Sommerlaune mit Tiefpreisen
Schnipp Schnapp, die Hälfte muss ab: Weil der Sommer auf sich warten ließ, haben viele Modehändler schon den Rotstift angesetzt. Zu früh, denn der Sommer kommt ja erst noch. Doch viele Kunden lassen sich mittlerweile ohne große Preisnachlässe gar nicht mehr locken.
Händler und Filialisten locken Kunden mit großzügigen Rabatten in die Läden
Der Frühling war in diesem Jahr nicht so wie man ihn kennt. Statt zaghaftem Grün und langsam steigenden Temperaturen dominierten graue Tristesse, Dauerregen und Temperaturen im einstelligen Bereich (auch mal im Negativbereich). Viele Modehändler blieben wegen des schlechten Wetters auf ihren Frühjahrskollektionen sitzen und lockten Kunden mit großzügigen Rabatten in die Läden – in der Hoffnung, vielleicht doch noch das ein oder andere luftigere Teil loszuschlagen.
Große Erwartungen treffen auf kühle Realität
Der Mode- und Schuhhandel legte alle seine Hoffnungen auf den Sommer – und wurde erneut enttäuscht, denn auch der Sommeranfang machte seinem Namen keine Ehre. Viele Händler verloren nun endgütig die Nerven und setzten rein vorsorglich den Rotstift bei der Sommerware an – teilweise schon Ende April, wo es im letzten Jahr erst im Juni erste Nachlässe gegeben hatte. Jetzt zum meteorologischen Sommeranfang (1. Juni) läuft die Rabattschlacht schon auf Hochtouren. In Shoppingcentern und auf Einkaufsmeilen winken bereits Nachlässe von bis zu 50%. Mit viel weniger lassen sich viele Kunden oftmals gar nicht locken: „Wer springt noch auf 20% Reduktion an – kein Mensch“, resümiert GfK-Marktforscher Bernd Lochschmidt.
Rabatte: Das kalkulierte Risiko?
Laut GfK-Recherchen wurde in 2012 bereits fast jedes zweite Kleidungsstück (46%) mit einem Preisnachlass verkauft. In diesem Jahr liegt die Quote bei Oberbekleidung schon jetzt bei 43% – und es wird erwartet, dass der Anteil weiter steigt. Viele Händler haben bei ihrer Kalkulation Rabatte und Preisnachlässe bereits mit einbezogen. Doch selbst bei guten Kalkulationen von 2.8 bis 3.0 können Nachlässe von 50% nicht ausreichen, um gewinnbringend zu arbeiten. Auf der anderen Seite tragen viele Händler an der Misere auch Mitschuld: Über die Jahre haben sie sich ihre Schnäppchenjäger „ranerzogen“. Der volle Preis wird nur von besonders modisch orientierten Käufern oder von Bedarfskäufern (meist Männern) gezahlt – ansonsten wartet man (bzw. frau) auf die roten Preisschildchen.
Der deutsche Handelsverband HDE rät den Händlern dazu, mit großzügigen Rabatten noch bis nach Mitte Juli, bis zum Start des offiziellen SSV, zu warten. Der Verband sieht die Lage grundsätzlich weniger dramatisch als die Recherchen des GfK es nahe legen: Es sei noch nicht so, dass auf „breiter Front ein Reduzierungswahn ausgebrochen“ sei. Statt das gesamte Sortiment zu reduzieren, sollte man Kunden mit einer kleinen Auswahl von stark reduzierten Artikeln ins Geschäft locken, so der Rat des Textilhandelsverbands BTE. Dann ergibt sich die Chance, dass der eine oder andere Kunden auch ein Teil aus der aktuellen Sommerkollektion zum vollen Preis mitnimmt.







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