Des Widerspenstigen Zähmung: Nachdem bereits ein Ordnungsgeldverfahren gegen den Warenhauskonzern eingeleitet wurde, hat das Unternehmen nun endlich seinen Geschäftsbericht 2010/11 veröffentlicht. Trotz Umsatzeinbußen und einem Verlust blieb die Führung optimistisch.

Karstadt Kasse

Karstadt machte in 2011 ein leichtes Umsatzminus, aber es ist unter Verschluss, wie es aktuell um die Situation des Unternehmens bestellt ist

Karstadt beugt sich dem Rechtsstaat und hat nun endlich – nachdem das Bundesamt für Justiz bereits ein Ordnungsgeldverfahren eingeleitet und ein Bußgeld verhängt hat – den Geschäftsbericht 2010/11 (Stichtag: 30. September) mit fast fünf Monaten Verspätung im Bundesanzeiger veröffentlicht. Somit kann nun jeder nachlesen, wie es um den Essener Warenhauskonzern vor anderhalb Jahren stand.

Insgesamt machte Karstadt von Oktober 2010 bis September 2011 einen Einzelhandelsumsatz von 3,228 Mrd. Euro und damit 3,1% weniger als im Jahr zuvor. Filialbereinigt lag das Minus lediglichbei 0,6%. Während die Kategorien Multimedia, Freizeit, Sports, Home, Personality und Gastronomie leichte bis schwere Einbußen hinnehmen mussten, konnte im Bereich Fashion ein Umsatzplus von 0,6% auf 1,373 Mrd. Euro erreicht werden. Dagegen konnte der Essener Konzern die Rohertragsmarge von 44,9% auf 45,1% erhöhen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit verbesserte um 2,2 Mio. Euro auf 16,3 Mio. Euro. Allerdings belief sich der Bilanzverlust auf 20,8 Mio. Euro, was der Konzern mit „Aufwendungen im Zusammenhang mit dem beschriebenen Strategiewechsel“ in Höhe von 33,5 Mio. Euro nach der Insolvenz und Berggruen-Übernahme begründete.

Karstadt Fashion Sortiment

Hoffnung Fashion: In 2012 erweiterte Karstadt das Modesortiment mit vielen neuen Marken

Liest man den epischen Teil des Berichts, verbreitet Karstadt darin Optimismus: Durch die Optimierung der Sortimente, Filialmodernisierungen und die Stärkung des Onlinegeschäfts sowie weiterer Maßnahmen und Investitionen zur Neuausrichtung des Geschäftsmodells unter dem Namen „Strategie 2015“ sollte der filialbereinigte Einzelhandelsumsatz der reinen Warenhäuser in 2012 um 0,9% ansteigen. Durch die Ausgliederung und Verselbständigung der Karstadt Premium GmbH und Karstadt Sports GmbH würde der Einzelhandelsumsatz um 18% abnehmen, was aber durch Großhandelsumsätze aus den mit den Schwestergesellschaften abgeschlossenen Warenbelieferungsverträge ausgeglichen werden könne. Für 2012/13 wurde aufgrund der konsequenten Umsetzung der Strategie mit weiteren Marktanteilsgewinnen und einem „damit über der Marktentwicklung liegendes Umsatz- und Rohertragswachstum“ gerechnet.

Ob sich die damaligen Hoffnungen von CEO Andrew Jennings tatsächlich so erfüllt haben und er immer noch so optimistisch ist, ist fraglich. Im letzten Sommer war immerhin erst ein Drittel der Strategie 2015 implementiert. In einem Mitarbeiterbrief zeigte sich Jennings allerdings enttäuscht über den Jahresauftakt und beurteilte er die derzeitige Geschäftslage als „schwierig“, was sich auch daran ablesen lasse, dass Mitbewerber bereits mit umfassenden Preisnachlässen reagiert hätten, berichtete die FAZ kürzlich.