stellen, um in sieben Jahren noch zum Establishment zu gehören.

Stationärer Handel in Zugzwang: Die Weichen für die Zukunft müssen jetzt gestellt werden

Stationärer Handel in Zugzwang: Die Weichen für die Zukunft müssen jetzt gestellt werden

140411_Handelsszenario_Online-Umsatz im Mrd. Euro 2012 - 2020

Handelsszenario 2020: Wie wichtig wird der Online-Umsatz?

Die neue Studie des IFH Köln – Handelsszenario 2020 – zeigt wie der deutsche Handel (aufgeteilt in acht Branchen) im Jahr 2020 aussehen könnt. Fest steht dabei nur eins, so wie wir es jetzt können, bleibt es nicht. Vier Szenarien – davon zwei Online und zwei Offline – hat das Institut dabei als Prämisse genommen. Während die Online-Szenarien „E-Basic 1.0“ und „E-Motion 1.0“ von weiter anhaltend hohen Wachstumsraten im eCommerce ausgehen, wird in den Offline-Szenarien „Discount 2.0“ und „City Revival 2.0“ der Onlinehandel zwar weiter an Bedeutung gewinnen, aber nur noch abnehmende Wachstumsraten realisieren. So oder so wird der Online-Umsatzanteil zwischen 10 und 22% liegen, darüber hinaus wird zwischen Discount- oder Mehrwert-Perspektive (also bspw. eine verstärkte Markenorientierung oder Nachhaltigkeitsbemühungen) entschieden. Lediglich im Szenario „City Revival 2.0“ ist ein generelles Marktwachstum im Einzelhandel denkbar, in allen anderen drei Szenarien bewegt sich der Verlust des deutschen Einzelhandels zwischen -4 und -59 Mrd. Euro.

„Der Handel muss sich neu definieren“

Der stationäre Handel bleibt aber weiter bestehen – jedoch mit weniger Sichtbarkeit. Die Zahl der Geschäfte wird um 24.000 bis 58.000 sinken. Das Umsatzpotential sinkt, vor allem auch, weil neue Online-Vertriebsformen weiter klassische Handelsformate be- und verdrängen. Um Formatsverschiebungen zu verhindern, muss der stationäre Handel mit Multi-Channel-Konzepte dagegen steuern und kanalübergreifend denken. Die Experten vom IFH rechnen vor allem Erlebnis-Formaten, also einem Mix aus Shopping, Freizeitgestaltung und Gastronomie – gute Chancen aus, um in Zukunft bestehen zu können: „Der Händler vor Ort wird zum Berater, Animateur, Stylisten oder Gastronomen und bleibt eben auch Verkäufer. Der Handel ist jetzt gefragt, tragfähige Konzepte zu entwickeln und die Weichen für die Zukunft zu stellen“, so Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH Köln.

Die Studie kann über den Shop des IFH Köln bestellt werden.

Foto: stock / ©sculpies