Warnstreiks im Handel gehen weiter
In den aktuellen Tarifverhandlungen im Groß- und Einzelhandel verhärten sich die Fronten. Die Gewerkschaft Ver.di kündigt weitere Streiks an, während sich die Arbeitgeber gesprächsbereit zeigen wollen, wenn sich die Arbeitnehmervertreter für grundsätzliche Reformen des Tarifsystems öffnen.
Keine Tarifflucht, mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen – die Liste der Ver.di Forderungen ist lang
Die Gewerkschaft Ver.di setzt ihren Arbeitskampf auch in dieser Woche weiter fort. Am Dienstag rief sie zu Warnstreiks in Baden-Württemberg auf, der rund 450 Beschäftigte folgten. Bestreikt wurden Filialen der Ketten Kaufland, Kaufhof, Real, Ikea und H&M im Raum Mannheim-Heidelberg und Göppingen. Weitere Warnstreiks sollen in den kommenden Tagen folgen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 4. Juni vereinbart.
In Bayern, wo heute (23. Mai) die zweite Verhandlungsrunde stattfand, gab es in den letzten Tagen ebenfalls Streiks. „Wir hoffen, dass die Arbeitgaber diese Signale verstanden haben und ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen“, erklärte Verhandlungsführer Stefan Kraft gestern. Mit einiger schnellen Einigung wird allerdings nicht gerechnet.
Auch in Hamburg, dem einzigen Bundesland, in dem der Manteltarifvertrag (bislang) nicht gekündigt wurde, leistet Ver.di nun sichtbaren Widerstand. Nachdem die erste Tarifverhandlung für die rund 70.000 Beschäftigen am Dienstag ergebnislos abgebrochen wurden, wurden „massive Arbeitskämpfe“ angedroht. Mehrere hundert Beschäftigte wollen auf die Straße gehen. In die Streiks werde man auch das aus der Tarifbindung geflüchtete Warenhaus Karstadt miteinbeziehen. „Karstadt zeigt, wo der wirkliche Modernisierungsbedarf ist, nämlich beim Arbeitgeberverband. Wer seinen Mitgliedsunternehmen die Möglichkeit der Tarifflucht anbietet, legt die Fackel an den Flächentarifvertrag und an die Möglichkeit verlässlicher Tarifregelungen für alle Beschäftigte des Einzelhandels“, so Verhandlungsführer Arno Peukes.
Ver.di fordert je nach Bundesland entweder 1 Euro mehr je Stunde oder Lohn- und Gehaltserhöhungen von 6,5%, mindestens jedoch 140 Euro mehr im Monat. Auch die Ausbildungsvergütungen sollen entsprechend erhöht werden. Ver.di begründet die Forderungen damit, dass die Beschäftigten im Einzelhandel bislang nicht von den Umsatzsteigerungen der letzten Jahre profitieren konnten. Stattdessen hätten Arbeitnehmer beim Vergleich der Reallöhne in den Jarhen 2012 und 2000 netto sogar 1,6% weniger im Portemonnaies. Gleichzeitig werden ihre Verantwortungsbereiche und die von ihnen betreuten Flächen kontinuierlich erweitert. „Die Beschäftigten brauchen spürbare Einkommenserhöhungen. Tarifsätze unter 8,50 Euro wird es nicht mehr geben“, heißt es von Seiten Ver.dis.
Auf der anderen Seite zeigt sich die Arbeitgeberseite, vertreten durch den Handelsverband HDE, nur bedingt einsichtig. Die Forderungen der Gewerkschaften wurden bislang kategorisch abgelehnt. Man wolle die Gewerkschaft dazu bringen, dringend notwendige Reformen im Tarifsystem mitzutragen, um die Tarifbindung wieder zu steigern. Die Streiks hält man für „unangemessen und nicht zielführend“, so HDE-Tarifgeschäftsführer Heribert Jöris. Ziel sei es nicht, wie von Gewerkschaftsseite immer wieder behauptet, Einsparungen bei tariflichen Sonderzahlungen oder Urlaub oder längere tarifliche Wochenarbeitszeiten. Vielmehr gehe es darum, den teilweise aus den 50er-Jahren stammenden Tarifvertrag mit den geänderten Anforderungen an die Tätigkeiten im heutigen Einzelhandel in Einklang zu bringen.
Foto: Ver.di







Kommentare
Keine Kommentare bisher.