In der stabilen Seitenlage: Der Versender aus Frankfurt geht in die Offensive, um durch die Insolvenznachricht verunsicherte Gläubiger zu beruhigen. Per Pressemitteilung bittet man Lieferanten um Hilfe und ködert Kunden mit Treueangeboten und Humor.

Alles läuft wieder: "Neckermann ist stabilisiert"

Lustig ist, wenn man trotzdem lacht: Neckermann nimmt's mit Humor

... und setzt noch einen hinterher

Der PR- und Presseverantwortliche der neckermann.de GmbH hat in den letzten Tagen einiges zu tun – allein in den letzten zehn Tagen gab es drei Meldungen. Es gilt nach dem Insolvenzantrag möglichst wenig verbrannte Erde zu hinterlassen. Auch aktuell sollen die Wogen geglättet werden: „Der drohende Zusammenbruch des Betriebes bei Neckermann ist erfolgreich verhindert worden; Neckermann ist vorerst stabilisiert“, hieß es vergangene Woche.

Das Management und die Insolvenzverwalter haben nach Verhandlungen mit den Hauptgläubigern, der Bundesagentur für Arbeit und den Lieferanten den Betrieb sowie den Ein- und Verkauf vorerst gesichert. Man versichert ums Neue, dass der Auslieferungsstau in den nächsten Tagen abgearbeitet wird. Auch die Mitarbeiter sollen rechtzeitig (vorfinanziert über Insolvenzausfallgeld) ihre Löhne und Gehälter erhalten. Der Traditionsversender aus Frankfurt bittet öffentlich alle „Lieferanten und Kunden um Treue und Hilfe“. Kunden erhalten seit Samstag besondere Treueangebote für Haushaltsgeräte und sollen dadurch ermutigt werden, entgegen den Unkenrufen durch Verbraucherschutzorganisationen und Medien doch dort zu bestellen. Damit geht das Unternehmen selbstbewusst um: Auf der Webseite wirbt es mit kernigen Sprüchen wie „Insolvent. Na und? Sie wollen schließlich kein Geld bei uns bestellen, sondern Ware” oder „Sie haben momentan wenig Geld in der Kasse? Wir wissen, wie sich das anfühlt.”

„Die Mitarbeiter sind bereit, um Neckermann und ihre Arbeitsplätze zu kämpfen. Sie arbeiten mit großer Motivation, um die Bestellungen der Kunden pünktlich und zuverlässig zu bedienen. Nach der Stabilisierung des Betriebes ist die nächste Herausforderung, einen Investor zu finden, der gesunde Kernbereiche übernimmt und das Unternehmen fortsetzt“, erklärt Michael Frege, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde.

Erste Investoren

Weiter heißt es, dass bereits erste Investoren das Unternehmen oder Teilbereiche prüfen. Insbesondere die Internethandelsplattform, der Logistikbereich und der Handel mit Übergrößen könnten dabei von Interesse sein. In drei bis vier Wochen soll die erste Prüfungsphase abgeschlossen sein, aber vorher kommt bestimmt noch die eine oder andere beruhigende Meldung aus der Frankfurter Zentrale.

Foto: Neckermann