Das Logo von MAXHENKELL: Zeus entführt Europa

Patrick von Ribbentrop hat schon als BWL-Student mit 22 Jahren seinen Einstieg ins Fashionbusiness gewagt. 1995 begann er T-Shirts und andere Merchandising-Artikel der Berliner Humboldt-Universität und anderen deutschen Unis zu verkaufen. Den Shop gibt es heute noch – allerdings ohne ihn. Unter dem Dach seiner Firma PvR Uni-Kleidung GmbH gründete er 2006 dann das Label MAXHENKELL EUROPE. Die Idee dazu entstand bereits drei Jahre zuvor. Der Name MAXHENKELL setzt sich aus seinem zweiten Vornamen und seinem ersten Nachnamen zusammen.

Patrick von Ribbentrop ist fasziniert von der europäischen Seele und fand in den griechischen Sagen ein heißes Paar, das die Seele gelebt hat. Die Kollektionen von MAXHENKELL sind daher nach der Göttin Europa („europes“ for Girls) und dem Gottesvater Zeus („zeuses“ for Men) benannt. Die Story der beiden Götter hat auch ordentlich Sex-Appeal: Der Sage nach verliebte sich Zeus in die schöne Europa und entführte sie als Stier verwandelt nach Kreta – aus der Liebelei entsprangen drei Götterkinder, die “Stoff” für eine Kinderkollektions liefern – die „minos“ Kolletion for kids (ein Sohn von Europa und Zeus) ist schon in Planung.

Patrick von Ribbentrop - CEO von MAXHENKELL EUROPE

1. Was ist die Philosophie von MAXHENKELL?
„Feel the soul“ is unsere Philosophie – im Leben und unserer Fashion. Die Europäische Seele ist allgegenwärtig und Produkte zu designen, die einem die Seele spüren lassen, macht uns großen Spaß. Daher verarbeiten wir z.B. Satin und Spitze in viele Kleidungsstücke.

2. Gibt es die typischen MAXHHENKELL Träger/innen? Wenn ja, wie ist er oder sie denn so?
Klar, Menschen mit dem gewissen Etwas – eben wie „Europe“ und „Zeus“. Vor allem Menschen, die die Seele in sich tragen und spüren möchten – egal ob Europäer oder einfach jemand, der von der Europäischen Seele begeistert ist. Da wir jahrelang Fashion und Accessoires für Studenten designed und vertrieben haben, sind 18 bis 25-jährige unsere Hauptzielgruppe, aber eigentlich kann jeder, der die Seele spüren möchte, MAXHENKELL EUROPE tragen.

3. Auf welche Vertriebs-und Marketingkanäle setzt ihr?
Da wir so ein ausgefallenes Konzept haben, nutzen wir das Internet und planen eigene Läden. Der Einfluss auf das Einkaufserlebnis ist uns sehr wichtig. Das Internet ist ideal, da wir in ganz Europa und der Welt unsere Ideen und Produkte vermarkten können. Bis wir unser Ladenkonzept ausbauen können, muss sich die Marke noch mehr entwickeln und etablieren. Daher arbeiten wir mit Temp-Stores und suchen uns coole und passende Events wie z.B. die MTV EUROPE MUSIC AWARDS, die wir 2009 ausgestattet haben. Die Music Week vor den Awards war unglaublich mit tollen Club Nights jeden Abend. Tagsüber hing dann die Partyjungend im lässigen MAXHENKELL EUROPE Temp-Store in Berlin-Mitte.

4. Euer Name impliziert eine gewisse Internationalität – wie steht’s denn mit dem europa- bzw. weltweiten Vertrieb?
Wir waren schon in New York auf Events vertreten und waren von der Begeisterung für die „Soul“ überwältigt. Bestellungen aus Canada und den USA gehen ein und dann liefern wir gerne über den Teich. Gerade in der neuen Welt möchten die dort lebenden Europäer die Seele spüren und die Amis lieben es auch! Einen Vertrieb haben wir aber noch nicht organisiert.

5. Thema Wintertrends 2010/11: Was fliegt raus, was muss sein?
Hierzu können wir leider noch nichts sagen.

MaxHenkell TrägerInnen fühlen the Soul

6. Wie läuft bei euch der Prozess vom ersten Design bis zum letztlich im Laden hängenden Sweatshirt ab?
Generell arbeiten wir unabhängig und designen Produkte, die wir cool finden. Entweder finden unsere Fans das gut oder nicht. Wir stehen voll drauf! Bei MAXHENKELL wird das Produkt designed und dann gehen alle Unterlagen an unsere Produktionspartner innerhalb Europas, was uns sehr wichtig ist. Die Produzenten machen Muster und dann bekommt das Produkt in Berlin den letzten Schliff. Danach geht es in die Produktion und ca. nach 3 Monaten hängt das Produkt im Laden oder ist auf der Website zu haben.

Einige Produkte, wie unsere Vintage Linie, kaufen wir second hand und „spicen“ das Produkt auf – entweder eigenhändig in Berlin oder bei größeren Mengen bei unseren Partnern in Europa.

7. Im Geschäftsjahr 2008 hat MAXHENKELL noch rote Zahlen geschrieben. Wie kann es auch ein kleines Label schaffen, seine Marke zum Erfolg zu führen?
Man muss klein anfangen und Produkte kreieren, die die Menschen, die in Kontakt damit kommen, begeistern! Der Rest ist viel Fleißabreit! Wichtig ist, mit vielen Menschen zu reden und sie von Deinen Produkten und Deiner Vision zu begeistern.
Geduld muss man haben…

8. Im letzten Jahr habt ihr einen Wettbewerb mit SchülerInnen der Modeschule Esmod durchgeführt. Wie kreativ schätzt du denn den deutschen Modenachwuchs ein?
Das war ein sehr schönes Projekt für uns hierbei möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei Frau Kadolsky, der Geschäftsführerin der ESMOD, bedanken. Einige der Jungdesigener haben uns sehr begeistert. Die Gewinner des Wettbewerbs sprechen für sich. Kreativität ist immer da, man muss sie nur finden und fördern.

9. Wie kam es dazu, dass du als Designerin Alice-Jo-Westenfelder, eine Esmod-Absolventin, zur Chefdesignerin deines Labels ernannt hast?
Als langjähriger Textilunternehmer im Uni-Merchandising Bereich war ich ein Profi in Sachen Merchandising oder wie ich es manchmal nenne „patriotische Fashion“. Unseren Uni-Designs haben wir zwar immer einen Europäischen Stil verpasst, dennoch überlässt Uni-Merchandising einem nicht besonders viele Freiheiten im Design. Bei MAXHENKELL EUROPE wollte ich neue Akzente setzen und suchte daher Unterstützung im Bereich Schnitt und Design. Dafür habe ich eine Ausschreibung an den verschiedenen Berliner Fashion Schulen gemacht. Frau Westenfelder hat sich beworben und tolle Designs präsentiert. Die Entscheidung ist mir sehr leicht gefallen.

10. Du hast schon als Student erste Erfahrungen im Fashion-Business gesammelt. Gibt es aus dieser Zeit ein Schlüsselerlebnis was dein Businessverhalten bis heute prägt?
Wow, hier gibt es so viele Erlebnisse, da könnte und müsste ich ein Buch schreiben. Sehr wichtig sind Begriffe wie „Durchhalten“, „Glaube“, und „Geduld“. Ein paar Anekdoten kann ich erzählen:
Na dann mal los:
Für das erste HUMBOLDT Tee habe ich damals selber sechs Designs angefertigt und diese auf ein A4 Blatt positioniert. Ich bat einen Professor um 5 Minuten seiner Vorlesungszeit und erklärte den 300 Studenten, was wir vorhaben und ließ während dessen die Zettel von zwei hübschen Kommilitoninnen verteilen. Alle Studenten wurden aufgefordert, ihr Lieblingsdesign anzukreuzen. ….Tja, als ich abends nach Hause kam und die Zettel auf dem Boden ausbreitete, musste ich feststellen, dass über 80% aller Befragten alle Designs durchgestrichen hatten und viele sogar geschrieben haben „So was brauchen wir nicht“ oder „Wir brauchen keinen Uniformismus“. Ich musste viel lachen, aber komisch war es eigentlich nicht.
Also, Fazit der Geschichte ist: Man darf sich erstens von Umfragen nicht verleiten lassen und zweitens und viel wichtiger ist, das Positive zu erkennen: 20% von 33.000 Studenten ist auch ein großer Markt!

11. Wo siehst du MAXHENKELL EUROPE in fünf Jahren?
Wir streben danach, eine tolle Marke zu sein, die die Europäische Seele verkörpert. Wir haben viele Ideen und eine wunderbare, aber auch greifbare Vision. Wir möchten unsere „europes“ und „zeuses“ Kollektionen ausbauen, neue Künstler finden, die tolle Sachen für MAXHENKELL kreieren, die „minos“ Kollektion (Ein Sohn von Zeus und Europe – also MAXHENKELL EUROPE for kids) launchen und wunderschönen Schmuck machen, der schon in der Planung ist. Wo wir aber in fünf Jahren sein werden, entscheiden unsere Kunden!

Patrick, vielen Dank für das ausführliche Interview!