Die Sanierung des Essener Warenhauskonzerns ist immer noch nicht abgeschlossen. Karstadt-Chef Jennings verordnet dem gesamten Sortiment einen radikalen Schrumpfkurs, sogar im Fashion-Bereich sollen einige Marken gestrichen werden.

Andrew R. Jennings: In diesem Herbst wird man die Veränderungen sehen

Weg mit der Scheinauswahl: Nicht mehr, sondern die richtigen Produkte anbieten

Vorstandschef Andrew Jennings hat im Interview mit der Financial Times Deutschland erklärt, mit welche Maßnahmen er zukünftig noch umsetzen will, um den angeschlagenen Warenhauskonzern Karstadt wieder flott zu machen. Dabei ist der Konzern nicht wie erwartet schwungvoll ins erste Quartal, das am 1. Oktober 2011 begann, gestartet. Das für Einzelhändler so wichtige Weihnachtsgeschäft war offenbar nicht die erwartete „Erntesaison“ und die Sporthäuser hatten aufgrund des milden Winters ebenfalls zu kämpfen. „Die Wintersaison war extrem schwierig. Außerdem entwickelt sich die Wirtschaft schlechter“, begründet Jennings den mauen Start. Knappes Fazit des 63-jährigen Briten: „Es wird ein hartes Jahr, keine Frage“, zumal Karstadt weiter „vor grundlegenden Veränderungen steht“.

Schrumpfkurs im Modesortiment

Während sich die Kunden im vergangenen Jahr über einige Karstadt-Filialen freuen durften, geht es jetzt ans Eingemachte. Das Sortiment soll drastisch ausgedünnt werden. Multimedia-Artikel sollen komplett gesrtichen werden, die Buchabteilungen stehen zu Diskussion, fokussiert werden sollen die Bereiche „Mode, Wohnen, Sport und Personality“. Aber auch das Modesegment wird nicht verbreitert, sondern sogar um 20% geschmälert – und das ist laut Jennings „erst der Anfang“. Das gesamte Sortiment und alle Lieferanten stehen aktuell auf dem Prüfstand, um die „Scheinauswahl“ zu minimieren. Es kommt laut Jennings nicht darauf an, „Unmengen, sondern die richtigen Produkte“ anzubieten.

Noch ein langer Weg

Die Umsetzung der vorgegebenen strategischen Ziel wird wohl noch die „nächsten vier, fünf, sechs Saisons“ dauern. In diesem Herbst und im nächsten Frühjahr soll der Wandel dann sichtbar sein, 2014 dann sogar noch deutlicher. „Wir werden mindestens einmal pro Jahr das gesamte Sortiment überprüfen. Dabei gucken wir auf die Profitabilität jeder einzelnen Marke. Das wurde bei Karstadt bisher nicht gemacht“, erklärt Jennings das Vorgehen.