Die ostdeutsche Textilindustrie rechnet sich dank technischer Spezialstoffe gute Zukunftschancen am Weltmarkt aus, allerdings gefährden steigende Kosten für die Energiewende und beim Mindestlohn den Aufstieg.

Die Bandweberei F.A. Schurig hat den Energieverbrauch zwar drastisch gesenkt, gerät aber durch die EEG-Umlage in Bedrängnis, berichteten die Geschäftsführer in Dresden

Die ostdeutsche Textilindustrie rechnet für 2014 mit einem Umsatzwachstum auf rund 1,8 Mrd. Euro. Nach einem schwierigen Jahr 2013, in dem der Umsatz bei 1,6 Mrd. Euro lag, spürt die Branche im ersten Quartal mit einem Zuwachs von 1,5% wieder Aufwind, teilte der Branchenverband VTI bei seiner Jahresbilanz am Montag in Dresden mit. Auch die Produktivität konnte um 6% verbessert werden.

Der einst deutlich angeschlagene Textilsektor der ehemaligen DDR hat sich „zur Hightech-Branche gemausert“ konstatierte VTI-Hauptgeschäftsführer Bertram Höfer. Dabei hat die ostdeutsche Branche einen wichtigen Standortvorteil, weil die textile Kette aus Spinnereien, Webereien, Strickereien, Wirkereien, Vliesstoffhersteller, Stickereien, Veredelungsbetrieben, Konfektionären sowie Textilforschungsinstituten, Hochschulen und Berufsausbildungseinrichtungen gut funktioniert. Mittlerweile stehen innovative technische Textilien für mehr als die Hälfte des Branchenumsatzes – mit steigender Tendenz. Heimtextilien haben einen Anteil von rund 30%, die restlichen 20% liegen bei Bekleidung. Der Exportanteil liegt aktuell bei knapp 40%.

So gut wie es für die ostdeutsche Textilindustrie läuft, ist die Branche auch in Gefahr. Der flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde könnte die Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe, gerade der in Grenznähe zu Tschechien oder Polen, beeinträchtigen. Auch wenn viele tarifgebundene Unternehmen bereits 8,60 Euro pro Stunde zahlen, fordert Höfer einen Aufschub beim Mindestlohn für nicht tarifgebundene Betriebe, „zumindest eine Übergangsregelung bis 2017“. Er sieht akut rund 30 Unternehmen durch die neue gesetzliche Regelung gefährdet. Zugleich machen der Branche die steigenden Stromkosten durch die Energiewende zu schaffen. „Angesichts steigender Kosten für Energie, Wasser und Abwasser, ergibt sich die Frage, woher künftig eigentlich das Geld für Produktentwicklungen und Investitionen kommen soll“, fragt Höfer und fordert auch hier eine gerechtere Verteilung und eine Umgestaltung des Erneuerbaren Energien-Gesetzes (EEG).

Foto: F.A. Schurig GmbH & Co. KG