Neue Strategie für den Wäschehersteller aus Randolfzell: Der Börsengang ist abgesagt, stattdessen übernimmt der israelische Unterwäsche-Spezialist das deutsche Traditionsunternehmen. Durch den Verkauf sollen die Gläubiger zu 100 Prozent befriedigt werden.

Schiesser Store Berlin

Schiesser wird mit Hilfe von Delta Galil wohl zukünftig weltweit präsenter werden

Die in Tel Aviv ansässige Delta Galil Industries LtD will die Randolfzeller Schiesser AG kaufen. Ein entsprechender Vertrag soll heute zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden (und ehemaligen Insolvenzverwalter) Dr. Volker Grub und der Delta Galil unterzeichnet werden. Laut Medienberichten lassen sich die Israelis die Übernahme rund 90 Mio. US-Dollar (68 Mio. Euro kosten). Der Verkauf bedarf allerdings noch der Zustimmung der Kartellbehörden. Sollten die ihr OK geben, soll Schiesser als eigenständige 100-prozentige Tochterfirma unter der Leitung des jetzigen Vorstands um Rudolf Bündgen fortgeführt werden.

Kein Börsengang mehr

Der Verkauf erfolgt aus mehreren Gründen: Der für das zweite Quartal anvisierte Börsengang wäre unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen sicherlich nicht der einfachste Weg gewesen, um die Gläubiger zu befriedigen und ausreichend Kapital für das weitere Wachstum zu beschaffen. Bereits im letzten Jahr wurde der IPO wegen der schwankenden Marktbedingungen verschoben. „Obwohl Schiesser sicherlich eine vielversprechende Aktie geworden wäre, hätte das derzeitige volatile Börsenumfeld für die mittelfristige Entwicklung von Schiesser weniger Vorteile geboten, als der langfristig orientierte strategische Investor Delta Galil“, erklärte Grub.

Internationaler und breiter aufgestellt

Durch den Verkauf an Delta Galil, die zwar weltweit, aber noch nicht im deutschsprachigen Raum aktiv sind, können auf beiden Seiten Synergien realisiert werden. Die an der Börse von Tel Aviv gelistete Delta Galil setzt jährlich rund 700 Mio. US-Dollar um, zusammen mit Schiesser könnten es 900 Mio. Dollar sein. Mit Hilfe der Israelis erhält Schiesser die Möglichkeit, weiter in internationale Märkte vorzustoßen und Zugang zu innovativen Produktionstechniken zu bekommen. Nicht nur die Absatzmärkte, sondern auch das Portfolio könnten deutlich ausgeweitet werden,  etwa im Dessousbereich, mit Activewear, Shapewear oder mit Socken, denn Delta Galil besitzt in all diesen Bereichen Produkt-Know-how. Überdies erhofft man sich in Randolfzell auch die deutschen Kapazitäten besser auszulasten.