Der schwedische Modekonzern nimmt Kurs auf Australien und Südamerika – und will so zum Konkurrenten Inditex aufholen. In einem Interview äußert sich der jüngste CEO im schwedischen Aktienindex über Expansion, Übernahmen, das Retailgeschäft und natürlich die Aufholjagd zum spanischen Konkurrenten.

H and M Open First Store In Israel

Begeisterte Mädels bei der Eröffnung des ersten israelischen H&M in Tel Aviv im März 2010

Der zweitgrößte europäische Modekonzern H&M will sein Wachstum beschleunigen und plant erste Store-Eröfffnungen südlich des Äquators. „Brasilien und Argentinien sind sehr interessant“ verrät der CEO Karl-Johan Persson und fügt hinzu, dass er Australien auch nicht uninteressant findet. Der schwedische Konzern mit den zwei roten Buchstaben ist definitiv auf Expansionskurs in die südliche Hemisphäre, aber erst wenn sicher ist, dass „man es schaffen kann“.

Keiner der über 2.000 Stores liegt auf der Südhalbkugel, weil die Beschaffungslogistik aufgrund der umgekehrten Winter-Sommersaison komplizierter sei. Inditex, der spanische Konkurrent und größter europäischer Modekonzern, ist bereits seit 1999 in Brasilien aktiv und hat weltweit doppelt so viele Verkaufsstellen (über 4.600 Läden in 74 Ländern) wie der schwedische Rivale. In der Tat ist Brasilien ein sehr attraktiver Markt: die Umsätze stiegen im März um 15,7%. Das ist fünfmal so schnell wie das Wachstum in Deutschland, dem größten H&M-Absatzmarkt.

Der Konzern H&M bezieht seine Waren von über 700 unabhängigen Lieferanten, hauptsächlich aus Asien und Europa. Wenn man unterhalb des Äquators expandieren würde, dann würde man das Lieferantennetzwerk natürlich auch in der Südhalbkugel ausbauen. Um das positive Sales-Wachstum zu beschleunigen, könne er sich vorstellen, 2010 dort erste Stores zu eröffnen.

Während die H&M Gruppe nur H&M und den Edel-Ableger COS (Collection of Style) und die Minilabels Monki, Weekday und Cheap Monday betreibt, ist der spanische Konkurrent mit Shops wie ZARA, Massimo Dutti und Bershka deutlich differenzierter aufgestellt. Ein Modell was auch für H&M funktionieren könnte. Persson stellt aber klar, dass die Wachstumsraten von 10 bis 15 Prozent auch ohne die Expansion in die südliche Hemisphäre oder Übernahmen erreicht werden können. Deshalb „halten wir die Augen offen, aber haben keine unmittelbaren Pläne“ für Akquisitionen, obwohl ausreichend Mittel dafür zur Verfügung stünden.

Für 2010 ist Persson optimistisch: „Meine Vermutung ist, dass 2010 für den Einzelhandel ein besseres Jahr wird als 2009.“ Allerdings wären die Bedingungen für Store-Eröffnungen in diesem Jahr schwieriger, weil die anziehende Wirtschaft die Nachfrage nach Verkaufsflächen nach oben treibt. Die Schweden hatten in 2009 über 250 Läden eröffnet und haben sich dieses Jahr 240 Neueröffnungen geplant, hauptsächlich in den USA, Japan und China. In Deutschland sollen nicht mehr so viele neue Läden eröffnet werden um sich nicht weiter so stark abhängig zu machen – in Deutschland erwirtschaftet H&M immerhin ein Viertel seiner Umsätze. „Es gibt sicher noch viel zu tun in Deutschland, aber wenn nach Amerika, Japan oder China und andere Märkte schaut, die wir noch nicht erobert haben, dann ist dort das Wachstumspotential offensichtlich größer.“

Die Expansion nach Indien ist wegen Eigentumsrestriktionen erst mal kein Thema für Persson, obwohl er „zu einem gewissen Zeitpunkt“ gerne dort einsteigen würde. „Indien geht wie verrückt ab. Da gibt es ungeheure Möglichkeiten, da es in Bezug auf Modeeinzelhandel immer noch jung ist.“ so Persson.

Aber auch andere Länder sind immer noch ganz heiß auf die Eröffnung von H&M Stores. Vor Kurzen erst eröffnete der erste Store in Seoul und in Tel Aviv und die Mädels standen dort Schlange. Auch der eCommerce-Bereich läuft. H&M verkauft mittlerweile in über sieben Ländern online und will noch in diesem Jahr in Großbritannien über‘s Internet erobern.