Schwerer Stand! Der Herbst ist zu warm und die aktuellen Kollektionen bleiben in den Regalen liegen. Weil das vierte Quartal damit schlechter ausfallen wird als erwartet, hat der Konzern aus Halle/Westfalen seine Prognose für das Gesamtjahr nach unten korrigiert.

Kälteeinbruch erwünscht: Weil es zum Herbstanfang zu warm war, brach der Abverkauf ein

Kälteeinbruch erwünscht: Weil es zum Herbstanfang zu warm war, brach der Abverkauf bei Gerry Weber ein

Der September und Oktober waren für Gerry Weber von rückläufiger Kundenfrequenz und sommerlichen Temperaturen geprägt – mit negativen Folgen für das vierte Quartal 2013/14, das längst nicht mehr die Erwartungen der Gesellschaft erfüllen kann. Die Erreichung der gegebenen Umsatz- und Ertragsziele für das Geschäftsjahr sind aufgrund des aktuellen Marktumfeldes nicht mehr gewährleistet, teilte das Unternehmen mit. Ursprünglich war man von einem Umsatz von 900 Mio. Euro (+5%) ausgegangen – das wird Gerry Weber wohl nicht mehr erreichen können. Das operative Ergebnis (EBIT) hätte laut Prognosen bei 120 Mio. Euro und damit rund 15 Mio. Euro über dem Vorjahr liegen sollen – auch das wird nicht erreicht werden, selbst unter der Prämisse, dass sich die EBIT-Marge über das Jahr deutlich verbessert hatte.

Trotz der momentan schwierigen Situation hält das neue Vorstandstrio Ralf Weber, David Frink und Arnd Buchardt an der bisherigen Wachstumsstrategie fest, die die Marken des westfälischen Modeunternehmen bis 2020 hinsichtlich des relevanten Marktanteils in einigen Ländern Europas unter die Top 3 bringen soll. International soll weiter mit eigenen Läden expandiert werden. Der Vertikalisierungsgrad soll langfristig bei mindestens 80% liegen. Der Retail-Anteil soll mittelfristig mindestens 60% ausmachen. Beim Wholesale geht das Management von einer „Normalisierung des Orderverhaltens von Bestandskunden“ aus, wobei Auslistungen wie in den Vorjahren geringer ausfallen sollen und mit einer weiteren Marktdurchdringung in bestehenden und neuen Märkten gerechnet wird. Im Zuge dessen und bei einem konsequenten Kostenmanagement ist es plausibel, dass die EBIT-Marge, die aktuell bei 12,4% liegt, überproportional gesteigert wird. Das vom ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Gerhard Weber proklamierte „profitable Wachstum“ ist auch zukünftig der Gradmesser, an dem sich die drei neuen Vorstände messen lassen müssen – auch wenn das bedeutet, dass kurzfristige Ziele nicht erreicht werden.