Karstadt doch wieder ein Wackelkandidat?
Haben sich Berggruen, Insolvenzverwalter Görg und Karstadt-Angestellte zu früh gefreut? Die für Freitag anvisierte Übernahme des Warenhauskonzerns könnte wegen eines Einspruchs gegen den Insolvenzplan doch noch scheitern oder sich zumindest verzögern.
So viele Nächte durch verhandelt, um nun zu scheitern? Berggruen bekommt im Kampf um Karstadt schon graue Haare
Am 1. Oktober sollte der deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen eigentlich die Schlüsselgewalt über den Warenhauskonzern erhalten. Nun haben zwei Gläubiger gegen den Insolvenzplan Beschwerde eingelegt und fordern eine 100%ige Erstattung ihrer Forderungen, gab Thomas Schulz, der Sprecher der Insolvenzverwaltung, am Wochenende bekannt. Bei den Störenfrieden handelt es sich um zwei Karstadt-Lieferanten. Die erste Forderung stammt von der Gildehandwerk aus Bocholt in Höhe von 70.000 Euro. Die zweite Forderung stammt noch aus dem Verkauf der Hertie-Filialen durch Karstadt an den Investor Dawnay Day und liegt im sechsstelligen Bereich.
Schulz erklärte, dass man alles dafür tun werde, damit die Übergabe wie geplant verlaufen werde. Man sei in „intensiven Verhandlungen“ mit den Gläubigern. Die verlangen neben der 100%igen Erstattung auch ein persönliches Abendessen mit Berggruen, um den Sanierungsplan zu besprechen. Da die Insolvenzverwaltung diese Forderungen für inakzeptabel hält, prüfe man die Einleitung eines Strafverfahrens wegen Rechtsmittelmissbrauchs – schließlich gelte der Grundsatz der Gläubigergleichbehandlung. Außerdem hätten alle Gläubiger am 12. April dem Insolvenzplan für Karstadt zugestimmt. Schulz, der der Bild am Sonntag einige Fragen beantwortete, kommentierte das Verhalten der Gläubiger so: „Auch bei Gläubigern greift die Unsitte um sich, Geld zu erpressen.“
Mit der Übergabe an den Investor Berggruen sollte an diesem Freitag eigentlich das größte Insolvenzverfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte zu Ende gehen. Für alle Gläubiger bedeutet der Neustart in die Ära Berggruen ein endgültiger Verzicht auf Forderungen, die sich kumuliert auf 2 Mrd. Euro belaufen.
Foto: via picapp/Reuters/Fabrizio Bensch







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