Blockadehaltung: Der HDE kritisiert die Verweigerungshaltung der Gewerkschaft ver.di, über eine Modernisierung der Tarifverträge zu sprechen. Die Gewerkschaft dagegen findet das Angebot der Arbeitgeberseite alles andere als akzeptabel.

Verdi streik

Die Beschäftigten gehen für mehr Geld auf die Straße. Aber nützt ihnen das, wenn immer weniger Unternehmen tarifgebunden sind?

Im Tarifstreit im Einzelhandel scheinen sich die Fronten weiter zu verhärten. Der Handelsverband HDE fürchtet um weitere Austritte aus den Tarifverträgen, und macht dafür die Blockadehaltung der Gewerkschaft ver.di verantwortlich. Die will sich nicht auf Gespräche zu einer grundlegenden Modernisierung der veralteten und nicht mehr zeitgemäßen Tarifverträge einlassen. Mittlerweile beschäftigen die an den Flächentarifvertrag gebundene Unternehmen weniger als 40% der Mitarbeiter der Branche – und es könnten noch weniger werden, denn die Tarifverträge entfernen sich immer weiter von den betrieblichen Notwendigkeiten und den Interessen der Mitarbeiter. „Der stetige Rückgang der Tarifbindung im Einzelhandel belegt, dass die nun über zehnjährige Politik von ver.di, in den Verhandlungen alleine über Entgelterhöhungen zu verhandeln, in eine Sackgasse führt“, sagt Ulrich Köster, der Vorsitzende des tarifpolitischen Ausschusses des HDE. Die Verweigerung jeglicher Reformgespräche nach mittlerweile 29 regionalen Verhandlungsrunden ist für ihn nicht erklärbar und auch die Drohung mit Arbeitskampf nützt seiner Meinung nach nicht den Beschäftigten: „Ein mit aller Macht erstreikter Entgeltabschluss nützt den Mitarbeitern nichts, wenn dann in der Folge die Zahl der tarifgebundenen Unternehmen wegen der veralteten Tarifverträge immer kleiner wird.“

Umso enttäuschender sei die Verweigerungshaltung deshalb, weil die Arbeitgeberseite in den laufenden Verhandlungen ein Angebot unterbreitet hat, das die Erhöhung der Entgelte um 2,5% in 2013 und weitere 1,5% in 2014 vorsah. Ver.di dagegen hält dieses Angebot für unzureichend – insbesondere vor dem Hintergrund, dass 6,5% gefordert werden. „Unsere Kolleginnen und Kollegen lassen nicht zu, dass Arbeitszeiten vollständig flexibilisiert, die Löhne in der Warenverräumung um weit über 50% abgesenkt und die Arbeit der Kassiererinnen entwertet werde, nur damit es eine magere Entgelterhöhung gibt“, so Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer nach der dritten, ergebnislos verlaufenden Verhandlungsrunde in München. „Wollten die Arbeitgeber echte Reformen der Tarifverträge, hätten sie die gemeinsamen Reformprojekte nicht verlassen dürfen. Wir stehen nach wie vor für Reformen, die den Namen verdienen – jedoch nicht für Kahlschlagorgien auf dem Rücken der Beschäftigten“, so der Gewerkschafter weiter. Aus diesem Grund mobilisiert die Gewerkschaft ihre Mitglieder weiter und fordert zu mehreren Streikaktionen auf. Die Verhandlungen für Bayern werden am 1. August in München fortgesetzt. Auch in den anderen Bundesländern stehen weitere Verhandlungsrunden an.

Teilerfolg bei Amazon

Einen Erfolg konnte ver.di dagegen beim Versandriesen Amazon verbuchen, wo die Beschäftigten nach zahlreichen Streikaktionen in diesem Jahr erstmals Weihnachtsgeld erhalten werden. Die Gewerkschaft will den Versandhändler dazu zwingen, nach dem Versandhandelstarif zu bezahlen, während Amazon lediglich nach dem Vertrag der Logistikbranche bezahlen will. Tarifverhandlungen lehnt das Unternehmen weiter ab.

Foto: ver.di